Austria-Stadion endgültig gescheitert?

Wie man gestern Abend den Salzburger Nachrichten entnehmen konnte, scheinen die Pläne eines Stadionneubaus in Liefering ad acta gelegt worden zu sein. Bereits wie seitens einer (“Wirtschafts-“)Partei die Pläne an die Medien übermittelt wurden, war der Aufschrei in der Bevölkerung groß. Von sinnloser (Steuer)Geldverschwendung, Lärmbelästigung und vieles mehr war zu lesen und hören. Kann man die Anrainerbeschwerden noch verstehen, obwohl diese hauptsächlich von Berufsvolksbegehrern geäußert wurden, ist das Argument der Finanzierung nicht verständlich. Mit einer Drittelfinanzierung wäre die Stadt relativ günstig ausgestiegen und hätte einige Probleme gelöst gehabt. Man merkte aber bereits schnell, daß die anfangs begeisterte Bürgerliste sowie die Sozialdemokraten politischen Gegenwind bekamen und somit eine Kehrtwende machten. Auch wurde das Projekt völlig falsch präsentiert (was aber hauptsächlich an o.a. Partei lag. Ziel hätte es sein sollen eine gesamte Sportstättenoffensive zu bestärken mit dem Stadion als Aushängeschild. Es gibt etliche Vereine die über kaum vorhandene Infrastruktur klagen und denen dieser Vorstoß der Austria sicher gut getan hätte. Mit einer vernünftigen Aufteilung der Sportstätten (neben dem Hauptfeld noch etliche Trainingsplätze für die hunderten Nachwuchsfußballer) wäre es kein Austria-Stadion gewesen, sondern ein Stadion für Salzburg.

Wie weiter oben erwähnt, gab es Bedenken bezüglich der Anrainer und auch der öffentlichen Anbindung. Diese dürften jetzt anscheinend verflogen sein, denn für eine neue Eishalle von Red Bull lassen sich alle wieder rasch begeistern. Ohne Frage: Salzburg braucht dringend vernünftige Eisplätze. Der 1960 erbaute Volksgarten ist für ein geplantes europäisches Spitzenteam im Eishockey (im Fußball hat es bekanntlich nicht geklappt) zu klein, zudem ist es die einzige Halle für sämtliche Teams. Daher sollte es unsererseits auch kein Gemecker über eine neue Eishalle geben, sondern vermehrt auf eine breitflächige Sportstättenoffensive hingewiesen werden. Vielleicht wäre es auch sinnvoller gewesen das Olympiabestechungsgeld gleich zweckmäßig einzusetzen.

Wie geht es nun mit der Austria weiter? Das dürfte die große Frage sein. Dank der aktuellen sportlichen Leistungen verschiebt sich ein Aufstieg in den Profifußball um zumindest ein weiteres Jahr. Für die Regionalliga ist Maxglan mehr als ausreichend, da mangels Attraktivität die Zuschauerzahlen kontinuierlich zurückgehen. Ein Flutlicht und eine weitere Tribüne wären auch schnell gebaut, die Parkplatzsituation und v.a. die Trainingsplatzproblematik würden dabei aber nicht gelöst werden. Der Kampf um eine adäquate Heimstätte sollte daher nicht aufgegeben werden, sondern durch fundierte Argumentation verstärkt werden. Das man sich dabei nicht prostituieren muss und Seitenblickepolitikern eine Bühne bieten muss, dürfte nun auch klar sein. Denn wenn es hart auf hart kommt, ziehen genau diejenigen mit den vollmundigsten Versprechungen den Schwanz am meisten ein. Auch die vorgeschlagene Lösung mit einem Umzug nach Klessheim wäre fatal. Selbst wenn es als Übergangslösung angesehen werden würde, mit welcher Begründung würden wir wieder von dort wegkommen? Jeder rationell Denkende würde sich fragen, was die Violetten eigentlich wollen. Haben ein millionenschweres EM-Stadion zur Verfügung mit ausreichend Platz für 2 Vereine und selbst das passt ihnen nicht. Aus dieser Kiste wäre es schwer wieder rauszukommen. Selbst wenn man sich damit abfindet, würde es vieles wofür die Austria steht zerstören. Einerseits der Canossagang zurück zu unseren Peinigern, andererseits würde die bekannte Heimspielatmosphäre flöten gehen. Unser durchschnittlich 500 Mann Fanblock wäre in einem 30.000er Stadion verloren und würde wohl für ähnliche Begeisterungsstürme wie die Klatschpappen der Vorstädter sorgen.

Die Austria scheint auf dem Scheideweg zu sein. Verloren, wie einige bereits im Monatstakt befürchten, wird sie nie sein, doch könnte es fatale Auswirkungen für die Zukunft geben. Jetzt gilt es sich auf unsere Grundprinzipien zurückzubesinnen, die strahlenden Augen Richtung Profigeschäft mal abzudunkeln und an einer für alle zufriedenstellenden Lösung zu arbeiten. Ein Schnellschuß ohne die Mehrheit der Fans würde weitere Risse in die bereits leicht angespannte Situation zwischen Verein und Anhängerschaft führen.

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