West Ham – Millwall

Nachdem man schon das Hinspiel sah und es zudem noch nicht fix ist, ob es nicht sogar das letzte Mal im Upton Park stattfindet (es wird noch verhandelt, ob West Ham ins Olympiastadion übersiedelt), motivierte man sich doch wieder für diesen Kick.

Der Flug war schnell gebucht (von Salzburg mit der Ryanair um heiße 60 Euro), Kartenkauf war dann schon etwas interessanter. Als Auflage bekam man nämlich nur eine Karte, wenn man eine Kaufhistory aufweist. Somit hat sich die Mitgliedschaft schon wieder rentiert und man konnte sich großzügigerweise eine Karte zulegen. Andere hatten wiederum mehr Aufwand und mussten erst Personen mit den nötigen Erfordernissen aufsuchen, im Endeffekt kam aber (fast) jeder zu seiner Karte. Preislich war es diesmal um einiges teurer wie bei Millwall. Da der Bobby Moore Stand Lower sofort ausverkauft war, kam daher nur die Haupttribüne (Alpari Stand) in Frage. Als Unter 16jähriger sparte man natürlich nochmals und so waren es im Endeffekt 25 Pfund für die Karte.

Freitag abend ging es in Salzburg los. Wenn nicht gerade eine Russeninvasion ist, kann man sich hier merken erst 5 Minuten vor Boarding anzutanzen. Ryanair überraschte diesmal mit einem vorgezogenen Start, damit man ja in London die Fanfare hören kann. Flug war unspektakulär, in Stansted gings auch schnell durch die Passkontrolle und dann folgte ein persönliches Schicksal. Merke: Bei neuer Simkarte immer Pincode fürs Handy aufschreiben oder auf den alten umändern. Somit war das angebriesene 3LikeHome wirkungslos und man griff auf gute alte Prepaidkarten zurück. Nach 10 Minuten Werbung auf dem Tonband (“Top up your Freebie with 5 pounds and you will get 100 minutes to UK mobiles. Top up with 10 pounds…”) konnte man sogar Guthaben aufladen. Danach ging es per Stansted Express bzw. Terravision Coach Service Richtung London Liverpool Street. Letzteres ist mMn empfehlenswerter, da man für 15 Pfund (Online: 14) nur 15 Minuten länger fährt (Stansted Express: 29 Pfund bzw. 23 bei der Ryanair). Wenn man früh genug bucht, wäre EasyBus eine Option, da die bereits ab 3 Pfund starten (allerdings zur Baker Street fahren).

Während die Express Reisegruppe diesmal eine 4 Sterne Unterkunft hatte (für 30 Pfund pro Person durchaus vertretbar), kam der Rest bei Freunden und Bekannte unter. Ich kam daher noch in den Genuss die O2-Arena bei Nacht zu sehen. Nach einem vorzüglichen Mahl des Gastgebers (Danke alter Kamerad!) war es schon weit Nacht Mitternacht und daher Zeit zur Ruhefindung.

Am nächsten Tag hieß es früh aus den Federn, da aus Sicherheitsgründen wieder um 12.30 Uhr angepfiffen wurde. Somit ging sich eigentlich noch der Drittligakick Charlton – Rochdale aus. Nach einem umfangreichen British Breakfast (wobei der mushroom fast wieder hochkam) gings auf die andere Themse-Seite nach East London. Bereits beim Umsteigen in West Ham merkte man die hohe Polizeipräsenz. Im hinteren Bereich waren erste Millwallgruppen präsent, was sich durch das Klirren einiger Flaschen bemerkbar machte. Beim Upton Park dann Fantrennung pur und somit war neongelb heute die Millwallfarbe. Außer diversen Gesängen bekam man nicht viel zu sehen/hören. Dafür bekam man heute vieles zu hören, nur selten etwas englisches. Mag dies jetzt einer auf die Gegend rund um den Upton Park beziehen (nicht umsonst nennt man die Hammers auch Pakis), spreche ich eher von den unzähligen Touristengruppen. Neben einer Vielzahl an Italienern (darunter auch unsere Kameraden aus Udine), waren es vor allem Deutsche und Österreicher (Austria Wien Hauben waren ebenso präsent wie Rapid und Salzburg Hauben, doch auch der Steirer Dialekt kam nicht zu kurz). Insgesamt waren es wohl mehr Hopper wie Hammers auf den Straßen der Green Street. Dies sorgte wohl auch für die eigenartige Atmosphäre. Denn von Hass war hier kaum was zu spüren. Keine Gesänge und stattdessen ein normaler Spieltag Ablauf. Einzig der Megastore wurde gestürmt und es bildeten sich lange Schlangen an Kassa und Eingang. Daher nochmal retour zur Underground Station und dort einen weiteren Lions Mob ankommen sehen. Diesmal war noch mehr Polizei präsent, doch auch vorm Queens Pub sammelte sich diesmal eine gute Anzahl Hammers. Auch hier wieder eine Vielzahl an Kameras und Smartphones in der Luft um die beste Aufnahme vom “Forever Blowing Bubbles” Chant zu bekommen. Doch mehr war dann auch schon wieder nicht mehr. Pubs waren aus Sicherheitsgründen abermals geschlossen und so blieb nur mehr der Weg ins Stadion. Die Kontrollen waren Englandtypisch nicht vorhanden.

Wie oben bereits schon erwähnt, hatte jeder irgendwo Karten herbekommen, die meisten auf der Haupttribüne. Vor dem Stadion wäre es auch kein Problem gewesen am Schwarzmarkt zuzuschlagen. Von 40 bis 100 Pfund oder gar eine komplette Dauerkarte wäre möglich gewesen. So saß auch ich für meine 25 Pfund in der 2. Reihe direkt beim Spielfeld, während andere für 140 Pfund in Vip-Club Nähe Platz nahmen. Einige nahmen überhaupt auf der Ersatzbank Platz für Fotos, schön natürlich im “Liberta per gli Ultras”-Pulli der IRR Lazio. Lazio-Fans waren ebenso präsent (mit einer eigenen Vip-Box und “Sodalizio”-Fetzen), wie (oben schon erwähnt) zig andere Italiener (vornehmlich ausgerüstet mit den “Paolo Di Canio – West Ham Legend” Schals).

Millwall bekam diesmal rund 5000 Karten und musste in den 2. Rang des Trevor Brooking Stand. Der 1. Rang blieb gesperrt und wurde seitlich von der Riot Police belagert. Das restliche Stadion war so gut wie voll und auch ab und an recht gesangsfreudig. Optisch gab es natürlich nichts zu sehen, außer vielleicht ein paar Seifenblasen bei der Vereinshymne.

Das Spiel begann genauso mies wie im The Den, einzig die rote Karte in der 8. Minute sorgte für Aufregung. Die erste Hälfte plätscherte einfach vor sich hin, erst in der 45. Minute wurde man durch das 1:0 der Heimischen aus der Lethargie gerissen. Die zweite Hälfte war dann sichtlich besser und auch spannender. Dem Millwall Ausgleich folgte postwendend die Hammers Führung. Beide Anhängerschaften am Ausrasten, war schon ziemlich gut teilweise die Stimmung. Millwall sang zwar nicht viel, aber hat mich doch wieder positiv überrascht. Wenn dann waren sie ziemlich lautstark (wie auch im Hinspiel). Hammers bei den üblichen 2-3 Chants laut, ansonsten war eher weniger los. Die Pöbeleien zwischen den Gästen und dem Hammersblock im Eck nahmen allerdings zu, angeheizt auch noch die Carlton Cole (normal ein extremer Unsympathler) mit seinem Torjubel Richtung Gästefans. Millwall gelang es selbst in den 5 Minuten Überspielzeit nicht mehr ranzukommen und somit hieß der Sieger West Ham United, was ausgiebig gefeiert wurde (immerhin ist man Tabellenführer).

Da Charlton abgesagt wurde (gefrorener Boden), konnte man noch einige Pöbeleien beobachten, auch ein Böller flog noch in den West Ham Sektor (oder von diesem auf die Security?). Doch wirklich was wildes, wie damals im Pokal, gab es nicht. Für uns ging es nach dem üblichen Souvenirkauf retour Richtung Underground Station, wo die Polizei aber schon alles abgesperrt hatte. Millwall Fans wurde abermals eingekesselt Richtung Station gebracht. Einige Hammers amüsierten sich nun eben mit der Polizei und entledigten dem ansässigen Obsthändler seiner Orangen. Nach einer Weile griff Team Yellow aber durch und ritt mit ihren Pferden mal in die Menge. Bis auf einige wenige Motivierte, welche aber mit einem Tritt in die Eier beruhigt wurden, passierte nichts aufregendes.

