Ukraine – Österreich 2:1

Nachdem man eigentlich aufs Nationalteam verzichten wollte, waren die Überredungskünste doch erfolgreicher. Mit Marcel Koller ein neuer Trainer, der frischen Wind bringen soll, und zudem eine EM-Stadioneröffnung waren Motivatoren. Anreise sollte wie immer so günstig wie möglich sein, daher zog ein Direktflug den kürzeren. Einige flogen von München ab was preislich im Rahmen blieb, aber für etliche aus Zeitgründen nicht machbar war. Zug ist von Wien umständlich und zeitaufwendig, da an der ukrainischen Grenze die Spur gewechselt werden muss. Blieb also nur die Anreise mit dem Mietauto. Nach längerem Hin- und Her (ja, ein Reisepass wird für eine Auslandsreise schon benötigt) fanden sich Montag nacht 8 Violette in Österreichs Osten ein um mittels Neunsitzer die etwa 900 km zurückzulegen. Bis auf einen Verfahrer in Budapest und dann vor der Grenze, der uns eine Stunde kostete aber doch einige Schönheiten hatte (csókolni a kezét!), war man in der früh an der ukrainischen Grenze. Im Internet wurde vor der Einreise mit einem Mietauto gewarnt, da dies Probleme mit sich bringen würde (was auch anderen Österreichern passierte und sie mit dem Zug weiter mussten). Man benötigt eine notarielle Beglaubigung in deutsch und russisch, dass man berechtigt ist, diesen Wagen zu lenken (sofern man nicht der Eigentümer ist). Da dies ein Kostenfaktor gewesen wäre, verzichtete man darauf und hatte nur den Mietvertrag mit. Dürfte auch genug gewesen sein und die Einreise dauerte nur etwa 20 Minuten. Erwähnenswert sicherlich die typisch sowjetische Vorgehensweise. Position A kontrolliert Reisepässe und die dazugehörenden Personen, Position B kontrolliert Reisepässe, Fahrzeugschein und Personen, zusätzlich ein Blick in den Innenraum wegen Schmuggelware. Zusätzlich erhält man den den Passierschein ZY. Diesen kontrolliert Position C und gibt den Weg frei auf die holprige Landstraße.

Wie es für Oldschool Supporter üblich ist, wurde auf ein Navigationsgerät verzichtet. So deckte man sich bei der ersten Tankstelle mit einer kyrillischen Landkarte ein, welche trotz fehlender Kenntnisse kein Problem war. Nachdem in Ungarn Fahrer Louis Hamilton nur von einem Wagen überholt wurde, musste man beim Weg durch die Ostkarpaten runter vom Gas gehen. Neben etlichen LKWs sorgten Schlaglöcher und Kurven für eine geringere Durchschnittsgeschwindigkeit. Die Landschaft ist im Frühling sicher sehenswert, in der kalten Jahreszeit wirkt sie einfach nur trist. Am Wegesrand standen immer wieder Einheimische, die eine Mitfahrgelegenheit suchten (sofern sie nicht gleich zu Fuß gingen oder mittels Pferdekutsche fuhren). Zudem konnte man alles mögliche an selbstgebastelten und -gebrannten erwerben. Etwa 1 Stunde vor Lemberg war dann Wintereinbruch und man durfte die erste Schneeballschlacht des Jahres veranstalten. Es ging aber doch besser wie erwartet voran und nach 12 Stunden erreichte man das EM-Stadion. Von weitem sieht man das Teil bereits, befindet es sich doch gleich neben dem “Highway”. Schwieriger war dann aber die richtige Zufahrt zu finden, da diese einfach noch nicht existiert. Die offizielle Zufahrt wurde durch Baufahrzeuge versperrt, bei der zweiten Richtung Parkplatz war man erfolgreicher und die postierten Soldaten machten den Weg frei. Rund ums Stadion wurde fleißig gearbeitet, hieß es doch die Pflastersteine zu verlegen und die Drehkreuze einzubauen. Der Parkplatz selber über die obere Tragschicht noch nicht hinausgekommen und so standen die Kanalschächte noch 10 cm raus. Beim Stadionbesichtigen interessierte sich keiner für uns, selbst am Feld wurde man für Arbeiter gehalten. Einzig in den VIP Club durften wir dann doch nicht. Eintrittskarten waren natürlich Fehlanzeige und so fuhr man doch erst einmal ins Hotel.

Dieses erwies sich als Glücksgriff. Zwar etwas abseits aber sauber, preiswert und 24h Restaurant sprachen für sich. Mittels Taxi dann rein in die Stadt, treffen mit der Vorhut und gleich mal Futter ausfassen. Trotz bester Lage des Lokals (im Opernhaus) fand man kaum eine Speise über 5 Euro. Neben dem Preis muss man auch die Qualität und die Optik loben. Ukraine dürfte wahrlich noch ein Land sein, wo man etwas für sein Geld bekommt. Einzig bei den Eintrittskarten war man nicht so human und so durfte man 200 UAE (etwa 20 Euro) ablegen. Bei der ersten Stadionbesichtigung war schon ersichtlich, dass es neben der Fertigstellung auch an öffentlichen Verkehrsmitteln mangelte. So durfte man abermals ein Taxi ordern und für 15 Euro ging es im 14-Sitzer die halbe Stunde raus zum Stadion. Vor der Öffnung der Tore bereits angekommen und somit die ersten im Gästesektor erklärte sich auch die Zaunbeflaggung (welche nahezu nur aus violetten Vertretern bestand: Oed/Zeillern, Lunatics, TGS, UU sowie Rotlichtboys AC-Lockenhaus-AB und Asparn/Z.).

