Saturdays Heroes Nr. 0

Neues vom Fanzinemarkt, diesmal aus Polen in englischer Sprache. Hat man z.B. das TMK nur wegen der bunten Bilder gekauft, kann man nun auch die Texte dazu lesen. Optisch kommt das Magazin komplett in Farbe mit einer Vielzahl an Bildern. Doch auch die Texte wissen vollends zu überzeugen. In dieser Ausgabe ist ein guter Mix aus Groundhopping und Szeneberichten. Das interessante dabei ist, dass es sich durchwegs um Szenen handelt, von denen man nicht unbedingt laufend etwas mitbekommt (Bulgarien, Slask Wroclaw, Baskenland…).

Für knappe 4 Euro erhält man ein lesenswertes Fanheftl, dass jedem nur ans Herz gelegt werden kann. Restexemplare können hier bestellt werden.

West Ham – Millwall

Nachdem man schon das Hinspiel sah und es zudem noch nicht fix ist, ob es nicht sogar das letzte Mal im Upton Park stattfindet (es wird noch verhandelt, ob West Ham ins Olympiastadion übersiedelt), motivierte man sich doch wieder für diesen Kick.

Der Flug war schnell gebucht (von Salzburg mit der Ryanair um heiße 60 Euro), Kartenkauf war dann schon etwas interessanter. Als Auflage bekam man nämlich nur eine Karte, wenn man eine Kaufhistory aufweist. Somit hat sich die Mitgliedschaft schon wieder rentiert und man konnte sich großzügigerweise eine Karte zulegen. Andere hatten wiederum mehr Aufwand und mussten erst Personen mit den nötigen Erfordernissen aufsuchen, im Endeffekt kam aber (fast) jeder zu seiner Karte. Preislich war es diesmal um einiges teurer wie bei Millwall. Da der Bobby Moore Stand Lower sofort ausverkauft war, kam daher nur die Haupttribüne (Alpari Stand) in Frage. Als Unter 16jähriger sparte man natürlich nochmals und so waren es im Endeffekt 25 Pfund für die Karte.

Freitag abend ging es in Salzburg los. Wenn nicht gerade eine Russeninvasion ist, kann man sich hier merken erst 5 Minuten vor Boarding anzutanzen. Ryanair überraschte diesmal mit einem vorgezogenen Start, damit man ja in London die Fanfare hören kann. Flug war unspektakulär, in Stansted gings auch schnell durch die Passkontrolle und dann folgte ein persönliches Schicksal. Merke: Bei neuer Simkarte immer Pincode fürs Handy aufschreiben oder auf den alten umändern. Somit war das angebriesene 3LikeHome wirkungslos und man griff auf gute alte Prepaidkarten zurück. Nach 10 Minuten Werbung auf dem Tonband (“Top up your Freebie with 5 pounds and you will get 100 minutes to UK mobiles. Top up with 10 pounds…”) konnte man sogar Guthaben aufladen. Danach ging es per Stansted Express bzw. Terravision Coach Service Richtung London Liverpool Street. Letzteres ist mMn empfehlenswerter, da man für 15 Pfund (Online: 14) nur 15 Minuten länger fährt (Stansted Express: 29 Pfund bzw. 23 bei der Ryanair). Wenn man früh genug bucht, wäre EasyBus eine Option, da die bereits ab 3 Pfund starten (allerdings zur Baker Street fahren).

Während die Express Reisegruppe diesmal eine 4 Sterne Unterkunft hatte (für 30 Pfund pro Person durchaus vertretbar), kam der Rest bei Freunden und Bekannte unter. Ich kam daher noch in den Genuss die O2-Arena bei Nacht zu sehen. Nach einem vorzüglichen Mahl des Gastgebers (Danke alter Kamerad!) war es schon weit Nacht Mitternacht und daher Zeit zur Ruhefindung.

