Drei Königsausflug

Nachdem wir heuer wieder nicht beim Stier teilnehmen, die Hallen-Landesmeisterschaft erst Ende Jänner startet und auch Testspiele in weiter Ferne sind, wurde die Zeit für einen Ausflug nach Südtirol genutzt. Erhitzte dieses Thema vor ein paar Jahrzehnten noch die Gemüter und man zog in den bewaffneten Kampf gegen die italienische Herrschaft, ist es heute weitestgehend ruhig um diesen schönen Fleck Europa geworden. Doch spätestens wenn man vor Ort ist, merkt man das man zwar in einem anderen Land ist, die Leute allerdings die selben sind.

Doch alles der Reihe nach. Für Donnerstag nachmittag wurde ein schlimmes Schneechaos vorhergesagt und daher startete man in Salzburg bereits um die Mittagszeit. Mit Ausnahme von Salzburg und Bayern war es wettermäßig aber recht gut und so überquerte man flott den Brenner. Erste Station sollte das Eishockeyderby zwischen HC Pustertal und HC Bozen sein. Endlich in Bruneck angekommen, begann es dann plangemäß mit dem Schneefall. Von diesem ließen wir uns und die hunderten italienischen Touristen nicht abkriegen und genossen noch das oder andere Heißgetränk am idyllischen Weihnachtsmarkt.

Bruneck liegt im Pustertal, an der Mündung der Ahr in die Rienz (nach der auch das heimische Bier benannt ist). Es ist die fünftgrößte Stadt Südtirols (15.523 Einwohner, Stand 31.12.2010) und ist den meisten wohl durch den Kapuziner-Wastl bekannt. Weiters beherbergt man mit dem HC Pustertal auch einen Top-Eishockey-Klub in der Stadt. Heute sollte in der alten Halle das Duell gegen die Rivalen aus Bozen stattfinden. Bereits Tage vor dem Spiel war die Halle ausverkauft, was normalerweise eher in den Play Offs der Fall ist. Mangels sportlicher Alternativen (Fußballmäßig gibt es in Südtirol nicht wirklich etwas) sieht man in der ganzen Stadt Hinweise auf die „Wölfe“ (Spitzname des HC Pustertal).

Bereits eine Stunde vor dem Spiel betrat man die alte Halle in Bruneck und staunte nicht schlecht. Herrscht normalerweise in Österreichs Hockeyhallen gähnende Leere, war diese bereits lang vor Anpfiff prall gefüllt. Man fühlte sich etwas in der Zeit zurückversetzt, da die Tribünen vollständig aus Stehplätzen bestanden. Eine Seite der Halle ist offen und nur mit Planen abgedeckt. Insgesamt hatte man eher den Eindruck, wie wenn in eine Scheune eine Eisfläche samt Tribünen transferiert wurde. Auf der Geraden versammelten sich die aktiven Heimfans („Wolves“), welche Trommeln, Fahnen und auch ein Megaphon ihr eigen nennen können. Die Stimmung war die ganze Zeit vorhanden, was wohl auch am guten und preiswerten Glühwein lag. Doch auch die musikalische Untermalung passte gut. Während bei uns versucht wird möglichst alternativ zu wirken, liefen hier neben Onkelz und Ballermannhits auch die Tiroler Landeshymne. Man merkt es auch in der ganzen Stadt, daß man zwar auf die italienischen Touristen angewiesen ist, man selbst aber gar nichts mit denen gemein hat. Im Radio läuft Austro Pop, „I am from Austria“ ist der Top Diskohit, man kann zwar italienisch, spricht aber durchwegs deutsch, irgendwie war es etwas seltsam.

Bei den Bozner Anhängern sah dies alles schon etwas anders aus. Bozen ist zwar die Hauptstadt von Südtirol, der italienische Anteil ist hier aber höher. So zeigten die knapp 100 Mitgereisten auch die il tricolore. Leider war von der früheren Gruppo Mele Marce nichts zu sehen. Diese alte Gruppe wurde aus dem Stadion verdrängt und zeigt sich jetzt nur mehr sporadisch in den Hallen.

Das sportliche Niveau am Eis ist eher unter der österreichischen Liga anzusehen, Spannung war aber geboten. Stimmungsmäßig war es aber überraschend. Teilweise (z.B. bei „chi non salta…“) zog die gesamte Halle mit. Mit etwa 2500 Besuchern war diese ausverkauft, dementsprechend war auch der Lärmpegel. Die Gesänge waren gemischt zwischen italienisch (meist Beschimpfungen) und deutsch. Die Gäste konnten sich nur teilweise bemerkbar machen. Die Atmosphäre machte sich auch am Eis bemerkbar und so entwickelte sich ein kampfbetontes Spiel. Die Pustertaler vergaben viele Chancen, Bozen versemmelte zudem einen Penalty. Mit 1:1 ging es in die Verlängerung, die ein paar Sekunden vor Schluß die Heimischen gewannen.

Tags darauf ging es dann aber zum Fußball, da Eishockey zwar nett ist, der grüne Rasen dann aber doch mehr Reiz aussprüht. Während viele Hopper wohl die Kombi Vicenza und Verona-Modena wählten, entschieden wir uns nur für die Stadt von Romeo und Julia. Auf der Fahrt aus dem tiefverschneiten Pustertal, kam schnell die Frage hoch ob es weiter unten nie schneit. Bereits ab Bozen wurde das weiße Vergnügen immer weniger und in Verona begrüßte uns die Sonne mit angenehmen 10 Grad plus. Schnee war hier maximal in manch Lokalitäten aufzufinden. Das Wetter lud förmlich zu einer Stadtbesichtigung ein und so war die Altstadt völlig überlaufen. Dies machte sich auch bei den Bussen bemerkbar, die in irgendwelchen Intervallen antrabten. So hatte man genügend Zeit beim Warten die verschiedenen Plakate und Aufrufe an den Wänden zu lesen. Fast ausschließlich lud die Casapound zu örtlichen Aktivitäten ein (seien es jetzt Konzerte, Demos oder einfach Pubabende). Bei uns sicherlich undenkbar, dass konservative Gruppen ungestört zu Festen aufrufen dürfen. Auch rund ums Stadion Marcantonio Bentegodi war die, nach dem amerikanischen Schriftsteller Ezrah Pound, benannte Gruppe präsent (ebenso wie die VFS). Durch die Busverspätung und den komplizierten Kartenkauf blieb aber nicht lange Zeit für genauere Betrachtungen. Eintrittskarten gab es beim Stadion, allerdings nicht bei den 4 geöffneten Kassen (die dutzenden alten Schalter waren geschlossen), sondern in Baucontainern auf der anderen Straßenseite. Bei den ersten gab es nur etwas für tesserati, bei den Containern spielte es sich daher ab. 15 Minuten vor Anpfiff standen noch immer hunderte Wartende an um sich auf den Karten ihren Namen raufdrucken zu können. Wie bekannt kommt man in die Kurven nur mit der Tessera del Tifosi rein, so entschied man sich für 22 Euro die Gerade zu beglücken. Direkt mit Anpfiff war man endlich auf seinen Plätzen.

