Schweden 2010

Sehr geehrter Herr Redakteur, werte Leserschaft. Ich möchte Ihnen im folgenden über meine (Fußball-)Erlebnisse im Land der kötbullar (=Fleischbällchen) und des knäckebröd berichten. Mich verschlug es im Hartmond 2010 in Schwedens Hauptstadt Stockholm. Wie schon einige vor mir faszinierte mich die wunderschöne Landschaft und die berühmte Damenwelt. Doch auch Fußball wird oben, mehr schlecht als recht, gespielt. Sind die Leistungen am Feld eher mittelmäßig, muss man den Einsatz der Anhänger in den Fanblöcken loben. Von den großen 3 Stockholmer Vereinen muss sich garantiert niemand in Österreich verstecken. Doch bevor die Fußballmeisterschaft begann (in Schweden wird im Jahresrythmus gespielt), verweilte ich bei ein paar Eishockey Spielen.
Eishockey zählt neben Fußball und Bandy (man spielt auf Eis Hockey mit einem Ball auf Handballtore) zu den beliebtesten Sportarten. In Stockholm hat jeder große Verein seinen Eishockey Verein. In der höchsten Liga spielt aber nur Djurgården (seit der Saison 2010/11 auch AIK). Diese kamen am Ende auch ins Finale, unterlagen dort aber HV71 aus Jonköping. AIK Hockey war zu meiner Zeit eher ein Stiefkind, die Fußball Supporter boykotierten die Spiele auf Grund der jahrelangen schlechten Leistungen (hat sich nach dem Aufstieg mittlerweile geändert). Interessant ist die Geschichte von Hammarby. Deren Hockeyteam ging vor einer Weile Pleite und wurde dann von den Fans unter dem Namen Bajen Fans IF neugegründet. Das Team fing ganz unten nochmals an und feiert seitdem Seriensiege. Ich sah mir ein Spiel im heimischen Zinkensdamms IP an und das ist echt nur was für Hardcore Fans. Man zahlt keinen Eintritt und steht mit etwa 50 anderen in einer Eishalle ohne jegliche Tribüne. Bei Kaffee und Kuchen kann man den Verein unterstützen, Schlachtrufe gibt’s gelegentlich. Interessanter ist da schon der jährliche stattfindende Bajenkvällen (=Bajenabend), wo man ins Hovet (in dieser Halle spielt normalerweise Djurgården seine Eishockey-Spiele) übersiedelt. Hierfür wird ordentlich mobilisiert, mit 50 SEK ist man dabei und man erlebt echt eine ordentliche Atmosphäre. Hinter dem klacken (=Fanblock) haben die Ultrágruppen ihre Stände und man kann sich mit Material eindecken, den ganzen Abend hört man nur Vereinssongs und die obligaten Spendenkübel dürfen nicht fehlen. Eigentlich ganz nett, doch die Vereinsfarben stören dann schon gewaltig.
Doch nun genug vom Eishockey, kommen wir endlich zum Fußball.

AIK Solna – IFK Göteborg 1:0 (06.03.2010)
Zufällig las ich von diesem Spiel in der Metro (ähnlich der “Heute”). Das Råsunda-Stadion war von meinem Wohnort bequem mit dem Pendeltåg (=Regionalzug/commuter train) erreichbar. Von der Station Solna (fälschlicherweise bezeichnet man AIK oftmals als AIK Stockholm, Solna ist aber eine eigene Stadt. Auf Grund des Bevölkerungszuwachses wuchsen die beiden Städte aber zusammen) ist es ein etwa 10 Minuten langer Fußweg. Die Faulen können auch mit der tunelbana (=U-Bahn) nach Solna Centrum fahren und sind gleich dort. Wie bei uns bildet auch in Schweden der Supercup den Saisonauftakt. Die Karten waren reduziert, trotzdem wählte ich die günstigste Karte für den AIK Fanblock. Rund ums Stadion sah man nur spärlich Anhänger, auch drinnen herrschte gähnende Leere. Als dann beim Einlauf die wenigen Anhänger (dürften in etwa 1500 Zuschauer gewesen sein) lautstark „SvFF fotbollsmördare“ skandierten, konnte man sich denken was los war. Wie auch bei uns interessiert der Supercup keine Sau. Unter aller Sau war auch der Kick auf dem Feld. Das Niveau war bei uns höchstens Regionalliga. Ich war richtig schockiert, da hier immerhin die 2 besten Teams der vergangenen Saison aufliefen. Ganz ordentlich dagegen die Anhänger im Heimblock. Angeführt von den Ultras Nord wurde durchgehend gesungen (oftmals allerdings nur von 50 Leuten). Nachdem ich beim Hockey von Leute von DIF und Hammarby traf, war auch hier das Bild gleich. Die Ultràgruppen bestehen in Schweden hauptsächlich aus Jugendlichen (16-20 Jahre). Ich hielt das immer für ein deutsches Phänomen, doch es dürfte doch verbreiteter sein. Aus Göteborg war ein Bus anwesend, diese vielen aber kaum auf. AIK gewann durch einen glücklichen Treffer mit 1:0 und nach 90 Minuten war ich froh aus diesem Eiskasten wegzukommen.

