Personalisierte Tickets, Gruppenverbote, Sicherheitswahn… Naht das Ende?

Jetzt geht es derzeit Schlag auf Schlag. Über die Maßnahmen bei uns wurde bereits berichtet, der LASK und Rapid legten jetzt noch einen drauf. Während die Linzer Anhänger einen Fankodex ausarbeiteten mit dem sie wieder etwas mehr Ordnung reinbringen wollen, arbeitete auch das Reichel-Regime Konsequenzen aus. Ordner und Polizeianzahl wird erhöht, Material (Fahnenstangen) verboten und als Ober-Clou wird jeder beim Betreten des Fansektor fotografisch festgehalten und seine Personalien aufgenommen. Rapid ging noch einen Schritt weiter und schloß 2 Fangruppen aus der Gemeinschaft aus. Gründe konnten auch am Tag darauf noch nicht genannt werden. In den Medien wurde mangelnde Kommunikationsbereitschaft kolportiert. Das zum Kommunizieren immer 2 dazugehören, dürfte in Penzing noch nicht so verbreitet sein. In den verschiedenen Foren (ASB, derStandard.at…) feiert man diesen Schachzug als Erfolg gegen das kriminelle Rowdytum. “Diese Personen haben mit Rapid nichts zu tun. Sie sind immer schwarz anzogen und tragen Sonnenbrille.” Meldungen dieser Art sind immer wieder zu lesen. Pauschalisierungen und Klischeedenken dürften die wahre Stärke vieler Mitbürger sein. Nur weil etwas fremd ist, ist es schlecht und gehört verboten (ach ja aber Strache, du Hassprediger!). Das hier aber langjährige, unbescholtene Anhänger in Sippenhaft genommen werden, nur um vor Presse und Verbänden besser da zu stehen wird getrost in Kauf genommen.

“Wer sich nichts zu schulden kommen lässt, dem passiert auch nichts!”

Wie oft hört man nicht solche Aussagen in den diversen Kurven. Im großen und ganzen stimmt sie auch. Doch ist es immer so einfach sich an alle Gesetze und Vorschriften zu halten? Gerade mit dem Einzug der Ultrákultur wurde etwas Extremes importiert. Eine faszinierende Kultur, die schwer zu bändigen ist (bzw. war). Lautstark, farbenfroh, aggressiv. So zumindest präsentiert sie sich auf Fotos oder Büchern über die “gute, alte Zeit”. Doch oft bleibt mehr Schein wie Sein. Durch Gesetzesänderungen und Überwachungswahn wurde das Phänomen zwar nicht kastriert, aber zumindest beschnitten. Diejenigen, die sich nicht anpassen wollten liefen gegen die Wand, die angepassten kämpfen allerdings genauso mit dem Überleben. Was allerdings wenig Hoffnung gibt ist ein Blick in die italienischen Stadien (oder auch französische, spanische…). Von bunten Fahnen ist wenig zu sehen, oft ist es schon schwierig überhaupt Anhänger auszumachen. Jeder der schon einmal im Süden war, wird die aufbrausende Mentalität kennen. Ein stolzes Volk mit großem Herz. Doch wenn diese es kaum schaffen zu überleben, wie soll es dann erst in einem Land der ewigen Verlierer klappen? Mit Ultrámentalität wurde etwas fremdes importiert, dass für Werner Normalösterreicher einfach nicht passt. Wilde Hunde, die auf und ab hüpfen, Pyrotechnik zünden (“is jo net Süwesta!”), aber auch provokante Lieder anstimmen. Das kann man doch nicht machen? Was glauben, die wer sie sind? Eine Kultur die aber nicht nur Folklore sondern auch Gewalt beinhaltet. Man kann diese ausblenden, doch dann lebt man es nicht von ganzem Herzen. Wenn man in etwas vertieft ist und nur diesen Glauben lebt, führt es zwangsläufig zu Konflikten mit anderen “Glaubensgemeinschaften” (vgl. Religionen, Politik…). Der eine lebt es, für den anderen ist es ein Wochenendhobby. Und hier spießt es sich gewaltig. Der Österreicher ist seit jeher ein ignoranter Querulant. Über alles regt man sich auf, mit nichts will man zu tun haben (“Na Schuld? Des san die aunderen!”) und alles Unbekannte ist sowieso zum Schmeißen. Am Stammtisch Parolen schwingen und im Alltag wieder kuschen. Wer kennt sie nicht diese Einstellung. Als Ultrà schwingt man allerdings nicht nur Parolen, sondern lässt auch Taten folgen. Diese sind, zugegeben, oftmals unbedarft und dumm, aber an das denkt man nicht immer im ersten Moment. Dann geht es 1,2,3 mal gut, die Handlungen verfestigen sich, doch auf Dauer nervt es Werner Normalösterreicher immer mehr. Etwas fremdartiges das sich nicht anpassen will? Gibts nicht, weg mit denen. Die großen Boulevardblätter (mangels Alternativen in Österreich in der Mehrheit), die Verbände, die Exekutive und sonstige Gutmenschen fühlen sich betroffen und nehmen sich der Thematik an. Schritt für Schritt wird daran gearbeitet die Fremden in das bestehende System zu integrieren, die Integrationsunwilligen werden dagegen weggesperrt oder entfernt (“weg mit de ultras!…hoit na, ihr Nazis, lossts den Mitbürger in Ruhe. Nur weil er Migrationshintergrund hot, is er net schlechter! Er mog hoit a sei Kultur ausleben!”). Man suche die Doppelmoral!