Wir machten uns auf Richtung Piccadilly Circus, musste doch wieder einiges für die Daheimgebliebenen besorgt werden. Danach verbrachte man die Zeit ob des beschissenen Wetters im Pub um die Ecke. Da ein Teil erst Montag retour flog und für Sonntag Karten für Derby-Nottingham hatte, wurde ausgiebig die belgische Braukunst genossen (gibts eigentlich ein englisches Bier?), für mich gings aber retour in meine Unterkunft Tasche abholen. Laut Fahrplanauskunft auch kein Problem, doch die Rechnung wird bekanntlich mit den Londoner Transportbetrieben gemacht. Piccadilly waren alle Abgänge bis einen gesperrt, unten natürlich Chaos. Nachdem meine Oyster Card kein Guthaben mehr hatte, wollte ich sie beim Schalter aufladen, vor mir die Personen hatten Glück, bei mir war dann seine Arbeitszeit am Ende und er ging heim. Leute natürlich wild am schimpfen und zu den Automaten gestürzt. In einer übervollen Ubahn gings dann los Richtung Bank, dort leider kein Service der Jubilee Line. Also retour zu Piccadilly und dort nach Waterloo. Dort wurde aber gesagt, dass die Jubilee Line (ebenso wie etliche andere Ubahnen) gar nicht mehr fährt wegen des Schnees (zu dem Zeitpunkt lagen etwa 5 cm Schnee). Man sollte den Bus 188 nehmen (welcher die einzige Möglichkeit war nach North Greenwich zu kommen). Nach einer halben Stunde kam endlich ein Bus, welcher natürlich auch völligst überfüllt war. Bei jeder Station Rangeleien und Versuche doch noch irgendwie reinzukommen (der Bus sollte normal alle 15 Minuten fahren, was aber wohl nur ein Wunsch ist). Dann auch noch einige Überkorrekte, die melden mussten, dass etliche ohne Karte einstiegen. Der Busfahrer nahm es aber locker und meinte “We all want home! I don´t care about the tickets.” Nach 2stündiger Fahrt kam man endlich bei der o2-Arena an. Nun war der schöne Zeitplan sowieso schon über den Haufen geworfen, da in einer Stunde bereits der Bus retour genommen werden müsste. Also mehr oder weniger schnell in die Wohnung retour (natürlich sieht es bei Nacht und Schnee komplett anders aus). Dort dann Anruf vom Gastgeber bekommen, dass sie auch am Weg waren und wir uns noch treffen sollten. Was ich dann aber zu hören bekam, zeigt mal wieder warum die Verkehrsbetriebe derart verhasst sind. Sie fuhren ebenso mit einem überfüllten Bus, als der Fahrer auf einmal stehen blieb und ausstieg. Seine Schicht war zu Ende und er geht jetzt heim schlafen. Unglaublich eigentlich! Doch in diesem Land überrascht kaum mehr etwas. Der Schneefall war länger bekannt, es war zudem immer unter 0 Grad, trotzdem setzt man weiterhin auf Sommerreifen bei den Autos (was sich durch etliche Unfälle bezahlt machte) und verzichtet auf Schneeräumung. Für mich ging es dann trotzdem Richtung Bus, nur sollte der auch nach 45 Minuten warten nicht auftauchen. Also das einzige Taxi weit und breit (kaum jemand fährt nach North Greenwich raus) aufgehalten und mit dem zur Liverpool Street gedüst (mit 24 Pfund war die Fahrt weniger schlimm wie erwartet). Zwischendurch konnte man sich noch mit spärlich bekleideten Mädls unterhalten, auch diese setzen im Winter lieber auf Minikleid und High Heels. Sollte mal bei uns eingeführt werden.

Das einzige was wirklich pünktlich war und funktionierte war der Terravision Bus (Stansted Express übrigens auch gesperrt). So kam man recht zeitig in Stansted an und konnte nach den elendslangen Sicherheitskontrollen (welche ich nie verstehen werde) noch etwas frühstücken. Nach zahlreichen Flugabsagen (Heathrow angeblich dicht gemacht) war man natürlich froh, dass der Flug nach Salzburg scheduled starten sollte. Die Suche nach dem Gate war auch erfolgreich und so hieß es warten. Das man bei Ryanair ruhig zur Abflugzeit erst hinkommen kann dürfte eh bekannt sein. Diesmal rettete es allerdings einem weiteren Salzburger Reisenden wohl auch einiges an Geld. Dieser war zwar pünktlich am Flughafen, fiel aber dann doch wieder ins Land der Träume. 7.20 Abflug, 7.30 aufgewacht. Normal ein Schlamassel doch nicht bei ryanair. Deren final call dauert zum Glück bei 8 Uhr und somit konnte der Flieger leicht erreicht werden. Was sich dann aber abspielte, sorgte bei vielen für Unverständnis. Nachdem man endlich geboardet war, wurden zuerst 50 Personen aufgerufen, die wohl auf den Flug vergessen hatten und dann musste aufs enteisen gewartet werden. Dieses Szenario hatte ich schon einmal in Wien erlebt, daher rechnete man mit etwas Verspätung. Das man allerdings über 3 Stunden im Flieger saß und nicht mehr raus durfte (aus Sicherheitsgründen) und auch nichts zum Essen kaufen durfte (aus Sicherheitsgründen) war ein Witz. Um kurz nach 12 endlich die Erlösung, dass wir bald starten können. Ein Blick beim Fenster raus zeigte mit welcher Arbeitsmoral man auf der Insel vorgeht. Da stehen Einzelpersonen mit einer Schneeschaufel dort und schippen den Schnee. Andererorts wurden mit Traktoren Flugzeugstellplätze geräumt, anstatt die Startbahnen zu säubern. Um 15 (statt um 10) Uhr erreichte man dann gottseidank völlig übermüdet Salzburg.

Bleibt nur anzumerken, dass man niemanden empfiehlt im Winter (dritter Winter mit Schneefall in Folge und man ist noch immer überrascht) auf die Insel zu fliegen. Ryanair zeigte sich hier ebenso als Low-Service-Line wie die Sinnlosigkeit der Flughafenbediensteten in Stansted. Einzig der Taxifahrer von letzter Nacht machte einen positiven Eindruck und traf ein passendes Fazit: “This country will never change!”


Drei Königsausflug

Nachdem wir heuer wieder nicht beim Stier teilnehmen, die Hallen-Landesmeisterschaft erst Ende Jänner startet und auch Testspiele in weiter Ferne sind, wurde die Zeit für einen Ausflug nach Südtirol genutzt. Erhitzte dieses Thema vor ein paar Jahrzehnten noch die Gemüter und man zog in den bewaffneten Kampf gegen die italienische Herrschaft, ist es heute weitestgehend ruhig um diesen schönen Fleck Europa geworden. Doch spätestens wenn man vor Ort ist, merkt man das man zwar in einem anderen Land ist, die Leute allerdings die selben sind.

Doch alles der Reihe nach. Für Donnerstag nachmittag wurde ein schlimmes Schneechaos vorhergesagt und daher startete man in Salzburg bereits um die Mittagszeit. Mit Ausnahme von Salzburg und Bayern war es wettermäßig aber recht gut und so überquerte man flott den Brenner. Erste Station sollte das Eishockeyderby zwischen HC Pustertal und HC Bozen sein. Endlich in Bruneck angekommen, begann es dann plangemäß mit dem Schneefall. Von diesem ließen wir uns und die hunderten italienischen Touristen nicht abkriegen und genossen noch das oder andere Heißgetränk am idyllischen Weihnachtsmarkt.

Bruneck liegt im Pustertal, an der Mündung der Ahr in die Rienz (nach der auch das heimische Bier benannt ist). Es ist die fünftgrößte Stadt Südtirols (15.523 Einwohner, Stand 31.12.2010) und ist den meisten wohl durch den Kapuziner-Wastl bekannt. Weiters beherbergt man mit dem HC Pustertal auch einen Top-Eishockey-Klub in der Stadt. Heute sollte in der alten Halle das Duell gegen die Rivalen aus Bozen stattfinden. Bereits Tage vor dem Spiel war die Halle ausverkauft, was normalerweise eher in den Play Offs der Fall ist. Mangels sportlicher Alternativen (Fußballmäßig gibt es in Südtirol nicht wirklich etwas) sieht man in der ganzen Stadt Hinweise auf die „Wölfe“ (Spitzname des HC Pustertal).

Bereits eine Stunde vor dem Spiel betrat man die alte Halle in Bruneck und staunte nicht schlecht. Herrscht normalerweise in Österreichs Hockeyhallen gähnende Leere, war diese bereits lang vor Anpfiff prall gefüllt. Man fühlte sich etwas in der Zeit zurückversetzt, da die Tribünen vollständig aus Stehplätzen bestanden. Eine Seite der Halle ist offen und nur mit Planen abgedeckt. Insgesamt hatte man eher den Eindruck, wie wenn in eine Scheune eine Eisfläche samt Tribünen transferiert wurde. Auf der Geraden versammelten sich die aktiven Heimfans („Wolves“), welche Trommeln, Fahnen und auch ein Megaphon ihr eigen nennen können. Die Stimmung war die ganze Zeit vorhanden, was wohl auch am guten und preiswerten Glühwein lag. Doch auch die musikalische Untermalung passte gut. Während bei uns versucht wird möglichst alternativ zu wirken, liefen hier neben Onkelz und Ballermannhits auch die Tiroler Landeshymne. Man merkt es auch in der ganzen Stadt, daß man zwar auf die italienischen Touristen angewiesen ist, man selbst aber gar nichts mit denen gemein hat. Im Radio läuft Austro Pop, „I am from Austria“ ist der Top Diskohit, man kann zwar italienisch, spricht aber durchwegs deutsch, irgendwie war es etwas seltsam.