AIK Solna – Mjällby AIF 0:0 (14.03.2010)
Bereits eine Woche später ging es wieder ins Råsunda, diesmal zum Meisterschaftsauftakt. Nachdem man im Internet von der angekündigten Meisterbegrüßung las, ging es schon zeitlich rauf in den Norden. Rund ums Råsunda hatten sich dann auch einige tausend Gnaget (=Spitzname der Gelb-Schwarzen, etwa: Nager) versammelt. Als die Mannschaft dann mit ihrem Bus ankam, brannte ein ordentliches Feuerwerk ab. Neben Bengalen und Rauch wurden auch Raketen gezündet und lautstark gesungen. Es war das genaue Gegenteil zum Supercup Spiel, und brachte mir ordentlich Heimweh ein. Wie gern würde ich auch meine Austria einmal so begrüßen. Nachdem zum Anpfiff noch etwas Zeit war, gings in ein angrenzendes Pub um mal ein gutes Spendrubs zu trinken. Für günstige 70SEK für 0,4l war man dabei. Im Pub jede Menge älteres Publikum (in Schweden stehen überall Securities davor und kontrollieren Ausweise, in viele Lokale kommt man erst ab 21 Jahren rein). Bereits am Kleidungsstil merkte man die Einflüsse der britischen Insel. Während man bei uns im Trikot und fünf Schals rumläuft, trägt der normale Fan hier Klamotten von der italienischen Sportswear Company. Eines hat man aber gleich und das ist die Liebe zum Gamblen. In Wien die Volkssportart Nummer eins („Book of Ra, ich mach 400 klar!“), versuchen sich auch hier etliche den Stadionbesuch zu finanzieren.
Im Stadion gings für mich diesmal neben den Gästesektor, um einen Blick auf die Heimkurve zu bekommen. Diesmal kamen 17 111 Zuschauer und sahen eine nette Choreo im ganzen Stadion. Die Heimtribüne zeigte auf Folien den Pokal und die Meisterschaft garniert mit Zetteln inkl. Wellenmuster. Die Gästeanhänger präsentierten nur schwarz-gelbe Fahnen. Während das Spiel ähnlich schwach war, war die Stimmung um Welten besser. Teilweise zog die ganze Heimtribüne mit bei den Gesängen. Speziell die Hüpfeinlagen wussten zu gefallen. Nach dem Schlußpfiff fuhr ich diesmal wesentlich zufriedener heimwärts.

Djurgårdens IF – IF Brommapojkarna 0:0 (02.05.2010)
Nach zweimal AIK gings diesmal endlich zu zwei richtigen Stadtvereinen. An diesem saukalten Dienstag Abend wagte ich den 5 minütigen Spaziergang von der Kungliga Tekniska Högskolan (kurz KTH, meine Gastuniversität) rüber zum Olympiastadion. Dieses Stadion ist kurz gesagt einfach nur geil. Bereits die niedrigen Zäune erinnern an Zeiten, wo Kommerzialisierung noch ein Fremdwort war. Es wurde 1920 für die olympischen Spiele errichtet und hat wie jeder Olympiastadion ein großes Marathontor. Von außen besteht es aus den landestypischen Backsteinen und hat 2 große Glocken-/Uhrtürme. Innen drin besteht fast alles aus Holz, anstatt Plastikstühlen nimmt man auf Holzbänken Platz. Doch leider werden so Stadien nicht ewig bestehen und DIF plant bereits eine Arena in der Nähe der jetzigen Stätte zu errichten.
