West Ham – Millwall

Nachdem man schon das Hinspiel sah und es zudem noch nicht fix ist, ob es nicht sogar das letzte Mal im Upton Park stattfindet (es wird noch verhandelt, ob West Ham ins Olympiastadion übersiedelt), motivierte man sich doch wieder für diesen Kick.

Der Flug war schnell gebucht (von Salzburg mit der Ryanair um heiße 60 Euro), Kartenkauf war dann schon etwas interessanter. Als Auflage bekam man nämlich nur eine Karte, wenn man eine Kaufhistory aufweist. Somit hat sich die Mitgliedschaft schon wieder rentiert und man konnte sich großzügigerweise eine Karte zulegen. Andere hatten wiederum mehr Aufwand und mussten erst Personen mit den nötigen Erfordernissen aufsuchen, im Endeffekt kam aber (fast) jeder zu seiner Karte. Preislich war es diesmal um einiges teurer wie bei Millwall. Da der Bobby Moore Stand Lower sofort ausverkauft war, kam daher nur die Haupttribüne (Alpari Stand) in Frage. Als Unter 16jähriger sparte man natürlich nochmals und so waren es im Endeffekt 25 Pfund für die Karte.

Freitag abend ging es in Salzburg los. Wenn nicht gerade eine Russeninvasion ist, kann man sich hier merken erst 5 Minuten vor Boarding anzutanzen. Ryanair überraschte diesmal mit einem vorgezogenen Start, damit man ja in London die Fanfare hören kann. Flug war unspektakulär, in Stansted gings auch schnell durch die Passkontrolle und dann folgte ein persönliches Schicksal. Merke: Bei neuer Simkarte immer Pincode fürs Handy aufschreiben oder auf den alten umändern. Somit war das angebriesene 3LikeHome wirkungslos und man griff auf gute alte Prepaidkarten zurück. Nach 10 Minuten Werbung auf dem Tonband (“Top up your Freebie with 5 pounds and you will get 100 minutes to UK mobiles. Top up with 10 pounds…”) konnte man sogar Guthaben aufladen. Danach ging es per Stansted Express bzw. Terravision Coach Service Richtung London Liverpool Street. Letzteres ist mMn empfehlenswerter, da man für 15 Pfund (Online: 14) nur 15 Minuten länger fährt (Stansted Express: 29 Pfund bzw. 23 bei der Ryanair). Wenn man früh genug bucht, wäre EasyBus eine Option, da die bereits ab 3 Pfund starten (allerdings zur Baker Street fahren).

Während die Express Reisegruppe diesmal eine 4 Sterne Unterkunft hatte (für 30 Pfund pro Person durchaus vertretbar), kam der Rest bei Freunden und Bekannte unter. Ich kam daher noch in den Genuss die O2-Arena bei Nacht zu sehen. Nach einem vorzüglichen Mahl des Gastgebers (Danke alter Kamerad!) war es schon weit Nacht Mitternacht und daher Zeit zur Ruhefindung.

Am nächsten Tag hieß es früh aus den Federn, da aus Sicherheitsgründen wieder um 12.30 Uhr angepfiffen wurde. Somit ging sich eigentlich noch der Drittligakick Charlton – Rochdale aus. Nach einem umfangreichen British Breakfast (wobei der mushroom fast wieder hochkam) gings auf die andere Themse-Seite nach East London. Bereits beim Umsteigen in West Ham merkte man die hohe Polizeipräsenz. Im hinteren Bereich waren erste Millwallgruppen präsent, was sich durch das Klirren einiger Flaschen bemerkbar machte. Beim Upton Park dann Fantrennung pur und somit war neongelb heute die Millwallfarbe. Außer diversen Gesängen bekam man nicht viel zu sehen/hören. Dafür bekam man heute vieles zu hören, nur selten etwas englisches. Mag dies jetzt einer auf die Gegend rund um den Upton Park beziehen (nicht umsonst nennt man die Hammers auch Pakis), spreche ich eher von den unzähligen Touristengruppen. Neben einer Vielzahl an Italienern (darunter auch unsere Kameraden aus Udine), waren es vor allem Deutsche und Österreicher (Austria Wien Hauben waren ebenso präsent wie Rapid und Salzburg Hauben, doch auch der Steirer Dialekt kam nicht zu kurz). Insgesamt waren es wohl mehr Hopper wie Hammers auf den Straßen der Green Street. Dies sorgte wohl auch für die eigenartige Atmosphäre. Denn von Hass war hier kaum was zu spüren. Keine Gesänge und stattdessen ein normaler Spieltag Ablauf. Einzig der Megastore wurde gestürmt und es bildeten sich lange Schlangen an Kassa und Eingang. Daher nochmal retour zur Underground Station und dort einen weiteren Lions Mob ankommen sehen. Diesmal war noch mehr Polizei präsent, doch auch vorm Queens Pub sammelte sich diesmal eine gute Anzahl Hammers. Auch hier wieder eine Vielzahl an Kameras und Smartphones in der Luft um die beste Aufnahme vom “Forever Blowing Bubbles” Chant zu bekommen. Doch mehr war dann auch schon wieder nicht mehr. Pubs waren aus Sicherheitsgründen abermals geschlossen und so blieb nur mehr der Weg ins Stadion. Die Kontrollen waren Englandtypisch nicht vorhanden.