Das Stadion war „gut“ gefüllt, die Curva Sud relativ voll (bei Hellas haben fast alle Ultras die verpönte Karte), die Curva Nord bis auf die etwa 150 Modenesi komplett leer. Hellas überzeugte durch guten Support, während die Gäste statisch herumstanden. Wie der Zufall es so wollte, platzierten sich oberhalb unserer Plätze einige Ultras, welche auch durchgehend für Stimmung sorgten. Auf Grund fehlenden Wissens rund um die Fanszene der Veronesi ist aber schwer wie diese Gruppe/Gruppen heißen. Einzig die von den Länderspielen bekannte Verona Fahne konnte zugeordnet werden.

Modena ging mit 1:0 in Führung, was die mitgereisten Gäste zum Jubeln brachte. Einige liefen auch herüber zum Zaun um sinnfrei zu posen, die angrenzenden Veronesi zeigten sich allerdings wenig beeindruckt. Am Feld vergab Hellas eine Chance nach der anderen, was das Publikum zum Verzweifeln brachte. In der Halbzeit wurden die Plätze Richtung Curva Sud getauscht und siehe da nach kurzer Zeit fielen die Unmengen an Hoppern wieder auf. Bereits beim Kartenkauf machten sie die klassischen deutschen Ultras (mit Windbreaker, Karocap…) ebenso bemerkbar wie die klassischen österreichischen ASB-Schreiberlinge in ihren Chucks und Parkas. Teilweise konnten auch noch die zuvor in Vicenza gekauften rot-weißen Schals ausgemacht werden, rasch überdeckt mit den blau-gelben Hellas Utensilien. Wenn sich in Italien auch viel verändert hat, das Phänomen der ausländischen Hopper wird wohl immer bleiben.

Curva Sud supportete in der zweiten Hälfte weiter wie bisher, auch auf der Haupttribüne konnten weitere Ultrágruppen ausgemacht werden. Scheint so, als ob es in Verona auch keine einheitliche Meinung zur Tessera gibt. Vorwürfe darf man wohl keinen machen, denn im Endeffekt wird sich jeder selbst denken, was besser für sich und seine Gruppe ist. Neben der bekannten Beflaggung der Sud konnte zudem auch eine kleine Ultras Sur Fahne ausgemacht werden.

Als sich bereits jeder mit einer Niederlage abfand, drehte Verona innerhalb von einer Minute das Spiel und gewann mit 2:1. Der Torjubel inklusive dem folgenden „Forza Verona ale“, war einfach genial und zeigt wohl auf wie es früher gewesen sein müsste.

Nach dem Spiel ging es rasch retour Richtung Bahnhof. Falls es hier jemand weniger eilig hat, kann er sich an der Straße vom Stadion zum Bahnhof noch mit den Blackies vergnügen, für die ganze speziell interessierten Reisenden.

Als Fazit kann man ruhig eine Empfehlung abgeben. Sowohl die Stimmung beim Eishockey wie auch bei Hellas war gut, man muss eben die Erwartungen in das Land der magischen Ultras etwas zurückschrauben. Speziell der Kartenkauf beim Fußball ist einfach letztklassig oder auch wieder eigen. Immerhin wurde man bei Verona nicht an irgendwelche schwindligen Bars verwiesen. Kurvenmäßig scheint es auch wieder einen Aufbruch zu geben, zumindest die „großen“ Kurven dürften die Tessera akzeptiert haben und sind nun wieder teilweise in den Stadien präsent. Bleibt aber abzuwarten ob es nach dem ersten kleinen Erfolg (die Kreditkartenfunktion der tessera wurde als rechtswidrig angesehen) einen größeren geben wird und im Land der Ultras wieder Normalität einkehren wird. Für Leute die mit Italien aufgewachsen sind und es so kennen und lieben lernten, wird es wohl bei einer Geldverschwendung bleiben.

§ 283 StGB Verhetzung

Heimlich still und leise trat mit 1. Jänner 2012 der neue Verhetzungsparagraph in Kraft. Gab es bisher schon eine Richtlinie, wurde diese mit der Novelle verschärft.

Im Wortlaut:

(1) Wer öffentlich auf eine Weise, die geeignet ist, die öffentliche Ordnung zu gefährden, oder wer für eine breite Öffentlichkeit wahrnehmbar zu Gewalt gegen eine Kirche oder Religionsgesellschaft oder eine andere nach den Kriterien der Rasse, der Hautfarbe, der Sprache, der Religion oder Weltanschauung, der Staatsangehörigkeit, der Abstammung oder nationalen oder ethnischen Herkunft, des Geschlechts, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Ausrichtung definierte Gruppe von Personen oder gegen ein Mitglied einer solchen Gruppe ausdrücklich wegen dessen Zugehörigkeit zu dieser Gruppe auffordert oder aufreizt, ist mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren zu bestrafen.

(2) Ebenso ist zu bestrafen, wer für eine breite Öffentlichkeit wahrnehmbar gegen eine in Abs. 1 bezeichnete Gruppe hetzt oder sie in einer die Menschenwürde verletzenden Weise beschimpft und dadurch verächtlich zu machen sucht.

Quelle: http://www.jusline.at/283_Verhetzung_StGB.html

Eine durchaus interessante Verschärfung, wird sie doch breite Teile des öffentlichen Lebens treffen. So würden Politiker jeglicher Colour (die Hetzer wie auch die “Hetzer-Hetzer”) ebenso wie auch Kabarettisten miteingeschlossen sein. Jegliche kritische Äußerung könnte zur Anzeige gebracht werden (damit können sich Blondinnen und Burgenländer endlich revanchieren).

Doch auch am Fußballplatz könnte dies weitreichende Folgen haben. Den Gegner als “schwul” oder “Zigeuner” zu bezeichnen, ist bereits jetzt vielerorts verpönt (siehe unzähliche Diskussionen in unserem Forum), doch würde nun auch das beleidigen der Herrgottschnitzer ebenso eine Straftat darstellen. Vermutlich wird auch hier der Grundsatz gelten, wo kein Kläger da kein Richter. Allerdings kann sich das in Zeiten des Internets ganz schnell ändern. Daten gehen nicht mehr verloren und werden einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Wie schnell Denunzianten das Wort ergreifen, haben wir in der Vergangenheit zu Genüge gesehen.