Mit Brommapojkarna war diesmal ein zweiter Stockholmer Club zu Gast. Er stammt aus dem Westen der Stadt, ist allerdings wenig populär und hat daher kaum eine Anhängerschaft. Ich gesellte mich diesmal in die Heimkurve zu den dortigen Ultràgruppen (Fabriken 2005 und Ultrà Caos Stockholm 2003). Diese präsentierten zu Beginn große Doppelhalter und dahinter Zettel in den Vereinsfarben. Leider konnte ich nicht erkennen was es darstellen sollte. Stimmung war dann auch ganz ordentlich, teilweise gab es Wechselgesänge mit der anderen Seite. Allerdings war man sich nicht immer einig. Mit Sharbel Touma war ein Spieler am Feld der ordentlich polarisierte. Der geborene Libanese spielte 5 Jahre lang für DIF und versprach in Schweden nur für die Järnkaminerna (Spitzname von DIF) aufzulaufen. 2000 folgte er allerdings dem Ruf des Geldes und wechselte zum Hassgegner AIK. Nach einigen Stationen im Ausland kam er 2010 wieder zurück zu DIF. Während ein Teil ihn als Heimkehrer feierte, war vor allem der harte Kern wenig erfreut über ihn. Bei jeder Ballberührung gab es Pfiffe und Beleidigungen gegen ihn („Sharbel Touma, en hora, en hora!“).
Das Spiel selber war wieder mal zum Vergessen. Ein weiteres 0:0. Man konnte nur auf Besserung hoffen.

IFK Göteborg – IF Elfsborg 5:1 (18.04.2010)
Im Zuge eines Ausfluges an die Westküste nach Göteborg, konnte ich vom dort ansässigen IFK auch ein Spiel besuchen. Göteborg ist die zweitgrößte Stadt und die Rivalität zu den Stockholmer Vereinen ist sehr groß. Touristen kann man beide empfehlen, Göteborg hat neben dem Hafen auch das Volvo Werk stationiert. Vor Beginn des Spiels (Karten hatte ich diesmal aus Kostengründen für den Gästesektor, waren aber auch immerhin 230 SEK zu berappen) besuchte ich noch das Ullevi Stadion, welche viele wohl noch von älteren FIFA Spielen kennen werden. Heute wird es nur mehr selten genutzt, da es einfach zu groß ist (43200 und damit das größte Stadion Schwedens). Anstatt IFK kann man Monster Trucks und die Pink bestaunen. IFK spielt im Gamla Ullevi (=Altes Ullevi). Der Name täuscht etwas, da das alte Stadion abgerissen wurde und hier 2009 ein neues mit altem Namen entstand. Dies ist nun die Heimstätte für IFK, GAIS (der Zeckenverein Nummer 1) und Örgryte.
Das Stadion drinnen sehr gut gefüllt. Ich stand direkt gegenüber von der Heimtribüne (Ultras, Supras…). In einem Eck auf der Gegenseite befand sich ein zweiter Anhängerblock, welche hauptsächlich durch Pöbeleien auffielen. Ein Intro seitens der Heimfans gab es keine, da diese gegen die TV-diktierten Anstoßzeiten protestierten (es ist immer am Sonntag um 12.30 Uhr das Livematch). Elfsborg (falls einige deren Herkunftsstadt suchen: die sind aus Borås) zeigte eine schwarz-gelbe (wohl die Standardfarben hier oben) Zettelchoreo. Stimmung war bei den Gästen ganz ordentlich, die Heimfans streikten zu Beginn wurden dann aber doch ab und zu ganz laut (die Hymne inkl. der Schalparade vor Spielbeginn war sehenswert).
Nach 3 Spielen mit gerade einmal einem Tor kam heute endlich einmal der Fußballfan auf seine Kosten. Elfsborg ging rasch mit 1:0 in Führung, verlor aber nach der roten Karte gegen ihren Schlußmann den Faden. IFK drückte aufs Gas und schoss die Gäste mit 5:1 ab.