Am nächsten Tag hieß es früh aus den Federn, da aus Sicherheitsgründen wieder um 12.30 Uhr angepfiffen wurde. Somit ging sich eigentlich noch der Drittligakick Charlton – Rochdale aus. Nach einem umfangreichen British Breakfast (wobei der mushroom fast wieder hochkam) gings auf die andere Themse-Seite nach East London. Bereits beim Umsteigen in West Ham merkte man die hohe Polizeipräsenz. Im hinteren Bereich waren erste Millwallgruppen präsent, was sich durch das Klirren einiger Flaschen bemerkbar machte. Beim Upton Park dann Fantrennung pur und somit war neongelb heute die Millwallfarbe. Außer diversen Gesängen bekam man nicht viel zu sehen/hören. Dafür bekam man heute vieles zu hören, nur selten etwas englisches. Mag dies jetzt einer auf die Gegend rund um den Upton Park beziehen (nicht umsonst nennt man die Hammers auch Pakis), spreche ich eher von den unzähligen Touristengruppen. Neben einer Vielzahl an Italienern (darunter auch unsere Kameraden aus Udine), waren es vor allem Deutsche und Österreicher (Austria Wien Hauben waren ebenso präsent wie Rapid und Salzburg Hauben, doch auch der Steirer Dialekt kam nicht zu kurz). Insgesamt waren es wohl mehr Hopper wie Hammers auf den Straßen der Green Street. Dies sorgte wohl auch für die eigenartige Atmosphäre. Denn von Hass war hier kaum was zu spüren. Keine Gesänge und stattdessen ein normaler Spieltag Ablauf. Einzig der Megastore wurde gestürmt und es bildeten sich lange Schlangen an Kassa und Eingang. Daher nochmal retour zur Underground Station und dort einen weiteren Lions Mob ankommen sehen. Diesmal war noch mehr Polizei präsent, doch auch vorm Queens Pub sammelte sich diesmal eine gute Anzahl Hammers. Auch hier wieder eine Vielzahl an Kameras und Smartphones in der Luft um die beste Aufnahme vom “Forever Blowing Bubbles” Chant zu bekommen. Doch mehr war dann auch schon wieder nicht mehr. Pubs waren aus Sicherheitsgründen abermals geschlossen und so blieb nur mehr der Weg ins Stadion. Die Kontrollen waren Englandtypisch nicht vorhanden.

Wie oben bereits schon erwähnt, hatte jeder irgendwo Karten herbekommen, die meisten auf der Haupttribüne. Vor dem Stadion wäre es auch kein Problem gewesen am Schwarzmarkt zuzuschlagen. Von 40 bis 100 Pfund oder gar eine komplette Dauerkarte wäre möglich gewesen. So saß auch ich für meine 25 Pfund in der 2. Reihe direkt beim Spielfeld, während andere für 140 Pfund in Vip-Club Nähe Platz nahmen. Einige nahmen überhaupt auf der Ersatzbank Platz für Fotos, schön natürlich im “Liberta per gli Ultras”-Pulli der IRR Lazio. Lazio-Fans waren ebenso präsent (mit einer eigenen Vip-Box und “Sodalizio”-Fetzen), wie (oben schon erwähnt) zig andere Italiener (vornehmlich ausgerüstet mit den “Paolo Di Canio – West Ham Legend” Schals).

Millwall bekam diesmal rund 5000 Karten und musste in den 2. Rang des Trevor Brooking Stand. Der 1. Rang blieb gesperrt und wurde seitlich von der Riot Police belagert. Das restliche Stadion war so gut wie voll und auch ab und an recht gesangsfreudig. Optisch gab es natürlich nichts zu sehen, außer vielleicht ein paar Seifenblasen bei der Vereinshymne.