Bei den Bozner Anhängern sah dies alles schon etwas anders aus. Bozen ist zwar die Hauptstadt von Südtirol, der italienische Anteil ist hier aber höher. So zeigten die knapp 100 Mitgereisten auch die il tricolore. Leider war von der früheren Gruppo Mele Marce nichts zu sehen. Diese alte Gruppe wurde aus dem Stadion verdrängt und zeigt sich jetzt nur mehr sporadisch in den Hallen.

Das sportliche Niveau am Eis ist eher unter der österreichischen Liga anzusehen, Spannung war aber geboten. Stimmungsmäßig war es aber überraschend. Teilweise (z.B. bei „chi non salta…“) zog die gesamte Halle mit. Mit etwa 2500 Besuchern war diese ausverkauft, dementsprechend war auch der Lärmpegel. Die Gesänge waren gemischt zwischen italienisch (meist Beschimpfungen) und deutsch. Die Gäste konnten sich nur teilweise bemerkbar machen. Die Atmosphäre machte sich auch am Eis bemerkbar und so entwickelte sich ein kampfbetontes Spiel. Die Pustertaler vergaben viele Chancen, Bozen versemmelte zudem einen Penalty. Mit 1:1 ging es in die Verlängerung, die ein paar Sekunden vor Schluß die Heimischen gewannen.

Tags darauf ging es dann aber zum Fußball, da Eishockey zwar nett ist, der grüne Rasen dann aber doch mehr Reiz aussprüht. Während viele Hopper wohl die Kombi Vicenza und Verona-Modena wählten, entschieden wir uns nur für die Stadt von Romeo und Julia. Auf der Fahrt aus dem tiefverschneiten Pustertal, kam schnell die Frage hoch ob es weiter unten nie schneit. Bereits ab Bozen wurde das weiße Vergnügen immer weniger und in Verona begrüßte uns die Sonne mit angenehmen 10 Grad plus. Schnee war hier maximal in manch Lokalitäten aufzufinden. Das Wetter lud förmlich zu einer Stadtbesichtigung ein und so war die Altstadt völlig überlaufen. Dies machte sich auch bei den Bussen bemerkbar, die in irgendwelchen Intervallen antrabten. So hatte man genügend Zeit beim Warten die verschiedenen Plakate und Aufrufe an den Wänden zu lesen. Fast ausschließlich lud die Casapound zu örtlichen Aktivitäten ein (seien es jetzt Konzerte, Demos oder einfach Pubabende). Bei uns sicherlich undenkbar, dass konservative Gruppen ungestört zu Festen aufrufen dürfen. Auch rund ums Stadion Marcantonio Bentegodi war die, nach dem amerikanischen Schriftsteller Ezrah Pound, benannte Gruppe präsent (ebenso wie die VFS). Durch die Busverspätung und den komplizierten Kartenkauf blieb aber nicht lange Zeit für genauere Betrachtungen. Eintrittskarten gab es beim Stadion, allerdings nicht bei den 4 geöffneten Kassen (die dutzenden alten Schalter waren geschlossen), sondern in Baucontainern auf der anderen Straßenseite. Bei den ersten gab es nur etwas für tesserati, bei den Containern spielte es sich daher ab. 15 Minuten vor Anpfiff standen noch immer hunderte Wartende an um sich auf den Karten ihren Namen raufdrucken zu können. Wie bekannt kommt man in die Kurven nur mit der Tessera del Tifosi rein, so entschied man sich für 22 Euro die Gerade zu beglücken. Direkt mit Anpfiff war man endlich auf seinen Plätzen.

Das Stadion war „gut“ gefüllt, die Curva Sud relativ voll (bei Hellas haben fast alle Ultras die verpönte Karte), die Curva Nord bis auf die etwa 150 Modenesi komplett leer. Hellas überzeugte durch guten Support, während die Gäste statisch herumstanden. Wie der Zufall es so wollte, platzierten sich oberhalb unserer Plätze einige Ultras, welche auch durchgehend für Stimmung sorgten. Auf Grund fehlenden Wissens rund um die Fanszene der Veronesi ist aber schwer wie diese Gruppe/Gruppen heißen. Einzig die von den Länderspielen bekannte Verona Fahne konnte zugeordnet werden.

Modena ging mit 1:0 in Führung, was die mitgereisten Gäste zum Jubeln brachte. Einige liefen auch herüber zum Zaun um sinnfrei zu posen, die angrenzenden Veronesi zeigten sich allerdings wenig beeindruckt. Am Feld vergab Hellas eine Chance nach der anderen, was das Publikum zum Verzweifeln brachte. In der Halbzeit wurden die Plätze Richtung Curva Sud getauscht und siehe da nach kurzer Zeit fielen die Unmengen an Hoppern wieder auf. Bereits beim Kartenkauf machten sie die klassischen deutschen Ultras (mit Windbreaker, Karocap…) ebenso bemerkbar wie die klassischen österreichischen ASB-Schreiberlinge in ihren Chucks und Parkas. Teilweise konnten auch noch die zuvor in Vicenza gekauften rot-weißen Schals ausgemacht werden, rasch überdeckt mit den blau-gelben Hellas Utensilien. Wenn sich in Italien auch viel verändert hat, das Phänomen der ausländischen Hopper wird wohl immer bleiben.

Curva Sud supportete in der zweiten Hälfte weiter wie bisher, auch auf der Haupttribüne konnten weitere Ultrágruppen ausgemacht werden. Scheint so, als ob es in Verona auch keine einheitliche Meinung zur Tessera gibt. Vorwürfe darf man wohl keinen machen, denn im Endeffekt wird sich jeder selbst denken, was besser für sich und seine Gruppe ist. Neben der bekannten Beflaggung der Sud konnte zudem auch eine kleine Ultras Sur Fahne ausgemacht werden.

Als sich bereits jeder mit einer Niederlage abfand, drehte Verona innerhalb von einer Minute das Spiel und gewann mit 2:1. Der Torjubel inklusive dem folgenden „Forza Verona ale“, war einfach genial und zeigt wohl auf wie es früher gewesen sein müsste.

Nach dem Spiel ging es rasch retour Richtung Bahnhof. Falls es hier jemand weniger eilig hat, kann er sich an der Straße vom Stadion zum Bahnhof noch mit den Blackies vergnügen, für die ganze speziell interessierten Reisenden.

Als Fazit kann man ruhig eine Empfehlung abgeben. Sowohl die Stimmung beim Eishockey wie auch bei Hellas war gut, man muss eben die Erwartungen in das Land der magischen Ultras etwas zurückschrauben. Speziell der Kartenkauf beim Fußball ist einfach letztklassig oder auch wieder eigen. Immerhin wurde man bei Verona nicht an irgendwelche schwindligen Bars verwiesen. Kurvenmäßig scheint es auch wieder einen Aufbruch zu geben, zumindest die „großen“ Kurven dürften die Tessera akzeptiert haben und sind nun wieder teilweise in den Stadien präsent. Bleibt aber abzuwarten ob es nach dem ersten kleinen Erfolg (die Kreditkartenfunktion der tessera wurde als rechtswidrig angesehen) einen größeren geben wird und im Land der Ultras wieder Normalität einkehren wird. Für Leute die mit Italien aufgewachsen sind und es so kennen und lieben lernten, wird es wohl bei einer Geldverschwendung bleiben.

Schweden 2010

Sehr geehrter Herr Redakteur, werte Leserschaft. Ich möchte Ihnen im folgenden über meine (Fußball-)Erlebnisse im Land der kötbullar (=Fleischbällchen) und des knäckebröd berichten. Mich verschlug es im Hartmond 2010 in Schwedens Hauptstadt Stockholm. Wie schon einige vor mir faszinierte mich die wunderschöne Landschaft und die berühmte Damenwelt. Doch auch Fußball wird oben, mehr schlecht als recht, gespielt. Sind die Leistungen am Feld eher mittelmäßig, muss man den Einsatz der Anhänger in den Fanblöcken loben. Von den großen 3 Stockholmer Vereinen muss sich garantiert niemand in Österreich verstecken. Doch bevor die Fußballmeisterschaft begann (in Schweden wird im Jahresrythmus gespielt), verweilte ich bei ein paar Eishockey Spielen.
Eishockey zählt neben Fußball und Bandy (man spielt auf Eis Hockey mit einem Ball auf Handballtore) zu den beliebtesten Sportarten. In Stockholm hat jeder große Verein seinen Eishockey Verein. In der höchsten Liga spielt aber nur Djurgården (seit der Saison 2010/11 auch AIK). Diese kamen am Ende auch ins Finale, unterlagen dort aber HV71 aus Jonköping. AIK Hockey war zu meiner Zeit eher ein Stiefkind, die Fußball Supporter boykotierten die Spiele auf Grund der jahrelangen schlechten Leistungen (hat sich nach dem Aufstieg mittlerweile geändert). Interessant ist die Geschichte von Hammarby. Deren Hockeyteam ging vor einer Weile Pleite und wurde dann von den Fans unter dem Namen Bajen Fans IF neugegründet. Das Team fing ganz unten nochmals an und feiert seitdem Seriensiege. Ich sah mir ein Spiel im heimischen Zinkensdamms IP an und das ist echt nur was für Hardcore Fans. Man zahlt keinen Eintritt und steht mit etwa 50 anderen in einer Eishalle ohne jegliche Tribüne. Bei Kaffee und Kuchen kann man den Verein unterstützen, Schlachtrufe gibt’s gelegentlich. Interessanter ist da schon der jährliche stattfindende Bajenkvällen (=Bajenabend), wo man ins Hovet (in dieser Halle spielt normalerweise Djurgården seine Eishockey-Spiele) übersiedelt. Hierfür wird ordentlich mobilisiert, mit 50 SEK ist man dabei und man erlebt echt eine ordentliche Atmosphäre. Hinter dem klacken (=Fanblock) haben die Ultrágruppen ihre Stände und man kann sich mit Material eindecken, den ganzen Abend hört man nur Vereinssongs und die obligaten Spendenkübel dürfen nicht fehlen. Eigentlich ganz nett, doch die Vereinsfarben stören dann schon gewaltig.
Doch nun genug vom Eishockey, kommen wir endlich zum Fußball.