Nach dem Spiel ging es ruhig aus dem Gästeblock, nur 2 besoffene Heimische probierten sich im Posen und wurden auf dem schnellsten Weg von der Polizei entfernt. Wie so vieles ist wohl auch Fußball hier vom Wetter abhängig. Während der Wintermonate sieht man kaum jemanden auf der Straße, sobald die Sonne rauskommt ist alles voll mit sonnensüchtigen Schweden. Dies ist auch die schönere Zeit für männliche Touristen zum Gaffen.

AIK Solna – Djurgården IF 1:2 (02.05.2010)
Gaffer kamen dann am ersten Mai-Wochenende zu Besuch. Während man sich am Vortag bei den LG Games im Globen (größte sphärische Gebäude der Welt, ist eine riesige Kugel, wo neben Hockeygames auch Konzerte stattfinden) Schweden-Russland reinzog. Wie überall marschierten auch hier am 1. Mai Arbeitsscheue mit ihren roten Fahnen durch die Stadt. Man wird sie also nirgends los ;)
Wie bereits das IFK Spiel, war auch das Stockholmer Derby für Sonntag 12.30 Uhr angesetzt. Wie wir heute dank den Tiroler Funktionären wissen, sind Austrianer ständig besoffen bei den Spielen. Dieses Klischee musste natürlich bestätigt werden und so gab es zum Frühstück feinsten Jägermeister. Die Sektion West-Ungarn ließ sich das aber nochmal durch den Kopf gehen und verewigte sich bereits um 10 Uhr vormittags vorm Hostel. Ein Teil der Reisegruppe zog es vor, Mittag essen zu gehen und danach rauszufahren. Der andere zog es vor zum Treffpunkt der Ultras von DIF zu fahren. Mit bekannten Fabriken traf man sich in einem Park. Schon am Weg hin, fiel die massive Polizeipräsenz auf. Gerade eben ein Bier geholt, kamen auch schon die ersten Zivilen herüber und wollten die Ausweise sehen. Von uns wollte man die Herkunft und das Ziel der Reise wissen. Ob man mit der Antwort „aus Hitlerland“ und „zur Besichtigung von Kellern!“ zufrieden war, ist eine andere Frage. Polizei kontrollierte wohl auf Grund der Altersgrenze für Alkohol und auf Suchtmittel (wird man schnell feststellen, dass wegen der hohen Preise für Alkohol auf anderes umgestiegen wird. Touristen wird hier Kopenhagen empfohlen, von wo der Großteil der Schweden das ganze Jahr für winterliche Verhältnisse sorgt). Wir fuhren dann im Linienbus wieder raus nach Solna. Polizei natürlich mit an Bord. Hauptsächlich wurde hier aber nur wegen Bierflaschen kontrolliert (in öffentlichen Verkehrsmitteln ist der Konsum von Alkohol verboten).
Vor dem Stadion herrschte dann Derbyatmosphäre. Fast jeder lief in Vereinsfarben herum, selbst Sneaker kann man mit dem Vereinsemblem kaufen. Wir hatten unsere Karten für die Gästetribüne. Diese verzichtete aufgrund der beschissenen Anstoßzeit auf ein Intro und präsentierte nur ein Protestspruchband. AIK zeigte sich heute südamerikanisch und spannte Bänder vom Oberrang runter und zündelte brav. Stimmungsmäßig dagegen beide Blöcke am Einheizen. Ich kann Djurgården jetzt nicht so bewerten, aber es wurde durchgehend von fast allen gesungen. AIK sah man hauptsächlich am Herumhüpfen (aber auch hier die gesamte Tribüne).
Am Feld bestätigte sich mein Eindruck vom letzten Spiel und mit dem Wetter wurden auch die Leistungen besser. Ein rassiges Spiel mit einem schnellen Tor von AIK. Das Stadion jubelte und aus dem Gästesektor wurde eine Rakete in den Nebensektor geschossen. Wie vielleicht bekannt nehmen die Firman Boys (wohl die legendärste Hooligangruppe Schwedens) auf der Geraden Platz. Von dort liefen einige zum Zaun, was sich auch die Gäste nicht bitten ließen und so liefen auch DFG (=Djurgården Fina Grabbar) zum Zaun. Mehr wie Posen war dann allerdings nicht. Videoüberwachung und strenges Ordnerpersonal sei Dank. Videoüberwachung gibt es an sehr vielen öffentlichen Plätzen, Schweden ist zudem ein sehr strenges Land. Besoffen auf der Straße rumlaufen, kann schon einmal zu einer Nacht hinter schwedischen Gardinen führen (vermutlich will man diese Erfindung auch nur wirksam präsentieren). Auseinandersetzungen zwischen Fangruppen finden daher meist in der wunderschönen Waldlandschaft statt, zahlenmäßig oftmals mit 100+.