Das Spiel begann genauso mies wie im The Den, einzig die rote Karte in der 8. Minute sorgte für Aufregung. Die erste Hälfte plätscherte einfach vor sich hin, erst in der 45. Minute wurde man durch das 1:0 der Heimischen aus der Lethargie gerissen. Die zweite Hälfte war dann sichtlich besser und auch spannender. Dem Millwall Ausgleich folgte postwendend die Hammers Führung. Beide Anhängerschaften am Ausrasten, war schon ziemlich gut teilweise die Stimmung. Millwall sang zwar nicht viel, aber hat mich doch wieder positiv überrascht. Wenn dann waren sie ziemlich lautstark (wie auch im Hinspiel). Hammers bei den üblichen 2-3 Chants laut, ansonsten war eher weniger los. Die Pöbeleien zwischen den Gästen und dem Hammersblock im Eck nahmen allerdings zu, angeheizt auch noch die Carlton Cole (normal ein extremer Unsympathler) mit seinem Torjubel Richtung Gästefans. Millwall gelang es selbst in den 5 Minuten Überspielzeit nicht mehr ranzukommen und somit hieß der Sieger West Ham United, was ausgiebig gefeiert wurde (immerhin ist man Tabellenführer).

Da Charlton abgesagt wurde (gefrorener Boden), konnte man noch einige Pöbeleien beobachten, auch ein Böller flog noch in den West Ham Sektor (oder von diesem auf die Security?). Doch wirklich was wildes, wie damals im Pokal, gab es nicht. Für uns ging es nach dem üblichen Souvenirkauf retour Richtung Underground Station, wo die Polizei aber schon alles abgesperrt hatte. Millwall Fans wurde abermals eingekesselt Richtung Station gebracht. Einige Hammers amüsierten sich nun eben mit der Polizei und entledigten dem ansässigen Obsthändler seiner Orangen. Nach einer Weile griff Team Yellow aber durch und ritt mit ihren Pferden mal in die Menge. Bis auf einige wenige Motivierte, welche aber mit einem Tritt in die Eier beruhigt wurden, passierte nichts aufregendes.

Wir machten uns auf Richtung Piccadilly Circus, musste doch wieder einiges für die Daheimgebliebenen besorgt werden. Danach verbrachte man die Zeit ob des beschissenen Wetters im Pub um die Ecke. Da ein Teil erst Montag retour flog und für Sonntag Karten für Derby-Nottingham hatte, wurde ausgiebig die belgische Braukunst genossen (gibts eigentlich ein englisches Bier?), für mich gings aber retour in meine Unterkunft Tasche abholen. Laut Fahrplanauskunft auch kein Problem, doch die Rechnung wird bekanntlich mit den Londoner Transportbetrieben gemacht. Piccadilly waren alle Abgänge bis einen gesperrt, unten natürlich Chaos. Nachdem meine Oyster Card kein Guthaben mehr hatte, wollte ich sie beim Schalter aufladen, vor mir die Personen hatten Glück, bei mir war dann seine Arbeitszeit am Ende und er ging heim. Leute natürlich wild am schimpfen und zu den Automaten gestürzt. In einer übervollen Ubahn gings dann los Richtung Bank, dort leider kein Service der Jubilee Line. Also retour zu Piccadilly und dort nach Waterloo. Dort wurde aber gesagt, dass die Jubilee Line (ebenso wie etliche andere Ubahnen) gar nicht mehr fährt wegen des Schnees (zu dem Zeitpunkt lagen etwa 5 cm Schnee). Man sollte den Bus 188 nehmen (welcher die einzige Möglichkeit war nach North Greenwich zu kommen). Nach einer halben Stunde kam endlich ein Bus, welcher natürlich auch völligst überfüllt war. Bei jeder Station Rangeleien und Versuche doch noch irgendwie reinzukommen (der Bus sollte normal alle 15 Minuten fahren, was aber wohl nur ein Wunsch ist). Dann auch noch einige Überkorrekte, die melden mussten, dass etliche ohne Karte einstiegen. Der Busfahrer nahm es aber locker und meinte “We all want home! I don´t care about the tickets.” Nach 2stündiger Fahrt kam man endlich bei der o2-Arena an. Nun war der schöne Zeitplan sowieso schon über den Haufen geworfen, da in einer Stunde bereits der Bus retour genommen werden müsste. Also mehr oder weniger schnell in die Wohnung retour (natürlich sieht es bei Nacht und Schnee komplett anders aus). Dort dann Anruf vom Gastgeber bekommen, dass sie auch am Weg waren und wir uns noch treffen sollten. Was ich dann aber zu hören bekam, zeigt mal wieder warum die Verkehrsbetriebe derart verhasst sind. Sie fuhren ebenso mit einem überfüllten Bus, als der Fahrer auf einmal stehen blieb und ausstieg. Seine Schicht war zu Ende und er geht jetzt heim schlafen. Unglaublich eigentlich! Doch in diesem Land überrascht kaum mehr etwas. Der Schneefall war länger bekannt, es war zudem immer unter 0 Grad, trotzdem setzt man weiterhin auf Sommerreifen bei den Autos (was sich durch etliche Unfälle bezahlt machte) und verzichtet auf Schneeräumung. Für mich ging es dann trotzdem Richtung Bus, nur sollte der auch nach 45 Minuten warten nicht auftauchen. Also das einzige Taxi weit und breit (kaum jemand fährt nach North Greenwich raus) aufgehalten und mit dem zur Liverpool Street gedüst (mit 24 Pfund war die Fahrt weniger schlimm wie erwartet). Zwischendurch konnte man sich noch mit spärlich bekleideten Mädls unterhalten, auch diese setzen im Winter lieber auf Minikleid und High Heels. Sollte mal bei uns eingeführt werden.