AIK Solna – IFK Göteborg 1:0 (06.03.2010)
Zufällig las ich von diesem Spiel in der Metro (ähnlich der “Heute”). Das Råsunda-Stadion war von meinem Wohnort bequem mit dem Pendeltåg (=Regionalzug/commuter train) erreichbar. Von der Station Solna (fälschlicherweise bezeichnet man AIK oftmals als AIK Stockholm, Solna ist aber eine eigene Stadt. Auf Grund des Bevölkerungszuwachses wuchsen die beiden Städte aber zusammen) ist es ein etwa 10 Minuten langer Fußweg. Die Faulen können auch mit der tunelbana (=U-Bahn) nach Solna Centrum fahren und sind gleich dort. Wie bei uns bildet auch in Schweden der Supercup den Saisonauftakt. Die Karten waren reduziert, trotzdem wählte ich die günstigste Karte für den AIK Fanblock. Rund ums Stadion sah man nur spärlich Anhänger, auch drinnen herrschte gähnende Leere. Als dann beim Einlauf die wenigen Anhänger (dürften in etwa 1500 Zuschauer gewesen sein) lautstark „SvFF fotbollsmördare“ skandierten, konnte man sich denken was los war. Wie auch bei uns interessiert der Supercup keine Sau. Unter aller Sau war auch der Kick auf dem Feld. Das Niveau war bei uns höchstens Regionalliga. Ich war richtig schockiert, da hier immerhin die 2 besten Teams der vergangenen Saison aufliefen. Ganz ordentlich dagegen die Anhänger im Heimblock. Angeführt von den Ultras Nord wurde durchgehend gesungen (oftmals allerdings nur von 50 Leuten). Nachdem ich beim Hockey von Leute von DIF und Hammarby traf, war auch hier das Bild gleich. Die Ultràgruppen bestehen in Schweden hauptsächlich aus Jugendlichen (16-20 Jahre). Ich hielt das immer für ein deutsches Phänomen, doch es dürfte doch verbreiteter sein. Aus Göteborg war ein Bus anwesend, diese vielen aber kaum auf. AIK gewann durch einen glücklichen Treffer mit 1:0 und nach 90 Minuten war ich froh aus diesem Eiskasten wegzukommen.

AIK Solna – Mjällby AIF 0:0 (14.03.2010)
Bereits eine Woche später ging es wieder ins Råsunda, diesmal zum Meisterschaftsauftakt. Nachdem man im Internet von der angekündigten Meisterbegrüßung las, ging es schon zeitlich rauf in den Norden. Rund ums Råsunda hatten sich dann auch einige tausend Gnaget (=Spitzname der Gelb-Schwarzen, etwa: Nager) versammelt. Als die Mannschaft dann mit ihrem Bus ankam, brannte ein ordentliches Feuerwerk ab. Neben Bengalen und Rauch wurden auch Raketen gezündet und lautstark gesungen. Es war das genaue Gegenteil zum Supercup Spiel, und brachte mir ordentlich Heimweh ein. Wie gern würde ich auch meine Austria einmal so begrüßen. Nachdem zum Anpfiff noch etwas Zeit war, gings in ein angrenzendes Pub um mal ein gutes Spendrubs zu trinken. Für günstige 70SEK für 0,4l war man dabei. Im Pub jede Menge älteres Publikum (in Schweden stehen überall Securities davor und kontrollieren Ausweise, in viele Lokale kommt man erst ab 21 Jahren rein). Bereits am Kleidungsstil merkte man die Einflüsse der britischen Insel. Während man bei uns im Trikot und fünf Schals rumläuft, trägt der normale Fan hier Klamotten von der italienischen Sportswear Company. Eines hat man aber gleich und das ist die Liebe zum Gamblen. In Wien die Volkssportart Nummer eins („Book of Ra, ich mach 400 klar!“), versuchen sich auch hier etliche den Stadionbesuch zu finanzieren.
Im Stadion gings für mich diesmal neben den Gästesektor, um einen Blick auf die Heimkurve zu bekommen. Diesmal kamen 17 111 Zuschauer und sahen eine nette Choreo im ganzen Stadion. Die Heimtribüne zeigte auf Folien den Pokal und die Meisterschaft garniert mit Zetteln inkl. Wellenmuster. Die Gästeanhänger präsentierten nur schwarz-gelbe Fahnen. Während das Spiel ähnlich schwach war, war die Stimmung um Welten besser. Teilweise zog die ganze Heimtribüne mit bei den Gesängen. Speziell die Hüpfeinlagen wussten zu gefallen. Nach dem Schlußpfiff fuhr ich diesmal wesentlich zufriedener heimwärts.

Djurgårdens IF – IF Brommapojkarna 0:0 (02.05.2010)
Nach zweimal AIK gings diesmal endlich zu zwei richtigen Stadtvereinen. An diesem saukalten Dienstag Abend wagte ich den 5 minütigen Spaziergang von der Kungliga Tekniska Högskolan (kurz KTH, meine Gastuniversität) rüber zum Olympiastadion. Dieses Stadion ist kurz gesagt einfach nur geil. Bereits die niedrigen Zäune erinnern an Zeiten, wo Kommerzialisierung noch ein Fremdwort war. Es wurde 1920 für die olympischen Spiele errichtet und hat wie jeder Olympiastadion ein großes Marathontor. Von außen besteht es aus den landestypischen Backsteinen und hat 2 große Glocken-/Uhrtürme. Innen drin besteht fast alles aus Holz, anstatt Plastikstühlen nimmt man auf Holzbänken Platz. Doch leider werden so Stadien nicht ewig bestehen und DIF plant bereits eine Arena in der Nähe der jetzigen Stätte zu errichten.
Mit Brommapojkarna war diesmal ein zweiter Stockholmer Club zu Gast. Er stammt aus dem Westen der Stadt, ist allerdings wenig populär und hat daher kaum eine Anhängerschaft. Ich gesellte mich diesmal in die Heimkurve zu den dortigen Ultràgruppen (Fabriken 2005 und Ultrà Caos Stockholm 2003). Diese präsentierten zu Beginn große Doppelhalter und dahinter Zettel in den Vereinsfarben. Leider konnte ich nicht erkennen was es darstellen sollte. Stimmung war dann auch ganz ordentlich, teilweise gab es Wechselgesänge mit der anderen Seite. Allerdings war man sich nicht immer einig. Mit Sharbel Touma war ein Spieler am Feld der ordentlich polarisierte. Der geborene Libanese spielte 5 Jahre lang für DIF und versprach in Schweden nur für die Järnkaminerna (Spitzname von DIF) aufzulaufen. 2000 folgte er allerdings dem Ruf des Geldes und wechselte zum Hassgegner AIK. Nach einigen Stationen im Ausland kam er 2010 wieder zurück zu DIF. Während ein Teil ihn als Heimkehrer feierte, war vor allem der harte Kern wenig erfreut über ihn. Bei jeder Ballberührung gab es Pfiffe und Beleidigungen gegen ihn („Sharbel Touma, en hora, en hora!“).
Das Spiel selber war wieder mal zum Vergessen. Ein weiteres 0:0. Man konnte nur auf Besserung hoffen.