Nun sind die kreativen Köpfe für den richtigen (straffreien) Umgang mit der Gesetzgebung gefragt. Noch besser wäre aber die positive Betonung der eigenen Identität, anstatt die Schlechtmachung aller anderen. Würde auf alle Fälle im alltäglichen Umgang für ein angenehmeres Klima sorgen.

Vecchio Stile – Ultras!

Eine sehr schöne Zusammenstellung von Fotos aus den besseren Zeiten unserer südlichen Nachbarn findet man hier:

Trottwa Ultras

Anhand der Bilder erhält man rasch einen Einblick in die Faszination der Welt der Ultras! Doch wie so vieles, ist es damit vorbei und es bleibt (vorerst) mal nur Zeit um in alten Erinnerungen zu schwelgen.

Violette Musikecke: Terror durch Kunst Mixtape Phase 2

Länger war es jetzt ruhig um Salzburgs erste Fußballrapkombo, geprägt von Schicksalschläge und Häfnaufenthalte waren die letzten Monate. Doch im November war es endlich soweit und das Mixtape mit 2 Silberlingen erschien.

Aufmachung ist diesmal richtig fein geworden. Die CD-Einlage ist gefüllt mit vielen Fotos aus dem privaten Rahmen und gibt einen Einblick auf das Leben. Musikalisch ist es nach kurzer Eingewöhnungsphase ein bemerkenswertes Album. Je öfter man es hört, desto besser findet man es. Textlich dreht es sich nicht nur um die üblichen Themen wie Ehre, Stolz und Gewalt, sondern beschäftigt sich auch mit nachdenklichen Themen wie übermäßigen Drogenkonsum, Familie oder perversen Auswüchsen des Lebens. Dem verstorbenen Freund Sascha wurde in mehreren Liedern gedacht und es zeigt das Freundschaft nie vergeht.

Wie der Name schon sagt handelt es sich bei dieser Scheibe um eine Zusammenarbeit sämtlicher TDK-Künstler. Dazu hat man sich mit Dame und Täter Toni zwei Sentinels (die zweite, aber keineswegs schlechtere, violette Rappartie) hinzugeholt. Wer sich vielleicht noch an die Anfangszeiten erinnert, wird schnell einen gewaltigen Qualitätssprung bemerken. Die Beats klingen fett, raptechnisch ist es mehr als solide und kaum ein Unterschied zu kommerziell erfolgreichen Platten. Für Abwechslung sorgt ein guter Mix aus Partysongs (“Süchtig nach Freibier”, “Heit gehts los”…), nachdenklichen Balladen (“Moch wos draus”, “I mechat lochn”…) oder einfach hartem Rap. Es würde zu lange dauern jetzt jedes Lied einzeln zu betrachten, dazu bedarf es auch profunderen Rapkenntnissen.

Es ist einfach eine ehrliche, gute Scheibe, die man jedem ans Herz legen kann. Auch wenn man kein Liebhaber dieser Art der Musik ist, aber als Violetter sollte man Kameraden aus der Kurve einfach unterstützen, damit es in den nächsten Jahren noch weit mehr Platten von ihnen gibt.

Bezugsquelle: Street Style Store Salzburg oder unter mcp@gmx.at !

Quo Vadis Ultras? – Teil 1: Die Politik

Derzeit scheint es um aktive Fanszenen nicht gut bestellt zu sein. Rapid wurde mit dem „Westbahnhof-Prozess“ und den Folgeerscheinungen des „Skandal-Derbys“ außer Kraft gesetzt. Sturm und Austria fahren ihr Programm, aber wirklich auftrumpfen können sie auch nicht. Innsbruck scheint wieder etwas Aufschwung bekommen haben, allerdings ist das meist von kurzer Dauer. Und schlußendlich wir selbst: Dieses Jahr verging ohne wirkliche Höhepunkte, wir halten zwar konstant unser Niveau, mit einigen Ausreißern nach oben, doch wirklich weiter geht es auch nicht.
Doch nicht nur in unserem Lande herrscht eher Nüchternheit. Vor allem in früheren Vorbildregionen ist Tristesse eingekehrt. Die farbenfrohen Kurven Italiens gleichen grauen Betonwüsten, die Standorte der Ultras scheinen verwaist zu sein. Am Balkan hat sich außer bei den großen Derbys auch eher ein Schwund eingestellt. Selbst das Schlaraffenland der letzten Jahre, Polen, hat mit Repressionen im Zuge der bevorstehenden Europameisterschaft zu kämpfen. Ein Land das sich allerdings in den letzten Jahren von der grauen Maus zu einem bunten Hund entwickelte, ist unser Nachbarland Deutschland. Nahezu jeder höherklassige Klub hat eine aktive Fanszene, in der 3. Liga sind Zuseherzahlen von weit über 10 000 keine Seltenheit. Die Choreographien und Fahnen werden immer ausgefeilter, Pyrotechnik sieht man auch wieder vermehrt, wenn gleich dieses immer wieder zu Problemen mit der staatlichen Seite führt. Von außen betrachtet scheint hier noch alles eitel Wonne zu sein, doch liest man in den letzten Monaten vermehrt von „inneren Unruhen“. Die Zahl der Kurven in denen man statt zusammen gegeneinander vorgeht häufen sich.
Altbekannt ist der Konflikt in Braunschweig, wo die Ultras BS mittlerweile nur mehr zu Damenwasserball und ähnlichen Sportarten gehen. Genauso der, nach der Auflösung der Eastside aufkeimende Zwist in Bremen zwischen manchen Ultrasgruppen und der Sportfraktion. Relativ neu sind Konflikte in Dresden, Leipzig oder Aachen. Überall kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Ultras und alteingesessenen Fangruppen. Das lässt einen doch aufhorchen. Was ist der Grund für diese Abneigung gegen Ultras? Durch sie wurde der Stadionbesuch doch erst zu einem Erlebnis?