Wie oben bereits schon erwähnt, hatte jeder irgendwo Karten herbekommen, die meisten auf der Haupttribüne. Vor dem Stadion wäre es auch kein Problem gewesen am Schwarzmarkt zuzuschlagen. Von 40 bis 100 Pfund oder gar eine komplette Dauerkarte wäre möglich gewesen. So saß auch ich für meine 25 Pfund in der 2. Reihe direkt beim Spielfeld, während andere für 140 Pfund in Vip-Club Nähe Platz nahmen. Einige nahmen überhaupt auf der Ersatzbank Platz für Fotos, schön natürlich im “Liberta per gli Ultras”-Pulli der IRR Lazio. Lazio-Fans waren ebenso präsent (mit einer eigenen Vip-Box und “Sodalizio”-Fetzen), wie (oben schon erwähnt) zig andere Italiener (vornehmlich ausgerüstet mit den “Paolo Di Canio – West Ham Legend” Schals).

Millwall bekam diesmal rund 5000 Karten und musste in den 2. Rang des Trevor Brooking Stand. Der 1. Rang blieb gesperrt und wurde seitlich von der Riot Police belagert. Das restliche Stadion war so gut wie voll und auch ab und an recht gesangsfreudig. Optisch gab es natürlich nichts zu sehen, außer vielleicht ein paar Seifenblasen bei der Vereinshymne.

Das Spiel begann genauso mies wie im The Den, einzig die rote Karte in der 8. Minute sorgte für Aufregung. Die erste Hälfte plätscherte einfach vor sich hin, erst in der 45. Minute wurde man durch das 1:0 der Heimischen aus der Lethargie gerissen. Die zweite Hälfte war dann sichtlich besser und auch spannender. Dem Millwall Ausgleich folgte postwendend die Hammers Führung. Beide Anhängerschaften am Ausrasten, war schon ziemlich gut teilweise die Stimmung. Millwall sang zwar nicht viel, aber hat mich doch wieder positiv überrascht. Wenn dann waren sie ziemlich lautstark (wie auch im Hinspiel). Hammers bei den üblichen 2-3 Chants laut, ansonsten war eher weniger los. Die Pöbeleien zwischen den Gästen und dem Hammersblock im Eck nahmen allerdings zu, angeheizt auch noch die Carlton Cole (normal ein extremer Unsympathler) mit seinem Torjubel Richtung Gästefans. Millwall gelang es selbst in den 5 Minuten Überspielzeit nicht mehr ranzukommen und somit hieß der Sieger West Ham United, was ausgiebig gefeiert wurde (immerhin ist man Tabellenführer).

Da Charlton abgesagt wurde (gefrorener Boden), konnte man noch einige Pöbeleien beobachten, auch ein Böller flog noch in den West Ham Sektor (oder von diesem auf die Security?). Doch wirklich was wildes, wie damals im Pokal, gab es nicht. Für uns ging es nach dem üblichen Souvenirkauf retour Richtung Underground Station, wo die Polizei aber schon alles abgesperrt hatte. Millwall Fans wurde abermals eingekesselt Richtung Station gebracht. Einige Hammers amüsierten sich nun eben mit der Polizei und entledigten dem ansässigen Obsthändler seiner Orangen. Nach einer Weile griff Team Yellow aber durch und ritt mit ihren Pferden mal in die Menge. Bis auf einige wenige Motivierte, welche aber mit einem Tritt in die Eier beruhigt wurden, passierte nichts aufregendes.