IFK Göteborg – IF Elfsborg 5:1 (18.04.2010)
Im Zuge eines Ausfluges an die Westküste nach Göteborg, konnte ich vom dort ansässigen IFK auch ein Spiel besuchen. Göteborg ist die zweitgrößte Stadt und die Rivalität zu den Stockholmer Vereinen ist sehr groß. Touristen kann man beide empfehlen, Göteborg hat neben dem Hafen auch das Volvo Werk stationiert. Vor Beginn des Spiels (Karten hatte ich diesmal aus Kostengründen für den Gästesektor, waren aber auch immerhin 230 SEK zu berappen) besuchte ich noch das Ullevi Stadion, welche viele wohl noch von älteren FIFA Spielen kennen werden. Heute wird es nur mehr selten genutzt, da es einfach zu groß ist (43200 und damit das größte Stadion Schwedens). Anstatt IFK kann man Monster Trucks und die Pink bestaunen. IFK spielt im Gamla Ullevi (=Altes Ullevi). Der Name täuscht etwas, da das alte Stadion abgerissen wurde und hier 2009 ein neues mit altem Namen entstand. Dies ist nun die Heimstätte für IFK, GAIS (der Zeckenverein Nummer 1) und Örgryte.
Das Stadion drinnen sehr gut gefüllt. Ich stand direkt gegenüber von der Heimtribüne (Ultras, Supras…). In einem Eck auf der Gegenseite befand sich ein zweiter Anhängerblock, welche hauptsächlich durch Pöbeleien auffielen. Ein Intro seitens der Heimfans gab es keine, da diese gegen die TV-diktierten Anstoßzeiten protestierten (es ist immer am Sonntag um 12.30 Uhr das Livematch). Elfsborg (falls einige deren Herkunftsstadt suchen: die sind aus Borås) zeigte eine schwarz-gelbe (wohl die Standardfarben hier oben) Zettelchoreo. Stimmung war bei den Gästen ganz ordentlich, die Heimfans streikten zu Beginn wurden dann aber doch ab und zu ganz laut (die Hymne inkl. der Schalparade vor Spielbeginn war sehenswert).
Nach 3 Spielen mit gerade einmal einem Tor kam heute endlich einmal der Fußballfan auf seine Kosten. Elfsborg ging rasch mit 1:0 in Führung, verlor aber nach der roten Karte gegen ihren Schlußmann den Faden. IFK drückte aufs Gas und schoss die Gäste mit 5:1 ab.
Nach dem Spiel ging es ruhig aus dem Gästeblock, nur 2 besoffene Heimische probierten sich im Posen und wurden auf dem schnellsten Weg von der Polizei entfernt. Wie so vieles ist wohl auch Fußball hier vom Wetter abhängig. Während der Wintermonate sieht man kaum jemanden auf der Straße, sobald die Sonne rauskommt ist alles voll mit sonnensüchtigen Schweden. Dies ist auch die schönere Zeit für männliche Touristen zum Gaffen.

AIK Solna – Djurgården IF 1:2 (02.05.2010)
Gaffer kamen dann am ersten Mai-Wochenende zu Besuch. Während man sich am Vortag bei den LG Games im Globen (größte sphärische Gebäude der Welt, ist eine riesige Kugel, wo neben Hockeygames auch Konzerte stattfinden) Schweden-Russland reinzog. Wie überall marschierten auch hier am 1. Mai Arbeitsscheue mit ihren roten Fahnen durch die Stadt. Man wird sie also nirgends los ;)
Wie bereits das IFK Spiel, war auch das Stockholmer Derby für Sonntag 12.30 Uhr angesetzt. Wie wir heute dank den Tiroler Funktionären wissen, sind Austrianer ständig besoffen bei den Spielen. Dieses Klischee musste natürlich bestätigt werden und so gab es zum Frühstück feinsten Jägermeister. Die Sektion West-Ungarn ließ sich das aber nochmal durch den Kopf gehen und verewigte sich bereits um 10 Uhr vormittags vorm Hostel. Ein Teil der Reisegruppe zog es vor, Mittag essen zu gehen und danach rauszufahren. Der andere zog es vor zum Treffpunkt der Ultras von DIF zu fahren. Mit bekannten Fabriken traf man sich in einem Park. Schon am Weg hin, fiel die massive Polizeipräsenz auf. Gerade eben ein Bier geholt, kamen auch schon die ersten Zivilen herüber und wollten die Ausweise sehen. Von uns wollte man die Herkunft und das Ziel der Reise wissen. Ob man mit der Antwort „aus Hitlerland“ und „zur Besichtigung von Kellern!“ zufrieden war, ist eine andere Frage. Polizei kontrollierte wohl auf Grund der Altersgrenze für Alkohol und auf Suchtmittel (wird man schnell feststellen, dass wegen der hohen Preise für Alkohol auf anderes umgestiegen wird. Touristen wird hier Kopenhagen empfohlen, von wo der Großteil der Schweden das ganze Jahr für winterliche Verhältnisse sorgt). Wir fuhren dann im Linienbus wieder raus nach Solna. Polizei natürlich mit an Bord. Hauptsächlich wurde hier aber nur wegen Bierflaschen kontrolliert (in öffentlichen Verkehrsmitteln ist der Konsum von Alkohol verboten).
Vor dem Stadion herrschte dann Derbyatmosphäre. Fast jeder lief in Vereinsfarben herum, selbst Sneaker kann man mit dem Vereinsemblem kaufen. Wir hatten unsere Karten für die Gästetribüne. Diese verzichtete aufgrund der beschissenen Anstoßzeit auf ein Intro und präsentierte nur ein Protestspruchband. AIK zeigte sich heute südamerikanisch und spannte Bänder vom Oberrang runter und zündelte brav. Stimmungsmäßig dagegen beide Blöcke am Einheizen. Ich kann Djurgården jetzt nicht so bewerten, aber es wurde durchgehend von fast allen gesungen. AIK sah man hauptsächlich am Herumhüpfen (aber auch hier die gesamte Tribüne).
Am Feld bestätigte sich mein Eindruck vom letzten Spiel und mit dem Wetter wurden auch die Leistungen besser. Ein rassiges Spiel mit einem schnellen Tor von AIK. Das Stadion jubelte und aus dem Gästesektor wurde eine Rakete in den Nebensektor geschossen. Wie vielleicht bekannt nehmen die Firman Boys (wohl die legendärste Hooligangruppe Schwedens) auf der Geraden Platz. Von dort liefen einige zum Zaun, was sich auch die Gäste nicht bitten ließen und so liefen auch DFG (=Djurgården Fina Grabbar) zum Zaun. Mehr wie Posen war dann allerdings nicht. Videoüberwachung und strenges Ordnerpersonal sei Dank. Videoüberwachung gibt es an sehr vielen öffentlichen Plätzen, Schweden ist zudem ein sehr strenges Land. Besoffen auf der Straße rumlaufen, kann schon einmal zu einer Nacht hinter schwedischen Gardinen führen (vermutlich will man diese Erfindung auch nur wirksam präsentieren). Auseinandersetzungen zwischen Fangruppen finden daher meist in der wunderschönen Waldlandschaft statt, zahlenmäßig oftmals mit 100+.
Vor der Pause erzielte DIF den Ausgleich und ließ die rund 2000 Gäste jubeln (gesamt waren 21 181 Besucher). Die zweite Hälfte war dann hartumkämpft und in der 72. Spielminute brachte Johan Oremo die Gästefans zur Ekstase. Ein genialer Torjubel war die Folge und die Stimmung war im Anschluss sensationell. In den letzten Minuten saßen viele bereits am Zaun und feierten nur mehr den Derbysieg. Die Mannschaft kam artig zum Bedanken, ein Violetter wollte sich diese genauer anschauen, wurde aber vom Feld hinausbegleitet. Choreographisch war es sicher nicht das beste Derby, doch die Emotionen waren unbezahlbar.

Assyriska FF Södertälje- Hammarby IF 0:3 (04.05.2010)
Nachdem ich die Erstligisten durch hatte, musste auch endlich einmal der grün-weiße Traditionsverein heimgesucht werden. Hierfür ging es in 30-Minuten entfernte Södertälje. Diese Stadt hat eigentlich wenig zu bieten, außer eine hohe Rate an Halalfleich-Verkäufern und orientalischen Supermärkten und ist zudem die Heimatstadt von Tennis-Legende Björn Borg. Udo Ulfkotte erwähnt die Stadt zudem in seinem Buch „SOS Abendland“, da hier ein nicht gerade geringer Teil Kulturbereicherer wohnt. So kommt es auch, dass gleich 2 syrische Vereine in dieser Stadt bestehen. Das Derby zwischen Assyriska und Syrianska konnte ich leider nicht besuchen, soll aber durchaus spannend anzusehen sein. Ich sah beide Vereine gegen Hammarby, sind sich aber ziemlich ähnlich.
Von der Pendeltåg Station kommt man mit Linienbussen (übrigens gilt auch hier die SL Karte) zum Stadion. Außer einem Einkaufszentrum ist dort weit und breit nichts. Das Stadion selber ist allerdings ganz ordentlich. Eine große Haupttribüne und an den anderen Seiten Stahlrohr. Der Heimbereich ist auf der großen Haupttribüne. Hier fühlte ich mich ohne Jogginghose und Ölaugen etwas unwohl, aber der erste Eindruck täuschte. Nachdem ich mir einen Kebapspieß (frisch vom Grill unter der Tribüne, der Geruch ist daher allgegenwärtig) reinwarf, konnte das Spiel beginnen. Die Heimischen spannten eine große Blockfahne über die Tribüne und schwenkten am Feld ihre großen Fahnen.
Hammarby füllte den Sektor hinter dem Tor und zum Teil auch die Gegentribüne. Der Support von Ihnen erinnerte sehr an Rapid, zu denen es auch eine Fanfreundschaft gibt (HU93 mit AG). Langanhaltende melodische Lieder mit fleißigem Fahneneinsatz.
Am Feld führte der Absteiger des Vorjahres die Heimischen vor und gewann locker mit 3:0. Während die Fans noch feierten marschierte die Polizei schon auf. Mittels Pferden versuchte man die Lage zu kontrollieren. Auch hier sah man wieder wie strikt die Ordnungskräfte hier oben sind. Sämtliche Anhänger aus Stockholm wurden in die Linienbusse gequetschte und dann unter Polizeibegleitung aus der Stadt gebracht. Die Busse fuhren bis nach Östertälje zur Pendeltåg Station.