Ein Hauptfaktor scheint das leidige Thema Politik zu sein. Mit der Größe der Ultrasgruppen nahmen natürlich auch die verschiedenen Charaktere Einzug. Handelte es sich früher noch um Fußballanhänger, scheint es jetzt eher zu einem Rekrutierungsbecken der örtlichen Antifa oder von Eventtouristen zu werden. Ein Beweis für letzteres ist einfach die Auswechselbarkeit der Szene. Klappt es beim Fußball nicht, geht man halt zum Handball, Wasserball oder Minigolf. Egal, Hauptsache wir machen Party und können unsere kreativen Lieder singen. Die Zahl dieser Partymeute wächst rasant an, in Zeiten des Internets ist es leicht möglich zum Superultrà aufzusteigen. Gewachsene Strukturen und Hierarchien gelten nichts mehr, Erfahrung sammelt man in Forenbeiträge statt in Stadien. Dieses Aufbrechen bestehender Hierarchien lässt uns aufs Hauptproblem Politik zurückkommen. Nahezu alle Ultrágruppen in Deutschland folgen dem linksalternativen Mainstream. Auch wenn man nur mit 30 Leuten in der Kurve steht, man ist gegen Homophobie, Rassismus, Faschismus, Sexismus und weiteren -ismen. Wer nicht erst seit gestern auf den Fußballplatz geht, wird allerdings schnell merken, dass gerade beim Fußball Beleidigungen und grobes Verhalten an der Tagesordnung stehen. Da man allerdings diese gewachsenen Zustände nicht akzeptieren kann, stellt man sich ganz in Tradition der 68er Bewegung gegen alles Herrschende. Wo man vormals den Gegner der Homosexualität bezichtigte, hält man heute gemeinsam Händchen gegen Homophobie. Statt Geld für Vereins- oder Kurvenprojekte sammelt man für Asylwerber und hungernde Kinder in Afrika. An sich hört sich das ganze ja löblich an, stört wohl auch die wenigsten wenn man dies macht, nur braucht man sich dann nicht hinzustellen und jeden dazu zu zwingen gleich zu Denken und Handeln. Abmahnungen wegen jahrzehntealter Sprechchöre, Verbote von irgendwelchen Kleidungsstücken und -marken oder einfach das Ausleuchten und Veröffentlichen des Privatlebens tragen nicht gerade zu einem positiven Kurvenklima bei. Es wird die private Einstellung und Motivation 1:1 in die Kurve übertragen. Fußball war aber seit jeher eine Sportart fernab gesellschaftlicher Schichten und Differenzen. Der Rechtsanwalt steht neben dem Hilfshackler im Fanblock, der Burschenschafter prostet mit dem Marxisten an. Nicht umsonst hieß es lange Zeit „Fußball verbindet“.
Doch mit Einzug dieser antifaschistischen Bewegung in sämtliche Fankurven nahmen die internen Probleme Überhand. Wie es in der Politik keinen Respekt mehr voreinander gibt, gibt es ihn beim Fußball auch nicht mehr. Jeder Andersdenkende wird mit der Nazikeule überwältigt, jede Kleinigkeit an Polizei und Verein gemeldet. Lässt man es sich dann nicht länger gefallen und man setzt sich zur Wehr (in dreckiger Fußballtradition), kommt ein seitenlanges Kommuniqué gefüllt mit allerlei schmalziger Ausführungen. Da es gegen böse braune Kameraden geht, verbündet man sich natürlich mit dem Feind und zeigt am folgenden Spieltag allerlei Spruchbänder. Springt neben den Medien auch die Justiz an, dann wird gejubelt oder demonstriert gegen die zu geringe Strafe. Jeder der noch halbwegs vernünftig im Kopf ist bzw. der den alten Zusammenhalt einer Fanszene noch kennt, kommt aus dem Kopfschütteln nicht mehr raus.

Doch muss es soweit kommen? Ist es notwendig, dass man nicht einmal beim samstäglichen Sportgenuss von der leidigen Tagespolitik verschont wird? Wieso muss man sich bei der liebsten Nebensache der Welt mit Rassismus beschäftigen? Als Fußballfan ist es mir völlig egal welcher Herkunft der Spieler ist, was zählt ist die Leistung. Doch selbst die Vereine selber schaffen es nicht sich gegen die rassebesessenen Gutmenschen zu wehren und so steht jedes Spiel im Zeichen gegen Rassismus. Ist diese Fremdenliebe notwendig bzw. muss der Hass auf die Existenz von Rassen (denn nichts anderes sagt der Antirassismus uns: es gibt keine Unterschiede, wir sind alle gleich) unbedingt in Stadion ausgelebt werden? Fördert man mit der ständigen Erwähnung dieses Themas nicht zugleich den Rassismus? Wieso akzeptiert man nicht die feinen Unterschiede und respektiert jeden so wie er ist? Wie weit soll das gehen? Gibt es dann auch bei den Vereinen keine Unterschiede mehr? Wird quasi ein „Antivereinismus“ begründet, mit der Aussage das eigentlich eh alles gleich ist und man doch gemeinsam eine tolle Party feiern könnte?

Was ist mit der Homophobie? Es mag heute richtig sein, niemanden als Schwulen zu bezeichnen. Doch in den letzten Jahren entstand vielmehr eine richtige Homophilie! Choreographien mit küssenden Männern und Frauen werden stolz präsentiert, es kommt vor wie wenn Heterosexualität etwas schlechtes ist. Denn warum gibt’s dafür keine expliziten Darstellungen? Der Geburtenrückgang und die Zerstörung der Familien führt zu massiven gesellschaftspolitischen Problemen. Wenn man schon politisch sein will, warum dann nicht so?

Gleich verhält es sich mit Antisemitismus und Sexismus. Frauen fanden seit jeher den Weg von alleine in Fankurven und wurden bei Engagement genauso akzeptiert wie die männlichen Kollegen. Da braucht es nicht die explizite Förderung oder Einführung einer Frauenquote. Fußball ist immer noch eine Freizeitbeschäftigung zu der man nicht gezwungen wird. Wenn es einem doch nicht so gefällt, dann kann man auch wieder fernbleiben.

Wie man sieht würde es noch jede Menge weiterer Punkte geben über welche man sich austauschen könnte. Die Vielfalt der verschiedenen Meinungen ist etwas wunderbares. Gerade in Fankurven sollte das möglich sein, was in der Gesellschaft wohl noch lange scheitern wird. Durch den gemeinsamen Nenner der Vereinsfarben, -tradition oder einfach des Vereinsnamens sollte es möglich sein, jedem einzelnen seine Freiheit zu geben. Freiheit ist die gegebene Möglichkeit, eigenwillig zu handeln mit der Voraussetzung der (Selbst-) Disziplin.

Der Großteil der Leserschaft dürfte nun entsetzt wegklicken oder diesen Blog melden. Teilweise ist es auch schwierig, die vielen Gedanken in Worte zu fassen. Ziel für die Zukunft sollte aber klar sein, dass endlich Schluss mit den ideologisch geprägten Themen sein sollte (egal von welcher Seite) und man sich wieder auf das eigentliche besinnt: Den Zusammenhalt, die Freiheit der Individuen sowie die Liebe zu Spiel und Verein.

