Millwall FC – West Ham United 0:0 (17.09.2011)

Kaum ein Spiel erlangte in den letzten Jahren mehr Bekanntheit wie dieses, gab es doch diesen Hollywood-Schinken in dem Frodo Beutlin einen Firmenmanager mimte. Vor zwei Jahren war es das erste mal nach längerer Zeit soweit und tags darauf war für Schlagzeilen gesorgt. In und ums Stadion gab es Aufeinandertreffen, die Hammers stürmten mehrmals das Feld, sportlich ein richtiger Pokalknüller. Wie es das Schicksal nun so will, stieg West Ham nach einer schwachen Saison aus der Premier League ab und teilt sich jetzt die Klasse mit dem südlichen Rivalen.

Die Auslosung bestimmte jenen Tag im September, die Vorbereitungen wurden aber bereits Wochen zuvor getroffen. Aus Sicherheitsgründen durften nur Millwall Mitglieder Karten erwerben, was wohl die Mitgliederzahlen ordentlich in die Höhe geschraubt hat. Karten gab es nur an einem bestimmten Tag und nur ein Stück pro Person. Im Endeffekt gab es bis 3 Tage vor Spielbeginn Tickets, erst dann war es ausverkauft. Für die West Ham Seite kam man nur an Karten wenn man Saisonkarteninhaber und eine gewisse Anzahl an Auswärtsspielen hatte, also keine Chance für Hopper. Jetzt noch einen günstigen Flug organisieren, was dank des irischen Flugunternehmens kein Problem ist, der Komfort aber von Mal zu Mal schlechter wird. Also ab nach London.

London ist bekanntlich immer eine Reise wert, für Fußballinteressierte gibts immer etwas zu sehen (bei einer Vielzahl an Profi- und Amateurvereinen), die Kultur kann man mit den zahlreichen Sehenswürdigkeiten und Musicals abdecken oder einfach Anteile bei den Firmen “Lonsdale” und “Everlast” kaufen. Was man allerdings nicht fand, war ein offenes Pub am Spieltag. Rund um “London Bridge” war alles dicht, also gleich Richtung Stadion gefahren. Dort fand man genau ein offenes Beisl, vor dem sich etwa 300 Millwall Supporter tummelten. Stimmung ausgelassen und für einen Salzburger doch ein eher seltenes Bild. Der Großteil der Anhänger hatte die 30 längst überschritten, zahlreiche Narben (dürfte auf der Insel wohl Standard sein) zeugten zu dem von einem erfüllten Leben. Die Polizei hielt sich zurück, kümmerte sich wohl eher um die Gästeanhänger, denn von diesen konnte man nicht einmal irgendwen sehen.

Nachdem nichts Weltbewegendes mehr stattfand, rein ins Stadion. Der ein oder andere Salzburger hätte hier sicher seine Probleme und würde im Drehkreuz stecken bleiben. Abgetastet wurde man heute auch, aber kein Vergleich zu einem Austria Heimspiel. Karten hatte man direkt bei der Mittelauflage ergattert, als Nachbarn neben Hoppern durchwegs älteres Publikum und deren Söhne. Mit Spielbeginn merkte man dann, was viele am englischen Fußball so lieben. Bei jeder Kleinigkeit hüpften diese Herren auf, schimpften aufs tiefste Referee oder Gegner und setzten sich dann wieder seelenruhig neben ihre Kleinen. Es ist zwar einerseits langweilig, wenn das Spiel nichts hergibt und somit Stille im Stadion herrscht, andererseits hat dieser spielbezogene Support schon etwas sehr Feines.

Sportlich war es halt Championship. Beide Teams scheiterten vorm Tor kläglichst, viele Pässe gingen ins Leere. Man meinte sogar die Austria könnte mit dem Niveau mithalten (Anm.: was sich dann aber nach späteren Kurznachrichten aus der myphone Arena als schwachsinnig rausstellte). Interessanter war fürs erste daher wieder der Blick auf die Tribünen. West Ham bekam den oberen Rang der Hintertortribüne (etwa 2000 Karten), die Lions versammelten sich links und rechts davon auf den Geraden. Immer wieder wurde wild hin und her gestikuliert, “böse” Wörter ausgetauscht, aber das alles dürfte wohl eher für die anwesenden Fotografen gewesen sein. Hammers wirkten unmotiviert, bis auf einmal sang immer nur ein kleines Häuflein. Bei Millwall wurde es ein paar mal laut, allerdings brachte das Spiel keinen zu längerer Extase.

In der Pause konnte man dann die Umgehung des Rauchverbotes beobachten (wie in jedem öffentlichen Lokal ist auch im Stadion das Rauchen untersagt). Der Gang auf die Toilette wurde durch heftige Nebelschwaden erschwert. Man kam sich vor wie im Wackerladen, nur das die Rastas fehlten.

Das Publikum bei den Heimischen ist überhaupt für englische Verhältnisse einzigartig. Maximal eine Handvoll Bürger aus ehemaligen Kolonien zeigte sich in den Vereinsfarben, man fühlte sich doch in Neongelb-Orange sichtlich wohler. Auch das restliche Umfeld wirkt noch so wie man es sich wünscht. Keinen Megastore, anstelle die kleinen Stände mit Schals und Ansteckern. Anstelle der Wettbüros (wie es sie z.B. bei den Hammers massig gibt) gibt es Imbissstände und aufs Verbot der unflätigen Wörter wurde auch dezent gepfiffen.

Halbzeit Zwei war ähnlich wie die Erste. West Ham machte Druck, scheiterte aber dann meist an ihren Stürmern (Cole!) oder am Linienrichter. Viel Tat sich nicht mehr und auf den Rängen blieb es bei der üblichen Poserei. Gepost haben danach auch noch einige Hopper, die unbedingt in ihrem Eintracht Frankfurt Pulli Fotos machen mussten. Irgendwie versteh ich die Einstellung mancher Leute nicht. Wieso muss man bei einem fremden Verein immer seine eigenen Vereinsklamotten tragen? Alleine aus Respekt gegenüber würde ich darauf verzichten. Aber solange es die Heimischen nicht stört, kanns mir auch wurst sein.

Die Hammers Fans musste im Block bleiben, bis sämtliche Heimanhänger von dannen zogen. Nachdem es vorher nichts zu sehen gab, hauten wir uns auch lieber über die Häuser und suchten ein gemütliches Pub auf. Doch wie sollte es anders sein, durfte dieses aus Sicherheitsgründen auch erst um 17 Uhr öffnen. Sicherheit ist in London überhaupt das wichtigste Wort. Nach den Schwarzenaufständen vor einigen Wochen, wollte man heutigen Ärger zudem umgehen, indem eine große Anzahl an Supporter Meldeauflagen bekamen. Noch ein kleiner Fakt: In London gibt es über 10 000 öffentliche Kameras, in ganz Großbritannien 4,5 Millionen. Das entspricht eine für 13 Bürger. Man kann gespannt sein wann ein solcher Sicherheitswahn zu uns überschwappt. Allerdings ist es doch ein Unterschied ob man den Drahtziehern der Weltregierung etwas antun will, oder ob man dem Heinzi F. des Marmeladenbrot fladern will.

Nach dem Spiel trennten sich die Wege. Die einen fanden noch ein kühles Bier, andere widmeten sich der Kultur und können hier an dieser Stelle “Shrek – The Musical” empfehlen. Aber dies ist eine andere Geschichte!

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