Djurgårdens IF – Gefle IF 1:1 (22.05.2010)
An diesem Wochenende fanden die letzten Spiele der Hinrunde in der Allsvenska statt (auf Grund der Weltmeisterschaftspause). DIF hatte zu diesem Heimspiel einen Treffpunkt im Humlegården ausgerufen um von dort gemeinsam zum Stadion zu ziehen. Ein paar hundert werden es schon gewesen sein, die bei exzellentem Wetter in das alte Olympiastadion marschierten. Karten besorgte ich mir diesmal neben dem Gästesektor in der prallen Sonne. Djurgården zeigte abermals eine Zettelchoreographie in den Vereinsfarben, Gefle konterte mit Bierwampen. Die Stimmung bei den Heimischen war ganz ordentlich, man merkte aber, dass es diesmal um nichts ging. Die Gäste beschränkten sich auf den Bierkonsum und trommelten ab und an mal ein wenig herum.
Nach dem Spiel ging es noch kurz mit einigen Heimfans in ein Pub auf ein Saisonabschlussbier (zumindest für mich, da es mein letztes DIF Spiel war). Dort war alles buntgemischt, von Raufern über Normalos, aber alle gemeinsam am Singen.

Hammarby IF – Trelleborg FF 3:1 (03.06.2010)
Bevor es heimging musste ich aber dann doch noch einmal bei Hammarby daheim vorbeischauen. Ein paar Tage vorher gegen Väsby machte ich mir bereits ein erstes Bild, diesmal wollte ich den Fanblock genauer betrachten. Hammarby besitzt mit den Hammarby Ultras 1993 die älteste Ultràgruppe des Landes. Daneben hat sie mit den Ultrà Boys und den Söder Bröder weitere bekannte Vertreter. Mein Eindruck war, dass die Söder Bröder hauptsächlich den Ton angeben, die Ultrà Boys standen etwas abseits und blieben eher unter sich. Stimmung wie schon erwähnt, erinnert sehr an Rapid, soll aber nichts schlechtes heißen. Zum Spiel gibt es nicht so viel zu sagen, ein verdienter Sieg der Heimmannschaft.
Ich will zum Abschluss lieber noch ein paar Worte zur kulinarischen Situation abgeben. Schweden ist nicht gerade berühmt für sein Essen (abgesehen von den kötbullar beim Ikea). In den Stadien bekommt man eigentlich nur Hot Dogs (oder Kepab bei den Murln in Södertälje). Diese sind leider nur gekochte Frankfurter in einem letschaten Brötchen, man kann sie allerdings selber mit Ketchup und Senf sowie gerösteten lök (=Zwiebel) garnieren. Wer es sich verkneifen kann, sollte aber lieber das Fast Food in der Stadt probieren. Burgerläden gibt’s überall (verzichtet auf Burger King und McDoof, die skandinavische Variante MAX ist um einiges besser), ganz interessant sind allerdings Tunnbrödsrulla. Dabei handelt es sich um eine Art Fladenbrot (wie man es von der österreichischen Spezialität Dürüm kennt) gefüllt mit diversesten Sachen. Hauptsächlich findet man drinnen Kartoffelpüree, Salat und dann kann man wählen zwischen Fischstäbchen, Würsteln oder ähnliches. Es ist zumindest ähnlich interessant wie die Brötchen mit Pommes in Brüssel.
Fußballinteressierte zieht es wohl eher weniger nach Schweden, kann es aber jedem nur empfehlen. Zumindest ein Derby ist sehenswert. Die Begeisterung welche seitens der Fans an den Tag gelegt wird, vermisst hierzulande des Öfteren. Gerade in Sachen Ultràszenen, wo immer mehr aussterben, gibt es oben junge Gruppen, die speziell in Sachen Choreographien ganz weit vorne mitspielen. Der letztjährige Meister Malmö FF hat derzeit die größten Intros, fertigt alle Fahnen aus Stoff und hat letzte Saison über 50 000 Euro für seine Choreographien ausgegeben. Finanziert wird oben alles von den Fans, je näher man zu den Fanblöcken kommt, desto lauter wird man das scheppern der Sammeleimer hören. Es gab keine Kurve, die nicht für anstehende Choreographien abgesammelt hat. Auch wenn sie heute noch nicht zur Elite zählen, sollte man dieses Land nicht außer Acht lassen. Da ist noch jede Menge Potential vorhanden.

Mit freundlichen Grüßen,
Franz Weinpolter, Wien

Ukraine – Österreich 2:1

Nachdem man eigentlich aufs Nationalteam verzichten wollte, waren die Überredungskünste doch erfolgreicher. Mit Marcel Koller ein neuer Trainer, der frischen Wind bringen soll, und zudem eine EM-Stadioneröffnung waren Motivatoren. Anreise sollte wie immer so günstig wie möglich sein, daher zog ein Direktflug den kürzeren. Einige flogen von München ab was preislich im Rahmen blieb, aber für etliche aus Zeitgründen nicht machbar war. Zug ist von Wien umständlich und zeitaufwendig, da an der ukrainischen Grenze die Spur gewechselt werden muss. Blieb also nur die Anreise mit dem Mietauto. Nach längerem Hin- und Her (ja, ein Reisepass wird für eine Auslandsreise schon benötigt) fanden sich Montag nacht 8 Violette in Österreichs Osten ein um mittels Neunsitzer die etwa 900 km zurückzulegen. Bis auf einen Verfahrer in Budapest und dann vor der Grenze, der uns eine Stunde kostete aber doch einige Schönheiten hatte (csókolni a kezét!), war man in der früh an der ukrainischen Grenze. Im Internet wurde vor der Einreise mit einem Mietauto gewarnt, da dies Probleme mit sich bringen würde (was auch anderen Österreichern passierte und sie mit dem Zug weiter mussten). Man benötigt eine notarielle Beglaubigung in deutsch und russisch, dass man berechtigt ist, diesen Wagen zu lenken (sofern man nicht der Eigentümer ist). Da dies ein Kostenfaktor gewesen wäre, verzichtete man darauf und hatte nur den Mietvertrag mit. Dürfte auch genug gewesen sein und die Einreise dauerte nur etwa 20 Minuten. Erwähnenswert sicherlich die typisch sowjetische Vorgehensweise. Position A kontrolliert Reisepässe und die dazugehörenden Personen, Position B kontrolliert Reisepässe, Fahrzeugschein und Personen, zusätzlich ein Blick in den Innenraum wegen Schmuggelware. Zusätzlich erhält man den den Passierschein ZY. Diesen kontrolliert Position C und gibt den Weg frei auf die holprige Landstraße.

Wie es für Oldschool Supporter üblich ist, wurde auf ein Navigationsgerät verzichtet. So deckte man sich bei der ersten Tankstelle mit einer kyrillischen Landkarte ein, welche trotz fehlender Kenntnisse kein Problem war. Nachdem in Ungarn Fahrer Louis Hamilton nur von einem Wagen überholt wurde, musste man beim Weg durch die Ostkarpaten runter vom Gas gehen. Neben etlichen LKWs sorgten Schlaglöcher und Kurven für eine geringere Durchschnittsgeschwindigkeit. Die Landschaft ist im Frühling sicher sehenswert, in der kalten Jahreszeit wirkt sie einfach nur trist. Am Wegesrand standen immer wieder Einheimische, die eine Mitfahrgelegenheit suchten (sofern sie nicht gleich zu Fuß gingen oder mittels Pferdekutsche fuhren). Zudem konnte man alles mögliche an selbstgebastelten und -gebrannten erwerben. Etwa 1 Stunde vor Lemberg war dann Wintereinbruch und man durfte die erste Schneeballschlacht des Jahres veranstalten. Es ging aber doch besser wie erwartet voran und nach 12 Stunden erreichte man das EM-Stadion. Von weitem sieht man das Teil bereits, befindet es sich doch gleich neben dem “Highway”. Schwieriger war dann aber die richtige Zufahrt zu finden, da diese einfach noch nicht existiert. Die offizielle Zufahrt wurde durch Baufahrzeuge versperrt, bei der zweiten Richtung Parkplatz war man erfolgreicher und die postierten Soldaten machten den Weg frei. Rund ums Stadion wurde fleißig gearbeitet, hieß es doch die Pflastersteine zu verlegen und die Drehkreuze einzubauen. Der Parkplatz selber über die obere Tragschicht noch nicht hinausgekommen und so standen die Kanalschächte noch 10 cm raus. Beim Stadionbesichtigen interessierte sich keiner für uns, selbst am Feld wurde man für Arbeiter gehalten. Einzig in den VIP Club durften wir dann doch nicht. Eintrittskarten waren natürlich Fehlanzeige und so fuhr man doch erst einmal ins Hotel.

Dieses erwies sich als Glücksgriff. Zwar etwas abseits aber sauber, preiswert und 24h Restaurant sprachen für sich. Mittels Taxi dann rein in die Stadt, treffen mit der Vorhut und gleich mal Futter ausfassen. Trotz bester Lage des Lokals (im Opernhaus) fand man kaum eine Speise über 5 Euro. Neben dem Preis muss man auch die Qualität und die Optik loben. Ukraine dürfte wahrlich noch ein Land sein, wo man etwas für sein Geld bekommt. Einzig bei den Eintrittskarten war man nicht so human und so durfte man 200 UAE (etwa 20 Euro) ablegen. Bei der ersten Stadionbesichtigung war schon ersichtlich, dass es neben der Fertigstellung auch an öffentlichen Verkehrsmitteln mangelte. So durfte man abermals ein Taxi ordern und für 15 Euro ging es im 14-Sitzer die halbe Stunde raus zum Stadion. Vor der Öffnung der Tore bereits angekommen und somit die ersten im Gästesektor erklärte sich auch die Zaunbeflaggung (welche nahezu nur aus violetten Vertretern bestand: Oed/Zeillern, Lunatics, TGS, UU sowie Rotlichtboys AC-Lockenhaus-AB und Asparn/Z.).