Teil 2 folgt demnächst und beschäftigt sich mit dem Problem der Gewalt.

Nachsatz:
Als Beispiel für eine oben angeführte Ultras-Gruppe der exemplarische Verweis zu den Racaille Verte von Werder Bremen: http://racaille.de/

Alex Trappl verlässt die Austria!

Nach 5 Jahren verlässt nun auch das letzte Mitglied der Gründungsmannschaft das violette Schiff. Aus Zeitgründen (Quelle: austria-salzburg.at) muss Alex Trappl kürzer treten und überlässt nach 1933 Tagen (von seinem ersten bis zum letzten Spiel) das violette Tor jemand anderem. Alex war in Sachen Einsatz und Einstellung immer ein Vorbild und gewann nicht umsonst im Herbst den “Bruno” für den beliebtesten Amateurspieler.

Bleibt zu hoffen, daß sein Abschied gebührender ausfällt wie für manch andere violette Identifikationsfigur.

Machs gut, Alex!

Schweden 2010

Sehr geehrter Herr Redakteur, werte Leserschaft. Ich möchte Ihnen im folgenden über meine (Fußball-)Erlebnisse im Land der kötbullar (=Fleischbällchen) und des knäckebröd berichten. Mich verschlug es im Hartmond 2010 in Schwedens Hauptstadt Stockholm. Wie schon einige vor mir faszinierte mich die wunderschöne Landschaft und die berühmte Damenwelt. Doch auch Fußball wird oben, mehr schlecht als recht, gespielt. Sind die Leistungen am Feld eher mittelmäßig, muss man den Einsatz der Anhänger in den Fanblöcken loben. Von den großen 3 Stockholmer Vereinen muss sich garantiert niemand in Österreich verstecken. Doch bevor die Fußballmeisterschaft begann (in Schweden wird im Jahresrythmus gespielt), verweilte ich bei ein paar Eishockey Spielen.
Eishockey zählt neben Fußball und Bandy (man spielt auf Eis Hockey mit einem Ball auf Handballtore) zu den beliebtesten Sportarten. In Stockholm hat jeder große Verein seinen Eishockey Verein. In der höchsten Liga spielt aber nur Djurgården (seit der Saison 2010/11 auch AIK). Diese kamen am Ende auch ins Finale, unterlagen dort aber HV71 aus Jonköping. AIK Hockey war zu meiner Zeit eher ein Stiefkind, die Fußball Supporter boykotierten die Spiele auf Grund der jahrelangen schlechten Leistungen (hat sich nach dem Aufstieg mittlerweile geändert). Interessant ist die Geschichte von Hammarby. Deren Hockeyteam ging vor einer Weile Pleite und wurde dann von den Fans unter dem Namen Bajen Fans IF neugegründet. Das Team fing ganz unten nochmals an und feiert seitdem Seriensiege. Ich sah mir ein Spiel im heimischen Zinkensdamms IP an und das ist echt nur was für Hardcore Fans. Man zahlt keinen Eintritt und steht mit etwa 50 anderen in einer Eishalle ohne jegliche Tribüne. Bei Kaffee und Kuchen kann man den Verein unterstützen, Schlachtrufe gibt’s gelegentlich. Interessanter ist da schon der jährliche stattfindende Bajenkvällen (=Bajenabend), wo man ins Hovet (in dieser Halle spielt normalerweise Djurgården seine Eishockey-Spiele) übersiedelt. Hierfür wird ordentlich mobilisiert, mit 50 SEK ist man dabei und man erlebt echt eine ordentliche Atmosphäre. Hinter dem klacken (=Fanblock) haben die Ultrágruppen ihre Stände und man kann sich mit Material eindecken, den ganzen Abend hört man nur Vereinssongs und die obligaten Spendenkübel dürfen nicht fehlen. Eigentlich ganz nett, doch die Vereinsfarben stören dann schon gewaltig.
Doch nun genug vom Eishockey, kommen wir endlich zum Fußball.

AIK Solna – IFK Göteborg 1:0 (06.03.2010)
Zufällig las ich von diesem Spiel in der Metro (ähnlich der “Heute”). Das Råsunda-Stadion war von meinem Wohnort bequem mit dem Pendeltåg (=Regionalzug/commuter train) erreichbar. Von der Station Solna (fälschlicherweise bezeichnet man AIK oftmals als AIK Stockholm, Solna ist aber eine eigene Stadt. Auf Grund des Bevölkerungszuwachses wuchsen die beiden Städte aber zusammen) ist es ein etwa 10 Minuten langer Fußweg. Die Faulen können auch mit der tunelbana (=U-Bahn) nach Solna Centrum fahren und sind gleich dort. Wie bei uns bildet auch in Schweden der Supercup den Saisonauftakt. Die Karten waren reduziert, trotzdem wählte ich die günstigste Karte für den AIK Fanblock. Rund ums Stadion sah man nur spärlich Anhänger, auch drinnen herrschte gähnende Leere. Als dann beim Einlauf die wenigen Anhänger (dürften in etwa 1500 Zuschauer gewesen sein) lautstark „SvFF fotbollsmördare“ skandierten, konnte man sich denken was los war. Wie auch bei uns interessiert der Supercup keine Sau. Unter aller Sau war auch der Kick auf dem Feld. Das Niveau war bei uns höchstens Regionalliga. Ich war richtig schockiert, da hier immerhin die 2 besten Teams der vergangenen Saison aufliefen. Ganz ordentlich dagegen die Anhänger im Heimblock. Angeführt von den Ultras Nord wurde durchgehend gesungen (oftmals allerdings nur von 50 Leuten). Nachdem ich beim Hockey von Leute von DIF und Hammarby traf, war auch hier das Bild gleich. Die Ultràgruppen bestehen in Schweden hauptsächlich aus Jugendlichen (16-20 Jahre). Ich hielt das immer für ein deutsches Phänomen, doch es dürfte doch verbreiteter sein. Aus Göteborg war ein Bus anwesend, diese vielen aber kaum auf. AIK gewann durch einen glücklichen Treffer mit 1:0 und nach 90 Minuten war ich froh aus diesem Eiskasten wegzukommen.