Wir machten uns auf Richtung Piccadilly Circus, musste doch wieder einiges für die Daheimgebliebenen besorgt werden. Danach verbrachte man die Zeit ob des beschissenen Wetters im Pub um die Ecke. Da ein Teil erst Montag retour flog und für Sonntag Karten für Derby-Nottingham hatte, wurde ausgiebig die belgische Braukunst genossen (gibts eigentlich ein englisches Bier?), für mich gings aber retour in meine Unterkunft Tasche abholen. Laut Fahrplanauskunft auch kein Problem, doch die Rechnung wird bekanntlich mit den Londoner Transportbetrieben gemacht. Piccadilly waren alle Abgänge bis einen gesperrt, unten natürlich Chaos. Nachdem meine Oyster Card kein Guthaben mehr hatte, wollte ich sie beim Schalter aufladen, vor mir die Personen hatten Glück, bei mir war dann seine Arbeitszeit am Ende und er ging heim. Leute natürlich wild am schimpfen und zu den Automaten gestürzt. In einer übervollen Ubahn gings dann los Richtung Bank, dort leider kein Service der Jubilee Line. Also retour zu Piccadilly und dort nach Waterloo. Dort wurde aber gesagt, dass die Jubilee Line (ebenso wie etliche andere Ubahnen) gar nicht mehr fährt wegen des Schnees (zu dem Zeitpunkt lagen etwa 5 cm Schnee). Man sollte den Bus 188 nehmen (welcher die einzige Möglichkeit war nach North Greenwich zu kommen). Nach einer halben Stunde kam endlich ein Bus, welcher natürlich auch völligst überfüllt war. Bei jeder Station Rangeleien und Versuche doch noch irgendwie reinzukommen (der Bus sollte normal alle 15 Minuten fahren, was aber wohl nur ein Wunsch ist). Dann auch noch einige Überkorrekte, die melden mussten, dass etliche ohne Karte einstiegen. Der Busfahrer nahm es aber locker und meinte “We all want home! I don´t care about the tickets.” Nach 2stündiger Fahrt kam man endlich bei der o2-Arena an. Nun war der schöne Zeitplan sowieso schon über den Haufen geworfen, da in einer Stunde bereits der Bus retour genommen werden müsste. Also mehr oder weniger schnell in die Wohnung retour (natürlich sieht es bei Nacht und Schnee komplett anders aus). Dort dann Anruf vom Gastgeber bekommen, dass sie auch am Weg waren und wir uns noch treffen sollten. Was ich dann aber zu hören bekam, zeigt mal wieder warum die Verkehrsbetriebe derart verhasst sind. Sie fuhren ebenso mit einem überfüllten Bus, als der Fahrer auf einmal stehen blieb und ausstieg. Seine Schicht war zu Ende und er geht jetzt heim schlafen. Unglaublich eigentlich! Doch in diesem Land überrascht kaum mehr etwas. Der Schneefall war länger bekannt, es war zudem immer unter 0 Grad, trotzdem setzt man weiterhin auf Sommerreifen bei den Autos (was sich durch etliche Unfälle bezahlt machte) und verzichtet auf Schneeräumung. Für mich ging es dann trotzdem Richtung Bus, nur sollte der auch nach 45 Minuten warten nicht auftauchen. Also das einzige Taxi weit und breit (kaum jemand fährt nach North Greenwich raus) aufgehalten und mit dem zur Liverpool Street gedüst (mit 24 Pfund war die Fahrt weniger schlimm wie erwartet). Zwischendurch konnte man sich noch mit spärlich bekleideten Mädls unterhalten, auch diese setzen im Winter lieber auf Minikleid und High Heels. Sollte mal bei uns eingeführt werden.