Während sich das Stadion schleppend füllte, wurde die Hilti noch ausgepackt und die Sektorenbezeichnung montiert. Das Stadion selber ist innen zwar sehr geil, steile Tribünen und überdacht, doch würde sich ATV für ihre Sendung “Pfusch am Bau” darüber freuen. Das die Kartenscanner nicht funktionierten, war egal, doch vereiste Treppen bei einem Neubau sind nicht gerade ein Qualitätsmerkmal. Auf den Toiletten wurden noch schnell Seifenspender montiert, welche nicht betätigbar sind. Fliesen konnte man noch bewegen, da der Kleber noch nicht trocken war. Die Eckleisten flogen sowieso schon beim Anschauen wieder runter. Mitten im Sektor war auch noch ein Loch für die Entwässerung offen, direkt darunter waren Sitzplätze der Ukrainer. Das Strom mit Verlängerungskabel quer durch Stadion verlegt wurde und man jederzeit damit hantieren konnte, muss man zur Kenntnis nehmen. Dafür herrscht Rauchverbot im Stadion und auch das Buffet war in Ordnung. Kaffee 1,50 sowie 0,5l Cola (in der PET-Flasche) für 1,50 sind in Ordnung.

Zum Anpfiff war das Stadion dann, mit Ausnahme des Gästebereiches, voll. Hinter dem gegenüberliegenden Tor machte sich der Supporterblock breit. War doch überraschend wieviele da mitmachen und auch die Pyrotechnikeinlagen wussten zu gefallen. Laut wurde es einige Male im ganzen Stadion (v.a. wie Sheva eingewechselt wurde). Die etwa 50 Österreicher konnten kaum was ausrichten. Dafür überzeugten doch einige wieder mit buntgemalten Gesichtern und rot-weiß-roten Irokesenperücken. Für Begeisterungsschwünge der Einheimischen reichte es aber nicht, Tanzanimation und aufblasbare Klatschstäbe sind doch eher ihres. Alles in allem wars aber doch eine sehr ordentliche Stimmung im Stadion.

Ordentlich war auch der Auftritt der Rot-Weiß-Roten am Platz. Speziell in der zweiten Hälfte hatte man mehr Chancen auf den Sieg, mit Ausnahmen von Arnautovic traf man aber nichts. Im Gegenzug fing man sich 2 sinnlose Tore ein. Rein taktisch merkt man schon eine Verbesserung durch Trainer Koller (einzig Pferdefresse Janko sollte doch eher in Holland bleiben). Dafür müssen einige noch vom hohen Ross runterkommen. Wenn ein Fuchs zum Affen wird, ist dies noch halbwegs lustig, abfällige Handbewegungen und Verschwinden eines Pogatetz dafür weniger. Ein Positivbeispiel ist hier allerdings der verschrieene Arnautovic.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel und es ging wieder das gewohnte Chaos los. Taxis konnten nicht zum Stadion zufahren und so blieb einem nichts anderes übrig, als im Schneegestöber heimzumarschieren. Man fühlte sich teilweise ein paar Jahrzehnte zurückversetzt. Nach fast 2 Stunden konnte ein ukrainischer Nachwuchsrennpilot gefunden werden, der uns flott aber sicher ins Hotel retour brachte. Während ein Teil noch einheimische Spezialitäten verkostete, träumten andere bereits von Saxophonkonzerten (welches aber beim Traum blieb).

Frühmorgens ging es nach einem typischen Frühstück (Würstel, Fleischlaberl, Fleisch mit Gemüse/Pilze, div. andere mehr oder weniger definierbare Dinge) retour Richtung Heimat. Anfangs noch Nebel und Schnee wurde es immer schöner und die brachte die Karpaten in ein schönes Herbstlicht. Geblendet von dieser dürfte auch ein Struppi gewesen sein, machte er doch rasch Bekanntschaft mit französischer Qualitätsarbeit. Überraschenderweise ging der Sieg an die Franzosen. Zur Feier gabs feinsten ukrainischen Wodka.

An der Grenze wars diesmal zeitintensiver. Während die Ukrainer in gewohnter Manier (ohne Passierschein heißts “go back” und Formular holen) arbeiteten, verzichteten die Ungarn auf diese und machten lieber Mittagspause. Schranken unten und abwarten bis das Gulasch verspeist war. Die eigentliche Kontrolle dauerte zwar nur 5 Minuten, doch verlor man schnell 1 1/2 Stunden. Folglich wurde abermals Hamilton hinters Steuer verfrachtet, der in Rekordzeit die ungarische Hauptstadt erreichte. Da blieben bei anderen Fangruppen die erworbenen ungarischen Zwiebel stecken.

Fazit: Ukraine sicherlich eine Reise wert, wegen einem Tag aber anstrengend. Preislich unter 150 Euro geblieben (Busmiete, Sprit, Hotel, Essen, Eintritt…). Why haven´t I told you!

Millwall FC – West Ham United 0:0 (17.09.2011)

Kaum ein Spiel erlangte in den letzten Jahren mehr Bekanntheit wie dieses, gab es doch diesen Hollywood-Schinken in dem Frodo Beutlin einen Firmenmanager mimte. Vor zwei Jahren war es das erste mal nach längerer Zeit soweit und tags darauf war für Schlagzeilen gesorgt. In und ums Stadion gab es Aufeinandertreffen, die Hammers stürmten mehrmals das Feld, sportlich ein richtiger Pokalknüller. Wie es das Schicksal nun so will, stieg West Ham nach einer schwachen Saison aus der Premier League ab und teilt sich jetzt die Klasse mit dem südlichen Rivalen.

Die Auslosung bestimmte jenen Tag im September, die Vorbereitungen wurden aber bereits Wochen zuvor getroffen. Aus Sicherheitsgründen durften nur Millwall Mitglieder Karten erwerben, was wohl die Mitgliederzahlen ordentlich in die Höhe geschraubt hat. Karten gab es nur an einem bestimmten Tag und nur ein Stück pro Person. Im Endeffekt gab es bis 3 Tage vor Spielbeginn Tickets, erst dann war es ausverkauft. Für die West Ham Seite kam man nur an Karten wenn man Saisonkarteninhaber und eine gewisse Anzahl an Auswärtsspielen hatte, also keine Chance für Hopper. Jetzt noch einen günstigen Flug organisieren, was dank des irischen Flugunternehmens kein Problem ist, der Komfort aber von Mal zu Mal schlechter wird. Also ab nach London.

London ist bekanntlich immer eine Reise wert, für Fußballinteressierte gibts immer etwas zu sehen (bei einer Vielzahl an Profi- und Amateurvereinen), die Kultur kann man mit den zahlreichen Sehenswürdigkeiten und Musicals abdecken oder einfach Anteile bei den Firmen “Lonsdale” und “Everlast” kaufen. Was man allerdings nicht fand, war ein offenes Pub am Spieltag. Rund um “London Bridge” war alles dicht, also gleich Richtung Stadion gefahren. Dort fand man genau ein offenes Beisl, vor dem sich etwa 300 Millwall Supporter tummelten. Stimmung ausgelassen und für einen Salzburger doch ein eher seltenes Bild. Der Großteil der Anhänger hatte die 30 längst überschritten, zahlreiche Narben (dürfte auf der Insel wohl Standard sein) zeugten zu dem von einem erfüllten Leben. Die Polizei hielt sich zurück, kümmerte sich wohl eher um die Gästeanhänger, denn von diesen konnte man nicht einmal irgendwen sehen.

Nachdem nichts Weltbewegendes mehr stattfand, rein ins Stadion. Der ein oder andere Salzburger hätte hier sicher seine Probleme und würde im Drehkreuz stecken bleiben. Abgetastet wurde man heute auch, aber kein Vergleich zu einem Austria Heimspiel. Karten hatte man direkt bei der Mittelauflage ergattert, als Nachbarn neben Hoppern durchwegs älteres Publikum und deren Söhne. Mit Spielbeginn merkte man dann, was viele am englischen Fußball so lieben. Bei jeder Kleinigkeit hüpften diese Herren auf, schimpften aufs tiefste Referee oder Gegner und setzten sich dann wieder seelenruhig neben ihre Kleinen. Es ist zwar einerseits langweilig, wenn das Spiel nichts hergibt und somit Stille im Stadion herrscht, andererseits hat dieser spielbezogene Support schon etwas sehr Feines.

Sportlich war es halt Championship. Beide Teams scheiterten vorm Tor kläglichst, viele Pässe gingen ins Leere. Man meinte sogar die Austria könnte mit dem Niveau mithalten (Anm.: was sich dann aber nach späteren Kurznachrichten aus der myphone Arena als schwachsinnig rausstellte). Interessanter war fürs erste daher wieder der Blick auf die Tribünen. West Ham bekam den oberen Rang der Hintertortribüne (etwa 2000 Karten), die Lions versammelten sich links und rechts davon auf den Geraden. Immer wieder wurde wild hin und her gestikuliert, “böse” Wörter ausgetauscht, aber das alles dürfte wohl eher für die anwesenden Fotografen gewesen sein. Hammers wirkten unmotiviert, bis auf einmal sang immer nur ein kleines Häuflein. Bei Millwall wurde es ein paar mal laut, allerdings brachte das Spiel keinen zu längerer Extase.