Vor der Pause erzielte DIF den Ausgleich und ließ die rund 2000 Gäste jubeln (gesamt waren 21 181 Besucher). Die zweite Hälfte war dann hartumkämpft und in der 72. Spielminute brachte Johan Oremo die Gästefans zur Ekstase. Ein genialer Torjubel war die Folge und die Stimmung war im Anschluss sensationell. In den letzten Minuten saßen viele bereits am Zaun und feierten nur mehr den Derbysieg. Die Mannschaft kam artig zum Bedanken, ein Violetter wollte sich diese genauer anschauen, wurde aber vom Feld hinausbegleitet. Choreographisch war es sicher nicht das beste Derby, doch die Emotionen waren unbezahlbar.

Assyriska FF Södertälje- Hammarby IF 0:3 (04.05.2010)
Nachdem ich die Erstligisten durch hatte, musste auch endlich einmal der grün-weiße Traditionsverein heimgesucht werden. Hierfür ging es in 30-Minuten entfernte Södertälje. Diese Stadt hat eigentlich wenig zu bieten, außer eine hohe Rate an Halalfleich-Verkäufern und orientalischen Supermärkten und ist zudem die Heimatstadt von Tennis-Legende Björn Borg. Udo Ulfkotte erwähnt die Stadt zudem in seinem Buch „SOS Abendland“, da hier ein nicht gerade geringer Teil Kulturbereicherer wohnt. So kommt es auch, dass gleich 2 syrische Vereine in dieser Stadt bestehen. Das Derby zwischen Assyriska und Syrianska konnte ich leider nicht besuchen, soll aber durchaus spannend anzusehen sein. Ich sah beide Vereine gegen Hammarby, sind sich aber ziemlich ähnlich.
Von der Pendeltåg Station kommt man mit Linienbussen (übrigens gilt auch hier die SL Karte) zum Stadion. Außer einem Einkaufszentrum ist dort weit und breit nichts. Das Stadion selber ist allerdings ganz ordentlich. Eine große Haupttribüne und an den anderen Seiten Stahlrohr. Der Heimbereich ist auf der großen Haupttribüne. Hier fühlte ich mich ohne Jogginghose und Ölaugen etwas unwohl, aber der erste Eindruck täuschte. Nachdem ich mir einen Kebapspieß (frisch vom Grill unter der Tribüne, der Geruch ist daher allgegenwärtig) reinwarf, konnte das Spiel beginnen. Die Heimischen spannten eine große Blockfahne über die Tribüne und schwenkten am Feld ihre großen Fahnen.
Hammarby füllte den Sektor hinter dem Tor und zum Teil auch die Gegentribüne. Der Support von Ihnen erinnerte sehr an Rapid, zu denen es auch eine Fanfreundschaft gibt (HU93 mit AG). Langanhaltende melodische Lieder mit fleißigem Fahneneinsatz.
Am Feld führte der Absteiger des Vorjahres die Heimischen vor und gewann locker mit 3:0. Während die Fans noch feierten marschierte die Polizei schon auf. Mittels Pferden versuchte man die Lage zu kontrollieren. Auch hier sah man wieder wie strikt die Ordnungskräfte hier oben sind. Sämtliche Anhänger aus Stockholm wurden in die Linienbusse gequetschte und dann unter Polizeibegleitung aus der Stadt gebracht. Die Busse fuhren bis nach Östertälje zur Pendeltåg Station.