AIK Solna – Mjällby AIF 0:0 (14.03.2010)
Bereits eine Woche später ging es wieder ins Råsunda, diesmal zum Meisterschaftsauftakt. Nachdem man im Internet von der angekündigten Meisterbegrüßung las, ging es schon zeitlich rauf in den Norden. Rund ums Råsunda hatten sich dann auch einige tausend Gnaget (=Spitzname der Gelb-Schwarzen, etwa: Nager) versammelt. Als die Mannschaft dann mit ihrem Bus ankam, brannte ein ordentliches Feuerwerk ab. Neben Bengalen und Rauch wurden auch Raketen gezündet und lautstark gesungen. Es war das genaue Gegenteil zum Supercup Spiel, und brachte mir ordentlich Heimweh ein. Wie gern würde ich auch meine Austria einmal so begrüßen. Nachdem zum Anpfiff noch etwas Zeit war, gings in ein angrenzendes Pub um mal ein gutes Spendrubs zu trinken. Für günstige 70SEK für 0,4l war man dabei. Im Pub jede Menge älteres Publikum (in Schweden stehen überall Securities davor und kontrollieren Ausweise, in viele Lokale kommt man erst ab 21 Jahren rein). Bereits am Kleidungsstil merkte man die Einflüsse der britischen Insel. Während man bei uns im Trikot und fünf Schals rumläuft, trägt der normale Fan hier Klamotten von der italienischen Sportswear Company. Eines hat man aber gleich und das ist die Liebe zum Gamblen. In Wien die Volkssportart Nummer eins („Book of Ra, ich mach 400 klar!“), versuchen sich auch hier etliche den Stadionbesuch zu finanzieren.
Im Stadion gings für mich diesmal neben den Gästesektor, um einen Blick auf die Heimkurve zu bekommen. Diesmal kamen 17 111 Zuschauer und sahen eine nette Choreo im ganzen Stadion. Die Heimtribüne zeigte auf Folien den Pokal und die Meisterschaft garniert mit Zetteln inkl. Wellenmuster. Die Gästeanhänger präsentierten nur schwarz-gelbe Fahnen. Während das Spiel ähnlich schwach war, war die Stimmung um Welten besser. Teilweise zog die ganze Heimtribüne mit bei den Gesängen. Speziell die Hüpfeinlagen wussten zu gefallen. Nach dem Schlußpfiff fuhr ich diesmal wesentlich zufriedener heimwärts.

Djurgårdens IF – IF Brommapojkarna 0:0 (02.05.2010)
Nach zweimal AIK gings diesmal endlich zu zwei richtigen Stadtvereinen. An diesem saukalten Dienstag Abend wagte ich den 5 minütigen Spaziergang von der Kungliga Tekniska Högskolan (kurz KTH, meine Gastuniversität) rüber zum Olympiastadion. Dieses Stadion ist kurz gesagt einfach nur geil. Bereits die niedrigen Zäune erinnern an Zeiten, wo Kommerzialisierung noch ein Fremdwort war. Es wurde 1920 für die olympischen Spiele errichtet und hat wie jeder Olympiastadion ein großes Marathontor. Von außen besteht es aus den landestypischen Backsteinen und hat 2 große Glocken-/Uhrtürme. Innen drin besteht fast alles aus Holz, anstatt Plastikstühlen nimmt man auf Holzbänken Platz. Doch leider werden so Stadien nicht ewig bestehen und DIF plant bereits eine Arena in der Nähe der jetzigen Stätte zu errichten.
Mit Brommapojkarna war diesmal ein zweiter Stockholmer Club zu Gast. Er stammt aus dem Westen der Stadt, ist allerdings wenig populär und hat daher kaum eine Anhängerschaft. Ich gesellte mich diesmal in die Heimkurve zu den dortigen Ultràgruppen (Fabriken 2005 und Ultrà Caos Stockholm 2003). Diese präsentierten zu Beginn große Doppelhalter und dahinter Zettel in den Vereinsfarben. Leider konnte ich nicht erkennen was es darstellen sollte. Stimmung war dann auch ganz ordentlich, teilweise gab es Wechselgesänge mit der anderen Seite. Allerdings war man sich nicht immer einig. Mit Sharbel Touma war ein Spieler am Feld der ordentlich polarisierte. Der geborene Libanese spielte 5 Jahre lang für DIF und versprach in Schweden nur für die Järnkaminerna (Spitzname von DIF) aufzulaufen. 2000 folgte er allerdings dem Ruf des Geldes und wechselte zum Hassgegner AIK. Nach einigen Stationen im Ausland kam er 2010 wieder zurück zu DIF. Während ein Teil ihn als Heimkehrer feierte, war vor allem der harte Kern wenig erfreut über ihn. Bei jeder Ballberührung gab es Pfiffe und Beleidigungen gegen ihn („Sharbel Touma, en hora, en hora!“).
Das Spiel selber war wieder mal zum Vergessen. Ein weiteres 0:0. Man konnte nur auf Besserung hoffen.

IFK Göteborg – IF Elfsborg 5:1 (18.04.2010)
Im Zuge eines Ausfluges an die Westküste nach Göteborg, konnte ich vom dort ansässigen IFK auch ein Spiel besuchen. Göteborg ist die zweitgrößte Stadt und die Rivalität zu den Stockholmer Vereinen ist sehr groß. Touristen kann man beide empfehlen, Göteborg hat neben dem Hafen auch das Volvo Werk stationiert. Vor Beginn des Spiels (Karten hatte ich diesmal aus Kostengründen für den Gästesektor, waren aber auch immerhin 230 SEK zu berappen) besuchte ich noch das Ullevi Stadion, welche viele wohl noch von älteren FIFA Spielen kennen werden. Heute wird es nur mehr selten genutzt, da es einfach zu groß ist (43200 und damit das größte Stadion Schwedens). Anstatt IFK kann man Monster Trucks und die Pink bestaunen. IFK spielt im Gamla Ullevi (=Altes Ullevi). Der Name täuscht etwas, da das alte Stadion abgerissen wurde und hier 2009 ein neues mit altem Namen entstand. Dies ist nun die Heimstätte für IFK, GAIS (der Zeckenverein Nummer 1) und Örgryte.
Das Stadion drinnen sehr gut gefüllt. Ich stand direkt gegenüber von der Heimtribüne (Ultras, Supras…). In einem Eck auf der Gegenseite befand sich ein zweiter Anhängerblock, welche hauptsächlich durch Pöbeleien auffielen. Ein Intro seitens der Heimfans gab es keine, da diese gegen die TV-diktierten Anstoßzeiten protestierten (es ist immer am Sonntag um 12.30 Uhr das Livematch). Elfsborg (falls einige deren Herkunftsstadt suchen: die sind aus Borås) zeigte eine schwarz-gelbe (wohl die Standardfarben hier oben) Zettelchoreo. Stimmung war bei den Gästen ganz ordentlich, die Heimfans streikten zu Beginn wurden dann aber doch ab und zu ganz laut (die Hymne inkl. der Schalparade vor Spielbeginn war sehenswert).
Nach 3 Spielen mit gerade einmal einem Tor kam heute endlich einmal der Fußballfan auf seine Kosten. Elfsborg ging rasch mit 1:0 in Führung, verlor aber nach der roten Karte gegen ihren Schlußmann den Faden. IFK drückte aufs Gas und schoss die Gäste mit 5:1 ab.
Nach dem Spiel ging es ruhig aus dem Gästeblock, nur 2 besoffene Heimische probierten sich im Posen und wurden auf dem schnellsten Weg von der Polizei entfernt. Wie so vieles ist wohl auch Fußball hier vom Wetter abhängig. Während der Wintermonate sieht man kaum jemanden auf der Straße, sobald die Sonne rauskommt ist alles voll mit sonnensüchtigen Schweden. Dies ist auch die schönere Zeit für männliche Touristen zum Gaffen.