In der Pause konnte man dann die Umgehung des Rauchverbotes beobachten (wie in jedem öffentlichen Lokal ist auch im Stadion das Rauchen untersagt). Der Gang auf die Toilette wurde durch heftige Nebelschwaden erschwert. Man kam sich vor wie im Wackerladen, nur das die Rastas fehlten.

Das Publikum bei den Heimischen ist überhaupt für englische Verhältnisse einzigartig. Maximal eine Handvoll Bürger aus ehemaligen Kolonien zeigte sich in den Vereinsfarben, man fühlte sich doch in Neongelb-Orange sichtlich wohler. Auch das restliche Umfeld wirkt noch so wie man es sich wünscht. Keinen Megastore, anstelle die kleinen Stände mit Schals und Ansteckern. Anstelle der Wettbüros (wie es sie z.B. bei den Hammers massig gibt) gibt es Imbissstände und aufs Verbot der unflätigen Wörter wurde auch dezent gepfiffen.

Halbzeit Zwei war ähnlich wie die Erste. West Ham machte Druck, scheiterte aber dann meist an ihren Stürmern (Cole!) oder am Linienrichter. Viel Tat sich nicht mehr und auf den Rängen blieb es bei der üblichen Poserei. Gepost haben danach auch noch einige Hopper, die unbedingt in ihrem Eintracht Frankfurt Pulli Fotos machen mussten. Irgendwie versteh ich die Einstellung mancher Leute nicht. Wieso muss man bei einem fremden Verein immer seine eigenen Vereinsklamotten tragen? Alleine aus Respekt gegenüber würde ich darauf verzichten. Aber solange es die Heimischen nicht stört, kanns mir auch wurst sein.

Die Hammers Fans musste im Block bleiben, bis sämtliche Heimanhänger von dannen zogen. Nachdem es vorher nichts zu sehen gab, hauten wir uns auch lieber über die Häuser und suchten ein gemütliches Pub auf. Doch wie sollte es anders sein, durfte dieses aus Sicherheitsgründen auch erst um 17 Uhr öffnen. Sicherheit ist in London überhaupt das wichtigste Wort. Nach den Schwarzenaufständen vor einigen Wochen, wollte man heutigen Ärger zudem umgehen, indem eine große Anzahl an Supporter Meldeauflagen bekamen. Noch ein kleiner Fakt: In London gibt es über 10 000 öffentliche Kameras, in ganz Großbritannien 4,5 Millionen. Das entspricht eine für 13 Bürger. Man kann gespannt sein wann ein solcher Sicherheitswahn zu uns überschwappt. Allerdings ist es doch ein Unterschied ob man den Drahtziehern der Weltregierung etwas antun will, oder ob man dem Heinzi F. des Marmeladenbrot fladern will.

Nach dem Spiel trennten sich die Wege. Die einen fanden noch ein kühles Bier, andere widmeten sich der Kultur und können hier an dieser Stelle “Shrek – The Musical” empfehlen. Aber dies ist eine andere Geschichte!

Slovan Pressburg – AS Rom 1:0 (18.08.2011)

Nachdem Slovan in der CL-Qualifikation an APOEL scheiterte, bekamen Sie in der Europaleague-Qualifikation AS Rom zugelost. Das Italiener nicht unbedingt in größten Zahlen auswärts fahren (speziell in riskante Länder) ist allseits bekannt, da aber gleichzeitig Slovan extrem mobilisierte, sicherte man sich trotzdem Karten für dieses Spiel. War es gegen Roter Stern letztes Jahr nur möglich vor Ort an Karten zu kommen, konnten diese diesmal einfach übers Internet bestellt werden und daheim ausgedruckt werden. Eine Neuerung gab es aber: für den Slovan Fansektor gab es nur Karten über Belasa Slachta (so eine Art Fanorganisation) bzw. in den örtlichen Streetwearläden. Gespielt wurde wieder im Pasienky (das ehemalige Inter-Stadion), welches nun wohl die Heimstätte von Slovan werden wird. Das Tehelne pole ist schon ordentlich verfallen und wird denke ich nicht mehr in Betrieb genommen.

Wir erreichten diesmal relativ früh das Stadion und fuhren mit der Bim Richtung Altstadt. Die Hoffnung auf einen eventuellen Gästemob wurde erfüllt und wir liefen direkt hinein. Schätzungsweise 70 Römer dürften es gewesen sein, sie marschierten aber ruhig und unauffällig Richtung Stadion. Wir genehmigten uns noch das ein oder andere Getränk (die waren auch schonmal günstiger, Bier mittlerweile schon um die 1,50€ und für ein original Cola zahlt man fast 2€).

Eine dreiviertel Stunde vor Anpfiff gings retour zur Bim und bei der Fahrt konnte man sich in den Arsch beißen. Vor einem Pub sah man einen ordentlichen Bullenaufmarsch inklusive Absperrungen und Rettung. Tags darauf konnte man in der Zeitung nachlesen, daß die Römer ein Slovan Pub stürmten und wie üblich mit ihren Messerchen hantierten. Dabei gab es dann einige Festnahmen bei den Gästen.

Wir unterhielten uns in der Straßenbahn derweilen mit einigen Einheimischen, erwiesen diese sich doch als große Anhänger ehemaliger deutscher Politiker. Das in der Slowakei die Uhren noch etwas anders gehen, weiß man unsererorts spätestens seit dem Kampflesbe Lunacek auf einer Schwulenparade in Pressburg attackiert wurde. Endlich angekommen, sah man bereits einen ordentlichen Andrang. Zumindest in diesem Stadion hat man das so noch nicht miterlebt (im Derby eine Woche zuvor gegen Spartak Tyrnau waren gerade mal 4000 Zuseher). Pünktlich mit dem Einmarsch war man endlich drinnen und konnte gerade noch eine nette Choreographie der Heimischen mitansehen. Übers ganze Stadion wurden Zettel in den Vereinsfarben verteilt und im prallgefüllten Fanblock gabs zudem einen Überzieher. Roma enttäuschte vollends und hatte weder einen vollen Sektor noch etwaige Zaunbeflaggung (wie man später rausfand aus Ärger über die Festnahmen). Stimmung auf der Heimseite so gut wie noch nie (zumindest wenn ich sie sah). Der gezielte Verkauf von Fanblocktickets hat sich also doch bezahlt gemacht und es wurde eine konstant hohe Mitmachquote erreicht. Im Gästesektor sammelten sich etwa 300 Leute, wobei der Großteil definitiv Totti-Fans aus Österreich oder Umgebung waren. Bis auf Gesänge gegen Lazio, Slovan und die Polizei konnte man die Romanesi kein einziges Mal vernehmen (insgesamt maximal 5 Minuten gesungen über das ganze Spiel hindurch). Enttäuschend auch die Darbietung am Rasen. Roma mit dem nötigsten, aber vorm Tor zu lässig. Kaum packende Szenen in der ersten Hälfte.

Zur Pause dann der obligatorische Gang zum Stand der Ultras Slovan (mittlerweile auch ein Belasa Slachta Laden). Die String Tangas und Speicherstäbe waren leider nicht mehr vorhanden, dafür gab es neue Hardbass Pressburg Hemden (für alle die es nicht kennen: Hardbass Pressburg). Ansonsten gabs diesmal statt Burenheidln Hot Dogs und Hamburger, welche ganz genießbar waren. Ungenießbar hingegen das alkoholfreie Bier und die Alternative Kofola. Von diesem Dreck kriegt man spätestens nach einem Becher dermaßen Magenbeschwerden, verstehe bis heute nicht wie man dies nur literweise saufen kann. Die zweite Hälfte war sportlich weiterhin mau, allerdings wurde man kurz vor Schluß durch ein Slovan Tor erlöst. Genialer Torjubel und Dauersupport bis zum Schluß, sehr geil anzusehen. Mit Slovan feierten heute auch wieder eine ordentliche Anzahl aus Brünn (hinter der bekannten Johnny Kentus Gang Streetfighter Fahne), einige Leute aus Königshütte (Freundschaft mit Ruch gibt es, soweit mir bekannt, seit letztem Jahr) und Wienern (allerdings ohne Fahne, spielte doch der FAK am selben Tag im Horr). Ex-Veilchen Filip Sebo schnappte sich dann noch das Megaphon und koordinierte die abschließenden Feierlichkeiten.

Für uns gings retour zum Auto noch über bekannte Kreuzung (hinter dem Gästesektor vom Tehelne pole), wo man doch schon die ein oder andere Auseinandersetzung mitbekam, heute aber alles ruhig. Nach kurzer Fahrt war man endlich wieder in der Bundeshauptstadt und konnte Kräfte tanken für den folgenden Arbeitstag. Wer noch nie in der Slowakei war, dem kann ich eine Fahrt dorthin nur empfehlen. Für vergleichsweise wenig Geld bekommt man viel geboten.