Das einzige was wirklich pünktlich war und funktionierte war der Terravision Bus (Stansted Express übrigens auch gesperrt). So kam man recht zeitig in Stansted an und konnte nach den elendslangen Sicherheitskontrollen (welche ich nie verstehen werde) noch etwas frühstücken. Nach zahlreichen Flugabsagen (Heathrow angeblich dicht gemacht) war man natürlich froh, dass der Flug nach Salzburg scheduled starten sollte. Die Suche nach dem Gate war auch erfolgreich und so hieß es warten. Das man bei Ryanair ruhig zur Abflugzeit erst hinkommen kann dürfte eh bekannt sein. Diesmal rettete es allerdings einem weiteren Salzburger Reisenden wohl auch einiges an Geld. Dieser war zwar pünktlich am Flughafen, fiel aber dann doch wieder ins Land der Träume. 7.20 Abflug, 7.30 aufgewacht. Normal ein Schlamassel doch nicht bei ryanair. Deren final call dauert zum Glück bei 8 Uhr und somit konnte der Flieger leicht erreicht werden. Was sich dann aber abspielte, sorgte bei vielen für Unverständnis. Nachdem man endlich geboardet war, wurden zuerst 50 Personen aufgerufen, die wohl auf den Flug vergessen hatten und dann musste aufs enteisen gewartet werden. Dieses Szenario hatte ich schon einmal in Wien erlebt, daher rechnete man mit etwas Verspätung. Das man allerdings über 3 Stunden im Flieger saß und nicht mehr raus durfte (aus Sicherheitsgründen) und auch nichts zum Essen kaufen durfte (aus Sicherheitsgründen) war ein Witz. Um kurz nach 12 endlich die Erlösung, dass wir bald starten können. Ein Blick beim Fenster raus zeigte mit welcher Arbeitsmoral man auf der Insel vorgeht. Da stehen Einzelpersonen mit einer Schneeschaufel dort und schippen den Schnee. Andererorts wurden mit Traktoren Flugzeugstellplätze geräumt, anstatt die Startbahnen zu säubern. Um 15 (statt um 10) Uhr erreichte man dann gottseidank völlig übermüdet Salzburg.

Bleibt nur anzumerken, dass man niemanden empfiehlt im Winter (dritter Winter mit Schneefall in Folge und man ist noch immer überrascht) auf die Insel zu fliegen. Ryanair zeigte sich hier ebenso als Low-Service-Line wie die Sinnlosigkeit der Flughafenbediensteten in Stansted. Einzig der Taxifahrer von letzter Nacht machte einen positiven Eindruck und traf ein passendes Fazit: “This country will never change!”


Drei Königsausflug

Nachdem wir heuer wieder nicht beim Stier teilnehmen, die Hallen-Landesmeisterschaft erst Ende Jänner startet und auch Testspiele in weiter Ferne sind, wurde die Zeit für einen Ausflug nach Südtirol genutzt. Erhitzte dieses Thema vor ein paar Jahrzehnten noch die Gemüter und man zog in den bewaffneten Kampf gegen die italienische Herrschaft, ist es heute weitestgehend ruhig um diesen schönen Fleck Europa geworden. Doch spätestens wenn man vor Ort ist, merkt man das man zwar in einem anderen Land ist, die Leute allerdings die selben sind.

Doch alles der Reihe nach. Für Donnerstag nachmittag wurde ein schlimmes Schneechaos vorhergesagt und daher startete man in Salzburg bereits um die Mittagszeit. Mit Ausnahme von Salzburg und Bayern war es wettermäßig aber recht gut und so überquerte man flott den Brenner. Erste Station sollte das Eishockeyderby zwischen HC Pustertal und HC Bozen sein. Endlich in Bruneck angekommen, begann es dann plangemäß mit dem Schneefall. Von diesem ließen wir uns und die hunderten italienischen Touristen nicht abkriegen und genossen noch das oder andere Heißgetränk am idyllischen Weihnachtsmarkt.

Bruneck liegt im Pustertal, an der Mündung der Ahr in die Rienz (nach der auch das heimische Bier benannt ist). Es ist die fünftgrößte Stadt Südtirols (15.523 Einwohner, Stand 31.12.2010) und ist den meisten wohl durch den Kapuziner-Wastl bekannt. Weiters beherbergt man mit dem HC Pustertal auch einen Top-Eishockey-Klub in der Stadt. Heute sollte in der alten Halle das Duell gegen die Rivalen aus Bozen stattfinden. Bereits Tage vor dem Spiel war die Halle ausverkauft, was normalerweise eher in den Play Offs der Fall ist. Mangels sportlicher Alternativen (Fußballmäßig gibt es in Südtirol nicht wirklich etwas) sieht man in der ganzen Stadt Hinweise auf die „Wölfe“ (Spitzname des HC Pustertal).

