Tessera del Austriaco?

Nachdem es wegen des Auftritts in Innsbruck zuerst ein Mords-Bahöö gab und jetzt zumindest medial wieder Ruhe einkehrte, legte der Verein eines drauf und veröffentlichte folgende Stellungnahme zur Abwicklung der Auswärtsspiele:

http://www.austria-salzburg.at/aktuelles/kuenftige-abwicklung-der-auswaertsspiele-der-austria-3708/

Was soll man dazu sagen? Eine Lösung, die sehr dem italienischen Modell ähnelt. Nachdem seitens der Offiziellen immer der FC St. Pauli als Vorbild genannt wird, wurde man bei der Suche nach schlechten Vorbildern in Italien fündig.

Aber fangen wir mal von vorne an. Was war passiert um auf derartige Geistesblitze zu kommen? In Innsbruck neigte sich ein geniales 8:0 dem Ende zu. Tolle Stimmung, leiwander Kick, Austrianerherz was willst du mehr. Das ganze fand wie immer ohne jegliche Beteiligung wackerer Anhänger statt, was wohl einige dazu veranlasste ihnen wenigstens einen Gruß dazulassen. So wurde am Scheißhaus eine Klobrille und der Radiator runtergerissen. Im Laufe des Spiels wurde es immer versiffter und schlußendlich dürfte jemand von der Halbzeitaktion noch was übrig gehabt haben und für Rauchentwicklung gesorgt haben. Eine komplett sinnlose Aktion das ganze, im Endeffekt aber kein neues Ausmaß an extremer Gewalt (man erinnere sich an Bundesliga-Zeiten). Der Großteil der Anhängerschaft (um es im violetten Jargon zu sagen: die 99%) begnügte sich mit dem 8 Toren und wollte friedlich nach Hause fahren. Doch man hatte die Rechnung ohne Captain Harris von der Innsbrucker Police Academy gemacht. Heute stand das üben von Polizeikessel und Datenaufnahme auf dem Programm. Einige Frischlinge hatten noch Probleme mit der Ausrüstung, die Datenaufnahme klappte dann aber schon besser. In bester ATV-Reportagen Manier ließen es sich einige violette Fans nicht nehmen und begannen ihre Flaschen auf den Schildern der Uniformierten zu entsorgen. Ebenso wie die Heisl-Geschichte entbehrlich, doch im ersten Moment denkt nicht jeder an die Folgen seines Handelns. Nun gut, endlich war man wieder im Lande und schon begann das Rauschen im Blätterwald. Schwere Randale der Austria Fans, Mord und Totschlag am Tivoli und das übliche Geplärre. Intern begann man bereits die Messer zu wetzen und so vergingen die Tage. Zwischendurch sorgte das Rapid Spiel gegen PAOK oder der LASK Auftritt in Vöcklamarkt für Aufregung. Am messbaren beides Ereignisse mit höherem Schaden (was aber natürlich den oben erwähnten nicht relativieren soll). Doch sie sind eben nicht violett und sie spielen nicht im heiligen Land (oder um es mit einer bekannten Tiroler Band zu nehmen, im Land der Vollidioten). So forderte neben diversen Landwirten und Schweinepriestern auch der SFV-Präsident den Ausschluss der Austria aus der RLW.

Die Maßnahmen also gerechtfertigt?

Mitnichten. Denn damit stößt man jedem treuen Auswärtsfahrer und weiter entfernten Violetten vor den Kopf. Spontane Auswärtsfahrten sind zudem auch nicht mehr möglich. Oft macht man seine Ausflüge auch von Wetter oder sonstigen Aktivitäten abhängig (sofern man nicht zum harten Kern der Allesfahrer gehört, der in unserem Fall aber überschaulich ist). Man beginnt seine Anhänger zu überwachen. Womöglich werden die Daten auch gleich den Freunden der Polizei übergeben. Durch das Passfoto ist es auch nicht mehr nötig mit Fahndungsfotos bei den Eingängen zu stehen. Die Registrierung ist ein Mittel um das Vertrauen in die Fans zu untergraben. Man kann sagen “Wer nichts anstellt, der hat auch nichts zu verbergen!”. Doch in der heutigen aufgeklärten Welt sollte man eigentlich schlauer sein. Stichwort Datenklau. Das traurige an dem ganzen ist aber, dass es beim einstigen Fanverein Austria Salzburg passiert. Wäre es bei Red Bull eingetreten (wie damals mit dem Fanvertrag), würden wir uns krümmen vor lachen. Doch jetzt ist es beim Aushängeschild aller Fanvereinigungen gekommen. Bei jenem Verein, der von unten weg neue Wege gehen wollte. Der als anders gesehen werden wollte. Doch diese Zeiten sind leider nicht erst seit heute Vergangenheit. Da helfen auch keine Kampagnen zur Zuschauerzahlenerhöhung. Man ist zu sehr dem Vorbild österreichischer 0815-Vereine gefolgt. Nur dank der aktiven Anhängerschaft wurde man noch nicht vollständig einer. Wenn man ein Unternehmen derart führen würde (ohne offener Kommunikation, fehlende Perspektiven, …), würden Mitarbeiter wie Kunden fernbleiben (ob dies den Mitglieder- wie Zuschauerschwund erklärt?).

Ich rufe hier nochmals die Gründungsgeschichte von “Austria neu” in Erinnerung: Nachdem der Jubel über den Red Bull Einstieg sich in Rauch auflöste und die bittere Realität zum Vorschein kam, begann man emsig mit Unterschriften sammeln. Dabei wurde aus Protest der lautstarke Support durch die Bösen eingestellt, während für die Guten alles beim Alten blieb (Rapid-Spiel). Die Tausenden gesammelten Unterschriften landeten ebenso wie die gewonnenen Auszeichnungen im Müll. Startschuss für Aktionen der Guerilla Viola. In Mondsee betrat man in der 19,33 Minute das Feld mit seinen Anliegen. Pfiffe und Randalierer-Aussagen einstiger Helden erreichten die violetten Ohren. Man ließ nicht locker und führte den Protest bis zum 18.09.2005. Unter “Ultras raus”-Rufen verabschiedete man sich mit einem Feuerwerk. Was blieb war das einfache Spruchband “Die Austria wird euch alle überleben!”. 7 Jahre danach, hat es seine Gültigkeit nicht verloren!

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