Das einzige was wirklich pünktlich war und funktionierte war der Terravision Bus (Stansted Express übrigens auch gesperrt). So kam man recht zeitig in Stansted an und konnte nach den elendslangen Sicherheitskontrollen (welche ich nie verstehen werde) noch etwas frühstücken. Nach zahlreichen Flugabsagen (Heathrow angeblich dicht gemacht) war man natürlich froh, dass der Flug nach Salzburg scheduled starten sollte. Die Suche nach dem Gate war auch erfolgreich und so hieß es warten. Das man bei Ryanair ruhig zur Abflugzeit erst hinkommen kann dürfte eh bekannt sein. Diesmal rettete es allerdings einem weiteren Salzburger Reisenden wohl auch einiges an Geld. Dieser war zwar pünktlich am Flughafen, fiel aber dann doch wieder ins Land der Träume. 7.20 Abflug, 7.30 aufgewacht. Normal ein Schlamassel doch nicht bei ryanair. Deren final call dauert zum Glück bei 8 Uhr und somit konnte der Flieger leicht erreicht werden. Was sich dann aber abspielte, sorgte bei vielen für Unverständnis. Nachdem man endlich geboardet war, wurden zuerst 50 Personen aufgerufen, die wohl auf den Flug vergessen hatten und dann musste aufs enteisen gewartet werden. Dieses Szenario hatte ich schon einmal in Wien erlebt, daher rechnete man mit etwas Verspätung. Das man allerdings über 3 Stunden im Flieger saß und nicht mehr raus durfte (aus Sicherheitsgründen) und auch nichts zum Essen kaufen durfte (aus Sicherheitsgründen) war ein Witz. Um kurz nach 12 endlich die Erlösung, dass wir bald starten können. Ein Blick beim Fenster raus zeigte mit welcher Arbeitsmoral man auf der Insel vorgeht. Da stehen Einzelpersonen mit einer Schneeschaufel dort und schippen den Schnee. Andererorts wurden mit Traktoren Flugzeugstellplätze geräumt, anstatt die Startbahnen zu säubern. Um 15 (statt um 10) Uhr erreichte man dann gottseidank völlig übermüdet Salzburg.

Bleibt nur anzumerken, dass man niemanden empfiehlt im Winter (dritter Winter mit Schneefall in Folge und man ist noch immer überrascht) auf die Insel zu fliegen. Ryanair zeigte sich hier ebenso als Low-Service-Line wie die Sinnlosigkeit der Flughafenbediensteten in Stansted. Einzig der Taxifahrer von letzter Nacht machte einen positiven Eindruck und traf ein passendes Fazit: “This country will never change!”