AIK Solna – Djurgården IF 1:2 (02.05.2010)
Gaffer kamen dann am ersten Mai-Wochenende zu Besuch. Während man sich am Vortag bei den LG Games im Globen (größte sphärische Gebäude der Welt, ist eine riesige Kugel, wo neben Hockeygames auch Konzerte stattfinden) Schweden-Russland reinzog. Wie überall marschierten auch hier am 1. Mai Arbeitsscheue mit ihren roten Fahnen durch die Stadt. Man wird sie also nirgends los ;)
Wie bereits das IFK Spiel, war auch das Stockholmer Derby für Sonntag 12.30 Uhr angesetzt. Wie wir heute dank den Tiroler Funktionären wissen, sind Austrianer ständig besoffen bei den Spielen. Dieses Klischee musste natürlich bestätigt werden und so gab es zum Frühstück feinsten Jägermeister. Die Sektion West-Ungarn ließ sich das aber nochmal durch den Kopf gehen und verewigte sich bereits um 10 Uhr vormittags vorm Hostel. Ein Teil der Reisegruppe zog es vor, Mittag essen zu gehen und danach rauszufahren. Der andere zog es vor zum Treffpunkt der Ultras von DIF zu fahren. Mit bekannten Fabriken traf man sich in einem Park. Schon am Weg hin, fiel die massive Polizeipräsenz auf. Gerade eben ein Bier geholt, kamen auch schon die ersten Zivilen herüber und wollten die Ausweise sehen. Von uns wollte man die Herkunft und das Ziel der Reise wissen. Ob man mit der Antwort „aus Hitlerland“ und „zur Besichtigung von Kellern!“ zufrieden war, ist eine andere Frage. Polizei kontrollierte wohl auf Grund der Altersgrenze für Alkohol und auf Suchtmittel (wird man schnell feststellen, dass wegen der hohen Preise für Alkohol auf anderes umgestiegen wird. Touristen wird hier Kopenhagen empfohlen, von wo der Großteil der Schweden das ganze Jahr für winterliche Verhältnisse sorgt). Wir fuhren dann im Linienbus wieder raus nach Solna. Polizei natürlich mit an Bord. Hauptsächlich wurde hier aber nur wegen Bierflaschen kontrolliert (in öffentlichen Verkehrsmitteln ist der Konsum von Alkohol verboten).
Vor dem Stadion herrschte dann Derbyatmosphäre. Fast jeder lief in Vereinsfarben herum, selbst Sneaker kann man mit dem Vereinsemblem kaufen. Wir hatten unsere Karten für die Gästetribüne. Diese verzichtete aufgrund der beschissenen Anstoßzeit auf ein Intro und präsentierte nur ein Protestspruchband. AIK zeigte sich heute südamerikanisch und spannte Bänder vom Oberrang runter und zündelte brav. Stimmungsmäßig dagegen beide Blöcke am Einheizen. Ich kann Djurgården jetzt nicht so bewerten, aber es wurde durchgehend von fast allen gesungen. AIK sah man hauptsächlich am Herumhüpfen (aber auch hier die gesamte Tribüne).
Am Feld bestätigte sich mein Eindruck vom letzten Spiel und mit dem Wetter wurden auch die Leistungen besser. Ein rassiges Spiel mit einem schnellen Tor von AIK. Das Stadion jubelte und aus dem Gästesektor wurde eine Rakete in den Nebensektor geschossen. Wie vielleicht bekannt nehmen die Firman Boys (wohl die legendärste Hooligangruppe Schwedens) auf der Geraden Platz. Von dort liefen einige zum Zaun, was sich auch die Gäste nicht bitten ließen und so liefen auch DFG (=Djurgården Fina Grabbar) zum Zaun. Mehr wie Posen war dann allerdings nicht. Videoüberwachung und strenges Ordnerpersonal sei Dank. Videoüberwachung gibt es an sehr vielen öffentlichen Plätzen, Schweden ist zudem ein sehr strenges Land. Besoffen auf der Straße rumlaufen, kann schon einmal zu einer Nacht hinter schwedischen Gardinen führen (vermutlich will man diese Erfindung auch nur wirksam präsentieren). Auseinandersetzungen zwischen Fangruppen finden daher meist in der wunderschönen Waldlandschaft statt, zahlenmäßig oftmals mit 100+.
Vor der Pause erzielte DIF den Ausgleich und ließ die rund 2000 Gäste jubeln (gesamt waren 21 181 Besucher). Die zweite Hälfte war dann hartumkämpft und in der 72. Spielminute brachte Johan Oremo die Gästefans zur Ekstase. Ein genialer Torjubel war die Folge und die Stimmung war im Anschluss sensationell. In den letzten Minuten saßen viele bereits am Zaun und feierten nur mehr den Derbysieg. Die Mannschaft kam artig zum Bedanken, ein Violetter wollte sich diese genauer anschauen, wurde aber vom Feld hinausbegleitet. Choreographisch war es sicher nicht das beste Derby, doch die Emotionen waren unbezahlbar.