Bereits eine Stunde vor dem Spiel betrat man die alte Halle in Bruneck und staunte nicht schlecht. Herrscht normalerweise in Österreichs Hockeyhallen gähnende Leere, war diese bereits lang vor Anpfiff prall gefüllt. Man fühlte sich etwas in der Zeit zurückversetzt, da die Tribünen vollständig aus Stehplätzen bestanden. Eine Seite der Halle ist offen und nur mit Planen abgedeckt. Insgesamt hatte man eher den Eindruck, wie wenn in eine Scheune eine Eisfläche samt Tribünen transferiert wurde. Auf der Geraden versammelten sich die aktiven Heimfans („Wolves“), welche Trommeln, Fahnen und auch ein Megaphon ihr eigen nennen können. Die Stimmung war die ganze Zeit vorhanden, was wohl auch am guten und preiswerten Glühwein lag. Doch auch die musikalische Untermalung passte gut. Während bei uns versucht wird möglichst alternativ zu wirken, liefen hier neben Onkelz und Ballermannhits auch die Tiroler Landeshymne. Man merkt es auch in der ganzen Stadt, daß man zwar auf die italienischen Touristen angewiesen ist, man selbst aber gar nichts mit denen gemein hat. Im Radio läuft Austro Pop, „I am from Austria“ ist der Top Diskohit, man kann zwar italienisch, spricht aber durchwegs deutsch, irgendwie war es etwas seltsam.

Bei den Bozner Anhängern sah dies alles schon etwas anders aus. Bozen ist zwar die Hauptstadt von Südtirol, der italienische Anteil ist hier aber höher. So zeigten die knapp 100 Mitgereisten auch die il tricolore. Leider war von der früheren Gruppo Mele Marce nichts zu sehen. Diese alte Gruppe wurde aus dem Stadion verdrängt und zeigt sich jetzt nur mehr sporadisch in den Hallen.

Das sportliche Niveau am Eis ist eher unter der österreichischen Liga anzusehen, Spannung war aber geboten. Stimmungsmäßig war es aber überraschend. Teilweise (z.B. bei „chi non salta…“) zog die gesamte Halle mit. Mit etwa 2500 Besuchern war diese ausverkauft, dementsprechend war auch der Lärmpegel. Die Gesänge waren gemischt zwischen italienisch (meist Beschimpfungen) und deutsch. Die Gäste konnten sich nur teilweise bemerkbar machen. Die Atmosphäre machte sich auch am Eis bemerkbar und so entwickelte sich ein kampfbetontes Spiel. Die Pustertaler vergaben viele Chancen, Bozen versemmelte zudem einen Penalty. Mit 1:1 ging es in die Verlängerung, die ein paar Sekunden vor Schluß die Heimischen gewannen.

Tags darauf ging es dann aber zum Fußball, da Eishockey zwar nett ist, der grüne Rasen dann aber doch mehr Reiz aussprüht. Während viele Hopper wohl die Kombi Vicenza und Verona-Modena wählten, entschieden wir uns nur für die Stadt von Romeo und Julia. Auf der Fahrt aus dem tiefverschneiten Pustertal, kam schnell die Frage hoch ob es weiter unten nie schneit. Bereits ab Bozen wurde das weiße Vergnügen immer weniger und in Verona begrüßte uns die Sonne mit angenehmen 10 Grad plus. Schnee war hier maximal in manch Lokalitäten aufzufinden. Das Wetter lud förmlich zu einer Stadtbesichtigung ein und so war die Altstadt völlig überlaufen. Dies machte sich auch bei den Bussen bemerkbar, die in irgendwelchen Intervallen antrabten. So hatte man genügend Zeit beim Warten die verschiedenen Plakate und Aufrufe an den Wänden zu lesen. Fast ausschließlich lud die Casapound zu örtlichen Aktivitäten ein (seien es jetzt Konzerte, Demos oder einfach Pubabende). Bei uns sicherlich undenkbar, dass konservative Gruppen ungestört zu Festen aufrufen dürfen. Auch rund ums Stadion Marcantonio Bentegodi war die, nach dem amerikanischen Schriftsteller Ezrah Pound, benannte Gruppe präsent (ebenso wie die VFS). Durch die Busverspätung und den komplizierten Kartenkauf blieb aber nicht lange Zeit für genauere Betrachtungen. Eintrittskarten gab es beim Stadion, allerdings nicht bei den 4 geöffneten Kassen (die dutzenden alten Schalter waren geschlossen), sondern in Baucontainern auf der anderen Straßenseite. Bei den ersten gab es nur etwas für tesserati, bei den Containern spielte es sich daher ab. 15 Minuten vor Anpfiff standen noch immer hunderte Wartende an um sich auf den Karten ihren Namen raufdrucken zu können. Wie bekannt kommt man in die Kurven nur mit der Tessera del Tifosi rein, so entschied man sich für 22 Euro die Gerade zu beglücken. Direkt mit Anpfiff war man endlich auf seinen Plätzen.