Djurgårdens IF – Gefle IF 1:1 (22.05.2010)
An diesem Wochenende fanden die letzten Spiele der Hinrunde in der Allsvenska statt (auf Grund der Weltmeisterschaftspause). DIF hatte zu diesem Heimspiel einen Treffpunkt im Humlegården ausgerufen um von dort gemeinsam zum Stadion zu ziehen. Ein paar hundert werden es schon gewesen sein, die bei exzellentem Wetter in das alte Olympiastadion marschierten. Karten besorgte ich mir diesmal neben dem Gästesektor in der prallen Sonne. Djurgården zeigte abermals eine Zettelchoreographie in den Vereinsfarben, Gefle konterte mit Bierwampen. Die Stimmung bei den Heimischen war ganz ordentlich, man merkte aber, dass es diesmal um nichts ging. Die Gäste beschränkten sich auf den Bierkonsum und trommelten ab und an mal ein wenig herum.
Nach dem Spiel ging es noch kurz mit einigen Heimfans in ein Pub auf ein Saisonabschlussbier (zumindest für mich, da es mein letztes DIF Spiel war). Dort war alles buntgemischt, von Raufern über Normalos, aber alle gemeinsam am Singen.

Hammarby IF – Trelleborg FF 3:1 (03.06.2010)
Bevor es heimging musste ich aber dann doch noch einmal bei Hammarby daheim vorbeischauen. Ein paar Tage vorher gegen Väsby machte ich mir bereits ein erstes Bild, diesmal wollte ich den Fanblock genauer betrachten. Hammarby besitzt mit den Hammarby Ultras 1993 die älteste Ultràgruppe des Landes. Daneben hat sie mit den Ultrà Boys und den Söder Bröder weitere bekannte Vertreter. Mein Eindruck war, dass die Söder Bröder hauptsächlich den Ton angeben, die Ultrà Boys standen etwas abseits und blieben eher unter sich. Stimmung wie schon erwähnt, erinnert sehr an Rapid, soll aber nichts schlechtes heißen. Zum Spiel gibt es nicht so viel zu sagen, ein verdienter Sieg der Heimmannschaft.
Ich will zum Abschluss lieber noch ein paar Worte zur kulinarischen Situation abgeben. Schweden ist nicht gerade berühmt für sein Essen (abgesehen von den kötbullar beim Ikea). In den Stadien bekommt man eigentlich nur Hot Dogs (oder Kepab bei den Murln in Södertälje). Diese sind leider nur gekochte Frankfurter in einem letschaten Brötchen, man kann sie allerdings selber mit Ketchup und Senf sowie gerösteten lök (=Zwiebel) garnieren. Wer es sich verkneifen kann, sollte aber lieber das Fast Food in der Stadt probieren. Burgerläden gibt’s überall (verzichtet auf Burger King und McDoof, die skandinavische Variante MAX ist um einiges besser), ganz interessant sind allerdings Tunnbrödsrulla. Dabei handelt es sich um eine Art Fladenbrot (wie man es von der österreichischen Spezialität Dürüm kennt) gefüllt mit diversesten Sachen. Hauptsächlich findet man drinnen Kartoffelpüree, Salat und dann kann man wählen zwischen Fischstäbchen, Würsteln oder ähnliches. Es ist zumindest ähnlich interessant wie die Brötchen mit Pommes in Brüssel.
Fußballinteressierte zieht es wohl eher weniger nach Schweden, kann es aber jedem nur empfehlen. Zumindest ein Derby ist sehenswert. Die Begeisterung welche seitens der Fans an den Tag gelegt wird, vermisst hierzulande des Öfteren. Gerade in Sachen Ultràszenen, wo immer mehr aussterben, gibt es oben junge Gruppen, die speziell in Sachen Choreographien ganz weit vorne mitspielen. Der letztjährige Meister Malmö FF hat derzeit die größten Intros, fertigt alle Fahnen aus Stoff und hat letzte Saison über 50 000 Euro für seine Choreographien ausgegeben. Finanziert wird oben alles von den Fans, je näher man zu den Fanblöcken kommt, desto lauter wird man das scheppern der Sammeleimer hören. Es gab keine Kurve, die nicht für anstehende Choreographien abgesammelt hat. Auch wenn sie heute noch nicht zur Elite zählen, sollte man dieses Land nicht außer Acht lassen. Da ist noch jede Menge Potential vorhanden.

Mit freundlichen Grüßen,
Franz Weinpolter, Wien