Nun sieht man, dass sich das Netz über der Ultràbewegung immer mehr zuzieht. In der BRD kennt man dies bereits von vergangenen Großveranstaltungen. Bei uns hat man es sich immer irgendwie gerichtet (Österreich-typisch). Aber irgendwann geht das nicht mehr, dann rennt man gegen die Wand damit. Doch dann gibt es wie immer 2 Türen zum Auswählen. Tür 1 führt nach oben, man befolgt die Anweisungen und findet sich mit den Neuerungen ab. Der Vorteil ist, dass man weiter die Spiele besuchen darf, weiter für Stimmung sorgen darf, weiter optisch auf sich aufmerksam machen darf, allerdings steht der große Bruder hinter, neben und vor dir. Neusprech hat sich durchgesetzt (alles andere wäre Verhetzung), der Gegner wurde ebenso gläsern wie einer selbst. Tür 2 führt dagegen nach unten ins Verderben. Man kann sich auf den Weg dorthin austoben wie man will, Konsequenzen sind Prügel oder Straflager. Man mag zwar klassisches Schwarz-Weiß-Denken unterstellen, aber Ultrà ist auch eine extreme Einstellung. Keine Kompromisse! Doch Ultrà hat auch immer etwas mit Freiheit zu tun. Deswegen steht es jedem frei welche Tür er wählt, solange man mit sich selbst im Reinen ist. Die eine, reine, Form ist die Fortsetzung des klassischen Modells, die andere wäre der angepasste, zukunftsfähige Weg.

Ohne Zweifel ist der Weg durch Tür 2 stark verkürzt. Doch kann man aus fundamentalistischer Sicht Weg 1 als Ultrà bezeichnen? Oder wäre es hier besser dem italienischen Vorbild zu folgen und getreu dem Motto “Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende” einen Schlußstrich zu ziehen? Das muss jeder für sich entscheiden. Sicher zu sein scheint aber, dass diese Frage irgendwann gestellt werden muss. Der Grund dafür ist, dass man es über Jahrzehnte nicht geschafft hat eine in der Bevölkerung akzeptierte Supportkultur zu schaffen. Die einen kopierten im Süden, die anderen auf der Insel, wiederum andere nehmen sich der germanischen Prollmentalität an. Es lassen sich wohl nur wenig Gruppen finden, die wirklich eine eigene Identität schufen (in Salzburg gibt es sie). Für Außenstehende wirkt der italienische Ultrà ebenso befremdend wie der englische Casual. Doch auch der Alki mit seiner Kutte und Schalteppich wird als Extremist angesehen. Wie soll also der österreichische Weg aussehen? Wie würde ein österreichisches Modell aussehen? Diese Fragen gilt es zu beantworten. Bis dato sieht es stark nach Weg 1 aus.

Stay True!

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