Das Stadion war „gut“ gefüllt, die Curva Sud relativ voll (bei Hellas haben fast alle Ultras die verpönte Karte), die Curva Nord bis auf die etwa 150 Modenesi komplett leer. Hellas überzeugte durch guten Support, während die Gäste statisch herumstanden. Wie der Zufall es so wollte, platzierten sich oberhalb unserer Plätze einige Ultras, welche auch durchgehend für Stimmung sorgten. Auf Grund fehlenden Wissens rund um die Fanszene der Veronesi ist aber schwer wie diese Gruppe/Gruppen heißen. Einzig die von den Länderspielen bekannte Verona Fahne konnte zugeordnet werden.

Modena ging mit 1:0 in Führung, was die mitgereisten Gäste zum Jubeln brachte. Einige liefen auch herüber zum Zaun um sinnfrei zu posen, die angrenzenden Veronesi zeigten sich allerdings wenig beeindruckt. Am Feld vergab Hellas eine Chance nach der anderen, was das Publikum zum Verzweifeln brachte. In der Halbzeit wurden die Plätze Richtung Curva Sud getauscht und siehe da nach kurzer Zeit fielen die Unmengen an Hoppern wieder auf. Bereits beim Kartenkauf machten sie die klassischen deutschen Ultras (mit Windbreaker, Karocap…) ebenso bemerkbar wie die klassischen österreichischen ASB-Schreiberlinge in ihren Chucks und Parkas. Teilweise konnten auch noch die zuvor in Vicenza gekauften rot-weißen Schals ausgemacht werden, rasch überdeckt mit den blau-gelben Hellas Utensilien. Wenn sich in Italien auch viel verändert hat, das Phänomen der ausländischen Hopper wird wohl immer bleiben.

Curva Sud supportete in der zweiten Hälfte weiter wie bisher, auch auf der Haupttribüne konnten weitere Ultrágruppen ausgemacht werden. Scheint so, als ob es in Verona auch keine einheitliche Meinung zur Tessera gibt. Vorwürfe darf man wohl keinen machen, denn im Endeffekt wird sich jeder selbst denken, was besser für sich und seine Gruppe ist. Neben der bekannten Beflaggung der Sud konnte zudem auch eine kleine Ultras Sur Fahne ausgemacht werden.

Als sich bereits jeder mit einer Niederlage abfand, drehte Verona innerhalb von einer Minute das Spiel und gewann mit 2:1. Der Torjubel inklusive dem folgenden „Forza Verona ale“, war einfach genial und zeigt wohl auf wie es früher gewesen sein müsste.

Nach dem Spiel ging es rasch retour Richtung Bahnhof. Falls es hier jemand weniger eilig hat, kann er sich an der Straße vom Stadion zum Bahnhof noch mit den Blackies vergnügen, für die ganze speziell interessierten Reisenden.

Als Fazit kann man ruhig eine Empfehlung abgeben. Sowohl die Stimmung beim Eishockey wie auch bei Hellas war gut, man muss eben die Erwartungen in das Land der magischen Ultras etwas zurückschrauben. Speziell der Kartenkauf beim Fußball ist einfach letztklassig oder auch wieder eigen. Immerhin wurde man bei Verona nicht an irgendwelche schwindligen Bars verwiesen. Kurvenmäßig scheint es auch wieder einen Aufbruch zu geben, zumindest die „großen“ Kurven dürften die Tessera akzeptiert haben und sind nun wieder teilweise in den Stadien präsent. Bleibt aber abzuwarten ob es nach dem ersten kleinen Erfolg (die Kreditkartenfunktion der tessera wurde als rechtswidrig angesehen) einen größeren geben wird und im Land der Ultras wieder Normalität einkehren wird. Für Leute die mit Italien aufgewachsen sind und es so kennen und lieben lernten, wird es wohl bei einer Geldverschwendung bleiben.