Assyriska FF Södertälje- Hammarby IF 0:3 (04.05.2010)
Nachdem ich die Erstligisten durch hatte, musste auch endlich einmal der grün-weiße Traditionsverein heimgesucht werden. Hierfür ging es in 30-Minuten entfernte Södertälje. Diese Stadt hat eigentlich wenig zu bieten, außer eine hohe Rate an Halalfleich-Verkäufern und orientalischen Supermärkten und ist zudem die Heimatstadt von Tennis-Legende Björn Borg. Udo Ulfkotte erwähnt die Stadt zudem in seinem Buch „SOS Abendland“, da hier ein nicht gerade geringer Teil Kulturbereicherer wohnt. So kommt es auch, dass gleich 2 syrische Vereine in dieser Stadt bestehen. Das Derby zwischen Assyriska und Syrianska konnte ich leider nicht besuchen, soll aber durchaus spannend anzusehen sein. Ich sah beide Vereine gegen Hammarby, sind sich aber ziemlich ähnlich.
Von der Pendeltåg Station kommt man mit Linienbussen (übrigens gilt auch hier die SL Karte) zum Stadion. Außer einem Einkaufszentrum ist dort weit und breit nichts. Das Stadion selber ist allerdings ganz ordentlich. Eine große Haupttribüne und an den anderen Seiten Stahlrohr. Der Heimbereich ist auf der großen Haupttribüne. Hier fühlte ich mich ohne Jogginghose und Ölaugen etwas unwohl, aber der erste Eindruck täuschte. Nachdem ich mir einen Kebapspieß (frisch vom Grill unter der Tribüne, der Geruch ist daher allgegenwärtig) reinwarf, konnte das Spiel beginnen. Die Heimischen spannten eine große Blockfahne über die Tribüne und schwenkten am Feld ihre großen Fahnen.
Hammarby füllte den Sektor hinter dem Tor und zum Teil auch die Gegentribüne. Der Support von Ihnen erinnerte sehr an Rapid, zu denen es auch eine Fanfreundschaft gibt (HU93 mit AG). Langanhaltende melodische Lieder mit fleißigem Fahneneinsatz.
Am Feld führte der Absteiger des Vorjahres die Heimischen vor und gewann locker mit 3:0. Während die Fans noch feierten marschierte die Polizei schon auf. Mittels Pferden versuchte man die Lage zu kontrollieren. Auch hier sah man wieder wie strikt die Ordnungskräfte hier oben sind. Sämtliche Anhänger aus Stockholm wurden in die Linienbusse gequetschte und dann unter Polizeibegleitung aus der Stadt gebracht. Die Busse fuhren bis nach Östertälje zur Pendeltåg Station.

Djurgårdens IF – Gefle IF 1:1 (22.05.2010)
An diesem Wochenende fanden die letzten Spiele der Hinrunde in der Allsvenska statt (auf Grund der Weltmeisterschaftspause). DIF hatte zu diesem Heimspiel einen Treffpunkt im Humlegården ausgerufen um von dort gemeinsam zum Stadion zu ziehen. Ein paar hundert werden es schon gewesen sein, die bei exzellentem Wetter in das alte Olympiastadion marschierten. Karten besorgte ich mir diesmal neben dem Gästesektor in der prallen Sonne. Djurgården zeigte abermals eine Zettelchoreographie in den Vereinsfarben, Gefle konterte mit Bierwampen. Die Stimmung bei den Heimischen war ganz ordentlich, man merkte aber, dass es diesmal um nichts ging. Die Gäste beschränkten sich auf den Bierkonsum und trommelten ab und an mal ein wenig herum.
Nach dem Spiel ging es noch kurz mit einigen Heimfans in ein Pub auf ein Saisonabschlussbier (zumindest für mich, da es mein letztes DIF Spiel war). Dort war alles buntgemischt, von Raufern über Normalos, aber alle gemeinsam am Singen.

Hammarby IF – Trelleborg FF 3:1 (03.06.2010)
Bevor es heimging musste ich aber dann doch noch einmal bei Hammarby daheim vorbeischauen. Ein paar Tage vorher gegen Väsby machte ich mir bereits ein erstes Bild, diesmal wollte ich den Fanblock genauer betrachten. Hammarby besitzt mit den Hammarby Ultras 1993 die älteste Ultràgruppe des Landes. Daneben hat sie mit den Ultrà Boys und den Söder Bröder weitere bekannte Vertreter. Mein Eindruck war, dass die Söder Bröder hauptsächlich den Ton angeben, die Ultrà Boys standen etwas abseits und blieben eher unter sich. Stimmung wie schon erwähnt, erinnert sehr an Rapid, soll aber nichts schlechtes heißen. Zum Spiel gibt es nicht so viel zu sagen, ein verdienter Sieg der Heimmannschaft.
Ich will zum Abschluss lieber noch ein paar Worte zur kulinarischen Situation abgeben. Schweden ist nicht gerade berühmt für sein Essen (abgesehen von den kötbullar beim Ikea). In den Stadien bekommt man eigentlich nur Hot Dogs (oder Kepab bei den Murln in Södertälje). Diese sind leider nur gekochte Frankfurter in einem letschaten Brötchen, man kann sie allerdings selber mit Ketchup und Senf sowie gerösteten lök (=Zwiebel) garnieren. Wer es sich verkneifen kann, sollte aber lieber das Fast Food in der Stadt probieren. Burgerläden gibt’s überall (verzichtet auf Burger King und McDoof, die skandinavische Variante MAX ist um einiges besser), ganz interessant sind allerdings Tunnbrödsrulla. Dabei handelt es sich um eine Art Fladenbrot (wie man es von der österreichischen Spezialität Dürüm kennt) gefüllt mit diversesten Sachen. Hauptsächlich findet man drinnen Kartoffelpüree, Salat und dann kann man wählen zwischen Fischstäbchen, Würsteln oder ähnliches. Es ist zumindest ähnlich interessant wie die Brötchen mit Pommes in Brüssel.
Fußballinteressierte zieht es wohl eher weniger nach Schweden, kann es aber jedem nur empfehlen. Zumindest ein Derby ist sehenswert. Die Begeisterung welche seitens der Fans an den Tag gelegt wird, vermisst hierzulande des Öfteren. Gerade in Sachen Ultràszenen, wo immer mehr aussterben, gibt es oben junge Gruppen, die speziell in Sachen Choreographien ganz weit vorne mitspielen. Der letztjährige Meister Malmö FF hat derzeit die größten Intros, fertigt alle Fahnen aus Stoff und hat letzte Saison über 50 000 Euro für seine Choreographien ausgegeben. Finanziert wird oben alles von den Fans, je näher man zu den Fanblöcken kommt, desto lauter wird man das scheppern der Sammeleimer hören. Es gab keine Kurve, die nicht für anstehende Choreographien abgesammelt hat. Auch wenn sie heute noch nicht zur Elite zählen, sollte man dieses Land nicht außer Acht lassen. Da ist noch jede Menge Potential vorhanden.

Mit freundlichen Grüßen,
Franz Weinpolter, Wien