Während sich das Stadion schleppend füllte, wurde die Hilti noch ausgepackt und die Sektorenbezeichnung montiert. Das Stadion selber ist innen zwar sehr geil, steile Tribünen und überdacht, doch würde sich ATV für ihre Sendung “Pfusch am Bau” darüber freuen. Das die Kartenscanner nicht funktionierten, war egal, doch vereiste Treppen bei einem Neubau sind nicht gerade ein Qualitätsmerkmal. Auf den Toiletten wurden noch schnell Seifenspender montiert, welche nicht betätigbar sind. Fliesen konnte man noch bewegen, da der Kleber noch nicht trocken war. Die Eckleisten flogen sowieso schon beim Anschauen wieder runter. Mitten im Sektor war auch noch ein Loch für die Entwässerung offen, direkt darunter waren Sitzplätze der Ukrainer. Das Strom mit Verlängerungskabel quer durch Stadion verlegt wurde und man jederzeit damit hantieren konnte, muss man zur Kenntnis nehmen. Dafür herrscht Rauchverbot im Stadion und auch das Buffet war in Ordnung. Kaffee 1,50 sowie 0,5l Cola (in der PET-Flasche) für 1,50 sind in Ordnung.

Zum Anpfiff war das Stadion dann, mit Ausnahme des Gästebereiches, voll. Hinter dem gegenüberliegenden Tor machte sich der Supporterblock breit. War doch überraschend wieviele da mitmachen und auch die Pyrotechnikeinlagen wussten zu gefallen. Laut wurde es einige Male im ganzen Stadion (v.a. wie Sheva eingewechselt wurde). Die etwa 50 Österreicher konnten kaum was ausrichten. Dafür überzeugten doch einige wieder mit buntgemalten Gesichtern und rot-weiß-roten Irokesenperücken. Für Begeisterungsschwünge der Einheimischen reichte es aber nicht, Tanzanimation und aufblasbare Klatschstäbe sind doch eher ihres. Alles in allem wars aber doch eine sehr ordentliche Stimmung im Stadion.

Ordentlich war auch der Auftritt der Rot-Weiß-Roten am Platz. Speziell in der zweiten Hälfte hatte man mehr Chancen auf den Sieg, mit Ausnahmen von Arnautovic traf man aber nichts. Im Gegenzug fing man sich 2 sinnlose Tore ein. Rein taktisch merkt man schon eine Verbesserung durch Trainer Koller (einzig Pferdefresse Janko sollte doch eher in Holland bleiben). Dafür müssen einige noch vom hohen Ross runterkommen. Wenn ein Fuchs zum Affen wird, ist dies noch halbwegs lustig, abfällige Handbewegungen und Verschwinden eines Pogatetz dafür weniger. Ein Positivbeispiel ist hier allerdings der verschrieene Arnautovic.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel und es ging wieder das gewohnte Chaos los. Taxis konnten nicht zum Stadion zufahren und so blieb einem nichts anderes übrig, als im Schneegestöber heimzumarschieren. Man fühlte sich teilweise ein paar Jahrzehnte zurückversetzt. Nach fast 2 Stunden konnte ein ukrainischer Nachwuchsrennpilot gefunden werden, der uns flott aber sicher ins Hotel retour brachte. Während ein Teil noch einheimische Spezialitäten verkostete, träumten andere bereits von Saxophonkonzerten (welches aber beim Traum blieb).

Frühmorgens ging es nach einem typischen Frühstück (Würstel, Fleischlaberl, Fleisch mit Gemüse/Pilze, div. andere mehr oder weniger definierbare Dinge) retour Richtung Heimat. Anfangs noch Nebel und Schnee wurde es immer schöner und die brachte die Karpaten in ein schönes Herbstlicht. Geblendet von dieser dürfte auch ein Struppi gewesen sein, machte er doch rasch Bekanntschaft mit französischer Qualitätsarbeit. Überraschenderweise ging der Sieg an die Franzosen. Zur Feier gabs feinsten ukrainischen Wodka.

An der Grenze wars diesmal zeitintensiver. Während die Ukrainer in gewohnter Manier (ohne Passierschein heißts “go back” und Formular holen) arbeiteten, verzichteten die Ungarn auf diese und machten lieber Mittagspause. Schranken unten und abwarten bis das Gulasch verspeist war. Die eigentliche Kontrolle dauerte zwar nur 5 Minuten, doch verlor man schnell 1 1/2 Stunden. Folglich wurde abermals Hamilton hinters Steuer verfrachtet, der in Rekordzeit die ungarische Hauptstadt erreichte. Da blieben bei anderen Fangruppen die erworbenen ungarischen Zwiebel stecken.

Fazit: Ukraine sicherlich eine Reise wert, wegen einem Tag aber anstrengend. Preislich unter 150 Euro geblieben (Busmiete, Sprit, Hotel, Essen, Eintritt…). Why haven´t I told you!

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